Die heilige Maria Magdalena von Pazzi von Florenz, Karmeliter-Nonne, Mystikerin, + 25.5.1607 - Fest: 25. Mai

       

Die Heilige vom heutigen Tag hieß mit dem Familiennamen Pazzi. Das Wörtchen „von“ deutet darauf hin, dass sie vom Adel war. Der Taufname lautete Katharina, während Maria Magdalena der Ordensname ist, denn mit siebzehn Jahren entsagte das junge Mädchen der Welt, trat in den strengen Orden der Karmelitinnen ein und verbrachte den Rest des Lebens bis zum Tod am 25. Mai 1607 in einem Kloster der Heimatstadt Florenz. Aus der Jugendzeit der Heiligen werden einige Vorkommnisse erzählt, die der Wiedergabe wert sind.

 

Da wird zunächst berichtet, dass Katharina von Pazzi schon als Kind es nicht ausstehen konnte, dass böse und bittere Worte über den Nächsten ausgesprochen wurden. Solche Reden taten ihrem Herzen so weh, dass sie bisweilen darüber weinen musste, und dass sie selbst über andere Kinder abträglich gesprochen hätte, war ganz undenkbar. Nie auch gab sie ein Geheimnis preis, das man ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut hatte.

 

Weiter wird erzählt, dass Katharina von Pazzi ihr Butterbrot an arme Mitschülerinnen verschenkte, und während andere Kinder diejenigen, die in der Klasse wegen Dummheit aufgefallen waren, in den Unterrichtspausen auslachten und verspotteten, nahm sich Katharina ihrer liebevoll an und sprach ihnen Mut zu.

 

Auch das war ein auffallender Zug bei Katharina von Pazzi, dass sie sich schon in früher Kindheit vom lieben Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament angezogen fühlte. Gern weilte sie in der Kirche, und immer kam sie so zeitig zur heiligen Messe, dass sie in der ersten Bank Platz fand, um nahe beim Tabernakel zu sein. Ganz groß aber war Katharinas Freude am hohen Tag der ersten heiligen Kommunion, die sie im Alter von zehn Jahren empfing. Nie im Leben hat sie das Glück dieser Stunde vergessen, und was sie da bei der Erneuerung des Taufgelübdes versprach, hat sie bis zum Tod treu gehalten und hat dem Satan, seiner Hoffart, seiner Lust und allen seinen Werken widersagt und hat Gottes Gebote treu beobachtet. Katharina gehörte zu jenen edlen Menschen, die den Treueschwur vom Erstkommuniontag lebenslang halten.

 

Um dem lieben Gott noch besser dienen zu können, verließ Katharina von Pazzi die Welt und ging ins Kloster. Aus dem reichen Mädchen wurde eine arme Ordensfrau. Schwester Maria Magdalena, wie sie nun hieß, genoss in den ersten zwei Jahren einen unbeschreiblichen Herzensfrieden. Später wendete sich allerdings das Blatt, denn ohne die Bewährung kann niemand heilig werden. Die Prüfungen aber, die über Maria Magdalena kamen, bestanden in grauenhaften Versuchungen zu allen möglichen Sünden. Es bleiben demnach auch die Heiligen von Versuchungen nicht verschont, und eben dadurch, dass sie den Versuchungen widerstehen, gelangen sie zur Heiligkeit.

 

Damals nun ereignete es sich eines Tages, dass Schwester Maria Magdalena stundenlang unter heftigen Anfechtungen gegen die heilige Reinheit litt. Dieser Zustand dauerte fast fünf Jahre: Versuchungen der Gotteslästerung, der Verzweiflung, der Unreinheit, der Essbegierde, des Ungehorsams und ähnlicher Sünden, Belästigungen von Seiten der bösen Geister, Entziehung des fühlbaren Trostes inmitten aller Kämpfe. Alles vereinigte sich, sie mit entsetzlichen Peinen zu quälen, in denen sie nur durch den Hinblick auf das Kreuz, durch Demut und Gehorsam aufrechterhalten wurde. Nachdem sie die Versuchung siegreich überwunden hatte, erschien ihr, wie auch sonst oft, der liebe Heiland, und als Schwester Maria Magdalena den Herrn traurig fragte, wo er denn während der quälenden Anfechtungen gewesen sei, erhielt sie zur Antwort: „Da war ich mitten in deinem Herzen.“ So sagte der Heiland, und aus diesen Worten geht hervor, dass nicht die Versuchung, sondern nur die Einwilligung darin Jesus aus dem Herzen vertreibt. Es ist gut, dass man sich die Tatsache merkt.

 

Am Pfingstfest des Jahres 1590 war ihre Prüfungszeit vorbei; nach der heiligen Kommunion strahlte ihr Antlitz von außerordentlicher Freude und, ihren Oberinnen die Hand drückend, sprach sie zu ihnen: „Das Ungewitter ist vorüber; dankt und preist mit mir meinen liebenswürdigen Schöpfer.“

 

Seit dem hatte sie nie mehr ähnliches zu bestehen. Ihre Seele, durch und durch gereinigt von Sünden und von aller ungeordneten Selbstliebe und zu einer uneinnehmbaren Burg Gottes befestigt, wurde mehr und mehr mit den außerordentlichsten Gnaden geschmückt und zu einem Tempel eingeweiht, auf dessen Altar eine solche Gottesliebe flammte, dass das Feuer derselben oft auch auf den Körper überströmte; da lud sie dann alle Welt ein, mit ihr die ewige Liebe zu lieben. Oft ergriff sie das Bild des Gekreuzigten, küsste es und rief aus: „O Liebe! Warum wird doch die Liebe nicht geliebt, von ihren eigenen Geschöpfen nicht erkannt! O mein Jesus! Hätte ich doch eine Stimme, die zu ertönen vermöchte bis an die äußersten Enden der Welt! Dass ich verkünden könnte, wie deine Liebe erkannt, geliebt und als das einzige wahre Gut geschätzt werden soll.“

 

Aus dieser Liebe Gottes entsprang ihr unaussprechlicher Schmerz über alle Beleidigungen Gottes, zu deren Sühnung sie Gott ihre glühenden Gebete und die schwersten Bußübungen aufopferte, und ihr unausgesetztes Flehen um die Bekehrung der Sünder, Irrgläubigen, Heiden und besonders auch der unwürdigen Priester.

 

Deshalb lebte sie äußerst streng und achtete kaum mehr auf ihren Körper. Sie, die Jungfrau aus vornehmen Haus, ging mit bloßen Füßen und bediente sich der schlechtesten Kleider. Ihre gewöhnliche Nahrung bestand aus Wasser und Brot, und selbst dieses zu genießen, musste sie oft durch den Gehorsam gezwungen werden. Zur Ruhe gerufen rief sie: „Wie soll ich ruhen können, wenn ich bedenke, dass Gott auf Erden so schwer beleidigt wird! O Liebe, nur aus Gehorsam zu dir will ich es tun und um mich nach deinem heiligen Willen zu richten.“ Sie geißelte sich nicht selten mit einer eisernen Kette bis aufs Blut und schlief beständig auf hartem Boden, eine zarte, kränkliche Frau, die die Ehren und Reichtümer und Genüsse der Welt leicht hätte haben können!

 

Ihrer Liebe zu Gott und zu den Seelen entquoll die zarte und unermüdliche Tätigkeit, mit der sie zuerst als Lehrerin der Klostermädchen, dann als Novizenmeisterin und zuletzt als Unterpriorin wirkte. Sie legte dabei eine wahrhaft übernatürliche Weisheit und Klugheit in der Seelenleitung an den Tag und tat öfter den Ausspruch, „die Werke der Liebe seien weit allen Ekstasen, Visionen, Offenbarungen und ähnlichen Dingen vorzuziehen; denn diese letzteren seien allein nur ein Geschenk Gottes, durch die Liebeswerke aber unterstütze man sozusagen Gott selber“. Ein anderes Mal sagte sie: „Es gibt nichts Süßeres als die Erfüllung des göttlichen Willens.“

 

Magdalena war stets ein Muster der Demut und des Gehorsams, der Liebe zu den Mitschwestern und der genauesten Beobachtung aller Ordensregeln; sie wollte getreu sein im Kleinsten wie im Größten. Dafür empfing sie wieder besondere Gnaden vom Herrn, außergewöhnliche Kenntnisse göttlicher und künftiger Dinge, die Gabe der Krankenheilungen und Prophezeiungen, eine besondere göttliche Vorsehung und Leitung in ihrem Leben, oft bis in die kleinsten Dinge; außergewöhnliche Gunsterweise Gottes wurden ihr zuteil, wie sie hier nur wenigen Dienern Gottes gegeben werden: sie empfing in ihrer Seele die Wundmale des Herrn und seine Dornenkrone; dann wurde sie mit ihm vermählt, ihr Herz hatte eingehen dürfen in sein Herz und durfte teilnehmen an der göttlichen Reinheit.

 

In den letzten Jahren ihres Lebens hatte die Heilige durch Krankheiten viel zu leiden; sie litt gerne und betete, obwohl nach Gott sich sehnend, aus Leidenshunger um längeres Leiden ohne Trost; oft sprach sie: „Herr, nicht sterben, sondern leiden!“ Ihren Schwestern gab sie die schönsten Ermahnungen, jeder besondere. Allen aber prägte sie vornehmlich drei Dinge ein: die heiligen Regeln fleißig zu beobachten, die Armut zu lieben und die gegenseitige Liebe zu bewahren. Mit innigster Andacht empfing sie die heilige Ölung und ein letztes Mal die heilige Kommunion. Dann entfloh ihre reine Seele am 25. Mai des Jahres 1607 zu Gott, eine der schönsten Blumen im Garten der heiligen Kirche, ausgezeichnet durch Reinheit und Gottesliebe.

 

Der Ruf ihrer Heiligkeit zog eine ungeheure Menge zu ihrer Leiche. Als man nach einem Jahr das Grab öffnete, fand man den Leib unversehrt. So wird er heute noch in einem kostbaren Kristallsarg in ihrer Vaterstadt gezeigt. Im Jahr 1626 erfolgte ihre Seligsprechung durch Papst Urban VIII., im Jahr 1669 die Heiligsprechung durch Klemens IX. Sie wird dargestellt im Karmeliterkleid mit einer Dornenkrone und einem brennenden Herzen als Symbol ihrer Gottesliebe, oft auch betend vor dem heiligsten Herzen Jesu, das ihr in übernatürlichen Gesichten gezeigt wurde; sie hatte es innigst geliebt und verehrt als Quelle aller Gnade. 

 

Aus dem Marianischen Festkalender:

 

Die Geburtsstadt dieser Heiligen, die gar vornehme und fromme Eltern hatte, war Florenz. Sie zeichnete sich schon in ihrer Kindheit durch eine zärtliche Verehrung für Maria aus. Sie ergriff alle Gelegenheiten, arme Kinder den englischen Gruß zu lehren.

 

Schon im Alter von 16 Jahren trat sie in das Kloster Sankt Maria des Anges, wo sie am Fest der Unbefleckten Empfängnis als Novize aufgenommen wurde. Einen Monat darauf nahm sie mit dem Ordensgewand der Karmelitinnen den schönen Namen Maria Magdalena an. Als der Tag ihrer Profess herangekommen war, wollte sie, obgleich schwer krank, vom Krankenzimmer in die Kirche gebracht werden, wo sie vor dem Altar der Gottesmutter unter Tränen und der Bewunderung der ganzen Klostergemeinde, die sie durch ihre engelhafte Inbrunst erbaute, ihr Gelübde ablegte. Kaum war die Zeremonie beendet, als sie in Verzückung versetzt und vollkommen geheilt wurde.

 

Die heilige Maria Magdalena unterließ es nie, täglich die Tagzeiten und den Rosenkranz zu beten. Auch versäumte sie nicht, dem Salve Regina nach jeder Abteilung des Gottesdienstes beizuwohnen.

 

Der Himmelskönigin gab sie die lieblichsten Namen. Sie nennt sie ihre Mutter, ihre Gebieterin, in ihren Verzückungen ihre ganz liebenswürdige Mutter. Ihre erfindungsreiche Frömmigkeit gab ihr jeden Augenblick irgendeine neue Weise an die Hand, wodurch sie ihr ihre Liebe bezeigen konnte. Und sie benahm sich ihr gegenüber mit der innigsten Vertraulichkeit.

 

Um die Tugendhaftigkeit der seraphischen Heiligen Magdalena von Pazzi zu läutern und zu mehren, ließ Gott zu, dass sie einige Zeit hindurch den lebhaftesten und demütigendsten Versuchungen unterworfen wurde. Unter anderem fühlte sie sich eines Tages mehr als gewöhnlich vom Stachel des Fleisches beunruhigt, weshalb sie sich ihrer göttlichen Mutter zu Füßen warf, und sie unter Tränen beschwor, sie aus diesen unseligen Kämpfen ohne eine Verletzung ihrer Jungfräulichkeit siegreich hervorgehen zu lassen. Kaum hatte sie ihr Gebet beendigt, als ihr die Himmelskönigin mit leuchtender Glorie umgeben erschien und sie zweier Dinge versicherte: 1) habe sie in diesen gefährlichen Versuchungen die göttliche Majestät nicht im geringsten beleidigt, 2) werde ihr Sieg vermöge des Mutes, mit dem sie gekämpft hat, noch vollständiger werden. Alsdann bedeckte sie sie mit einem weißen Schleier, wie um ihr das Ende dieser demütigenden Prüfung anzukündigen und in der Tat fand sie von diesem Augenblick an ihre Sinne in dem Maße gebändigt, dass sie von deren Seite keinen Aufruhr mehr zu befürchten hatte, und ihre Einbildungskraft bis zum Ende ihres Lebens von keiner unlauteren Vorstellung mehr befleckt wurde.

 

Im Jahr 1585, am Vorabend des Festes Mariä Verkündigung, hatte Magdalena eine Verzückung, während der sie lange über die Keuschheit der Königin der Jungfrauen sprach, indem sie auf eine wunderbare Weise folgenden Text der Schrift erläuterte: „Die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Im Anfang seiner Wege war ich in Gottes Händen.“ Einige Jahre später hatte sie am Vorabend von Mariä Himmelfahrt eine Verzückung, die zwölf Stunden währte.

 

Am 1. Juli 1587 nahm Magdalena von Pazzi in einer Verzückung ein Bildnis Mariä, das im Betsaal des Noviziates sich befand, und begab sich in das Krankenzimmer an das Bett einer Schwester, die von einer tödlichen Krankheit befallen worden und von schrecklichen Krämpfen gepeinigt wurde. Sie machte über die Kranke das Zeichen des Kreuzes mit dem Bildnis der heiligen Jungfrau und rief mit zum Himmel erhobenen Augen: „O mein Gott, dein Wille geschehe!“ Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, als alle Schmerzen der Schwester aufhörten. Sie stand sogleich auf, nahm einige Nahrung zu sich und kehrte zu ihren gewöhnlichen Beschäftigungen zurück.

 

In einer anderen Zeit führte Maria Magdalena eine ihrer Schwestern, die von einem gräulichen Geschwür verzehrt wurde, vor den Altar der heiligen Jungfrau, und nachdem sie mit Inbrunst gebetet hatte, erwirkte sie von Maria die vollkommene und augenblickliche Heilung einer Wunde, die allen Bemühungen der Ärzte Trotz geboten hatte.

 

Viel geprüft durch Leiden und Versuchungen sollte sie endlich gewürdigt werden, den ewigen Lohn für ihre treuen Kämpfe zu erlangen. Als sie dem Tod nahe, den Beichtvater sich erbat, schickte sich der eben an, die Heilige Messe zu lesen. Voll Gottvertrauen gebot er ihr, in christlichem Gehorsam mit dem Sterben abzuwarten, bis er geendet hätte. Es fügte sich so und mit den heiligen Sakramenten versehen schied die fromme Braut des Herrn am 25. Mai 1607 in einem Alter von zweiundvierzig Jahren aus dieser Zeitlichkeit.