Die ehrwürdige Maria Elisabetha vom Kreuz, Stifterin des Ordens „Augustinerinnen Unserer Lieben Frau von der Zuflucht“, + 5.1.1646 – Gedenktag: 5. Januar

       

Die ehrwürdige Maria Elisabeth von Ranfain, wegen ihrer Liebe zum Leiden Maria Elisabeth vom Kreuz genannt, erduldete schon von frühester Jugend an so viele und ungewöhnliche Leiden, dass man sie nicht glauben könnte, wenn sie nicht auf so viele öffentliche Beweise gestützt wären, und dass ihr jener Name nur mit zu gutem Recht gebührt. Aber Maria die Königin des Himmels und der Erde, zu der sie stets ihre Zuflucht nahm, wachte über sie, und durch ihren Beistand trug sie heldenmütig das Schrecklichste, und entging den tausendfachen Gefahren, denen nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Tugend ausgesetzt war.

 

Aus einem altadeligen Geschlecht geboren (1592), fühlte sich Maria Elisabeth von zartester Jugend an zur Frömmigkeit, Selbstüberwindung und mancherlei Abtötungen hingezogen, die von einem Kind ihres Alters nicht zu erwarten waren, und die im jungfräulichen Stand verdoppelt, erst von ihren Eltern bemerkt wurden, da sie, im Begriff ihre sehr schöne, geist- und talentvolle Tochter in die Welt einzuführen, deren demütige Erklärung vernahmen, sie fühle sich dem Ehestand durchaus abgeneigt und zum klösterlichen Leben berufen.

 

Gegen ihren Willen und sogar mit Bedrohung ihres Lebens nötigten die verblendeten Eltern ihre Tochter zur ehelichen Verbindung mit Herrn Dubois, einem bejahrten Edelmann, der Witwer war und viele Kinder aus der ersten Ehe hatte. Auf die Redlichkeit dieses Mannes vertrauend hatte Maria Elisabeth, nachdem sie Kenntnis von dem Ehekontrakt erhalten, den die Eltern ohne ihr Wissen geschlossen hatten, ihm entdeckt, dass sie nicht aus freiem Willen zur Heirat sich entschließen könne und überhaupt jeder ehelichen Verbindung abgeneigt sei, da sie den Beruf in sich fühle, sich ausschließlich Gott zu weihen. Nichtsdestoweniger drang er auf die Erfüllung des Ehekontrakts und die von aller menschlichen Hilfe verlassene Jungfrau brachte nun auch dieses Opfer, und reichte, in den Willen der Eltern sich fügend, Herrn Dubois die Hand am Altar.

 

Hatte sie vieles durch ihre Eltern erlitten, so erlitt sie noch mehr durch die grausame Gemütsart ihres Gemahls. Vom Anfang ihrer Verbindung an bewies er ihr seine Verachtung. Er besaß in ihr die schönste, tugendhafteste, liebenswürdigste Frau, und lebte doch im schändlichsten Verhältnis mit anderen Frauen, und zwar ohne Hehl vor seiner Gattin, um sie absichtlich zu kränken. Er nahm ihr die Führung des Hauswesens und gab die Schlüssel den Dienstboten, die unter ihren Augen die größte Verschwendung trieben. Ihre unerschütterliche Sanftmut, statt den Zorn des Gemahls zu mildern, steigerte ihn vielmehr zu den rohesten Beschimpfungen und endlich zu Schlägen und den grausamsten Misshandlungen. Öfters ließ er sie trotz ihrer zarten Konstitution, wenn er über Land ritt, zwei bis drei Meilen Wegs neben sich her zu Fuß gehen, oder er zwang sie, auch in hoher Schwangerschaft auf unbändigen Pferden, die er selbst nicht zu besteigen wagte, neben ihm her zureiten.

 

Alle diese Misshandlungen vermochten nie, ihr auch nur die mindeste Klage gegen andere zu entreißen noch ihre Liebe zu ihrem Gemahl zu schwächen, den sie als den von Gott ihr gegebenen Obern betrachtete und ehrte. Er lag oft wochenlang am Podagra (Gicht) krank zu Bett. Sie verließ ihn nie, sie diente ihm wie eine Magd und übte in allen seinen Launen einen Gehorsam gegen ihn so willenlos, als er je unter christlichen Gelübden geübt wird.

 

Gott krönte endlich ihre Sanftmut und Geduld mit dem schönsten Lohn. Er gab ihrem Ehemann die Gnade der Bekehrung, ihr Ringen und Beten um sein Heil wurde erhört. Er wurde sanftmütig, friedfertig und barmherzig gegen die Armen, und starb 1616 mit den Zeichen einer aufrichtigen Reue und Buße.

 

 

Aus Dankbarkeit gegenüber der heiligen Jungfrau, der sie so viel verdankte und die sie so innig liebte, bemühte sie sich nun, ihrem göttlichen Sohn so viele Seelen zu gewinnen, als ihr nur immer möglich war, und mit Hilfe der Mutter der Barmherzigkeit gerade die verworfensten Geschöpfe dem Verderben zu entreißen. Sie öffnete in ihrem Haus jenen Mädchen, die sich einem ausschweifenden Leben ergeben hatten, und durch ihre Not in solch einem Leben zurückgehalten wurden, eine Zufluchtsstätte, wo sie ihren Unterhalt fanden und in Sicherheit Buße tun konnten. Sie behandelte diese Unglücklichen mit aller Liebe, besorgt für ihre geistliche und leibliche Wohlfahrt. Wenn sie nicht selbst bei ihnen sein konnte, so ließ sie sie von ihren drei Töchtern bedienen. Die eine kochte für sie, die andere diente ihnen zu Tisch, die dritte las ihnen aus erbaulichen Büchern vor und betete mit ihnen. Bald sah die edelmütige Witwe ihre Bemühungen mit dem glücklichsten Erfolg gekrönt, immer mehr Mädchen und Frauen suchten die eröffnete Zuflucht aus dem Verderben und bald bildeten sie eine kleine Gemeinde, die unter Anleitung Maria Elisabethas und ihrer Töchter durch ihren Bußeifer Gott erfreute und die Menschen versöhnte, dass der Bischof von Toul sich entschloss, sie in eine Ordensgenossenschaft umzuwandeln. So wurde auch jener Drang, Gott in einem Orden zu dienen, den Maria Elisabeth von Jugend auf in sich trug, noch erfüllt. Wie alle ihre Unternehmungen, so stellte sie auch diese, den Orden zur Bekehrung gefallener Mädchen und zur Rettung solcher, deren Tugend den meisten Gefahren ausgesetzt war, unter den Schutz der heiligen Jungfrau. Der Orden wurde „Maria von der Zuflucht“ genannt, und seine Mitglieder verbinden sich zur besonderen Verehrung der seligsten Gottesmutter, unter deren Schutz er auch bis jetzt sich in Frankreich erhielt, und großen Segen stiftet. Mit der Stifterin nahmen zugleich ihre drei Töchter das Ordenskleid und jedes Mitglied nahm zu dem neuen Ordensnamen noch den Namen Maria an. Die gute Mutter Maria Elisabeth verließ am 5. Januar 1646, in ihrem sechsundfünfzigsten Lebensjahr diese Erde, um dort in der Sicherheit des Himmels bei Jesus und Maria den Lohn ihrer Leiden und Tugenden ewig zu genießen.