Die ehrwürdige Maria Dominika Josepha von Rottenberg, Priorin im Kloster Katharinental, + 1738 – Gedenken: 8. Juni

 

Maria Dominika Josepha von Rottenberg (gestorben im Jahre 1738), Vorsteherin des löblichen Gotteshauses Katharinental vom Orden des heiligen Dominikus und Verfasserin mehrerer geistreicher Schriften, bekennt von sich, dass sie unzählige geistige und leibliche Wohltaten, insbesondere ihren geistlichen Beruf und alle hierauf erfolgten Gnaden, durch die Hände Mariens empfangen habe; darum war sie auch der heiligen Jungfrau, besonders in ihrem wundertätigen Gnadenbilde zu Einsiedeln, vom ganzen Herzen in Dankbarkeit und Liebe zugetan.

 

Anna Maria Moller, 1676 zu Würzburg geboren, nahm nach dem Willen ihres Stiefvaters Adam Wolfgang von Rottenberg, ebenfalls den Namen von Rottenberg an. In ihrem sechszehnten Jahre wurde sie auf göttliche Zulassung von schrecklichen Gewissensskrupeln gefoltert. Dabei konnte das arme Mädchen es nicht über sich bringen, jemanden von ihrem Leiden zu erzählen und bei den Menschen Hilfe zu suchen. Da warf sie sich denn einmal vor einem Bildnisse Unserer Lieben Frau von Einsiedeln nieder zum Gebet. Bei diesem mehrere Stunden fortgesetzten eifrigen Gebet kam ihr solcher Trost zu, dass sie mündlich nicht mehr beten konnte, sondern in himmlischer Süßigkeit versenkt blieb, wobei jedoch wunderbarer Weise zugleich auch jene innerliche Plage anhielt. Aber eben dieses schwere Anliegen gab den ersten Anlass zu ihrem geistigen Beruf, da ihr einfiel, sie könne von so großer Pein nicht anders, als durch ein strenges Ordensleben befreit werden. Die Dienerin Gottes bekannte später selbst, dass sie in ihren jungen Jahren ein sehr eitles Weltkind gewesen war, das auf keine andere Weise, als durch eine solche innerliche Plage zum Entschluss für ein geistliches Leben gebracht werden konnte.

 

Diesem ihrem Entschluss, in ein Kloster mit strenger Klausur zu treten, stimmte aber ihr Vater nicht bei; er wollte ihrem geistlichen Beruf zwar nicht hinderlich sein, war aber nur für ein Kloster ohne Klausur und von milderer Observanz. Acht bis neun Klöster wurden ihr vorgeschlagen, jedoch für keines von ihnen konnte sich Anna Maria entschließen, weil sie darin ihr Ziel nicht zu erreichen glaubte. Daraus entstand nun zwischen den Eltern und der Tochter große Missstimmung; der Vater besonders ward durch Marias Beharrlichkeit, die er für Eigensinn erklärte, sehr aufgebracht und versagte ihr alle weitere Hilfe. Zwei volle Jahre verflossen so für sie in großen Leiden, sowohl innerlichen als äußerlichen, da einerseits die Gewissenangst sich nicht verlieren wollte, anderseits ihr geistliches Vorhaben sich gänzlich als unausführbar darstellte. In dieser Leidensperiode hatte sie einmal folgenden Traum: es kam ihr vor, als befände sie sich in der Gnaden-Kapelle zu Maria Einsiedeln; es zeigten sich daselbst Dominikanernonnen, die vom Altare herabstiegen, freundlichen Angesichtes sich ihr näherten und sie küssten, worauf sie verschwanden. - Nach diesem Traum fand sie den Vater zu ihrer größten Freude plötzlich und gänzlich verändert. Aus freien Stücken machte er ihr den Vorschlag: sie solle eine Wallfahrt nach Einsiedeln machen und an dem marianischen Gnadenort um Erleuchtung in Betreff ihres Berufes bitten. Beharre sie nach ihrer Rückkehr noch auf ihrem Vorhaben, so wolle er ihr zu dessen Ausführung alle mögliche Hilfe gewähren. Voll Freude trat sie nun zu Fuß die Wallfahrt an. Sie empfahl der himmlischen Mutter im inbrünstigen Gebet ihre Angelegenheit und offenbarte nach abgelegter heiliger Beicht auch dem Beichtvater ihr Vorhaben. Dieser sagte ihr, er wüsste für sie keinen tauglicheren Ort, als Katharinental, ein Kloster, von dem doch vorher weder sie noch die Eltern je das Mindeste gehört hatten. Nach geendigter Wallfahrt erzählte Anna Maria den ganzen Verlauf ihrem Vater, der alsobald nach Katharinental reiste, um für seine Tochter die Aufnahme nachzusuchen, die sie auch zu jedermanns Verwunderung am St. Josefstag mit einhelligen Stimmen erhielt.

 

Im Monate August desselben Jahres (1694), im achtzehnten ihres Alters, trat nun Anna Maria von Rottenberg bei den Dominikanerinnen zu Katharinental in das Kloster ein. Alles, was zu erlernen war, begriff sie dermaßen schnell und glücklich, dass ihr - gegen die Gewohnheit des dortigen Klosters - nach drei Vierteljahren das geistliche Noviziat anzutreten gestattet wurde. Im ersten Jahre wurde sie von einer schweren Krankheit befallen. Am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit 1695 erhielt sie das heilige Ordenskleid und mit ihm den Ordensnamen Maria Dominika.

 

Die kindliche Andacht und Dankbarkeit gegenüber der seligsten Jungfrau besonders in ihrem Gnadenbilde zu Einsiedeln, erlosch niemals mehr in dem Herzen Dominikas. Ihr ganzes Leben war eine immerwährende Liebe zu Maria, die sie durch verschiedene Andachtsübungen ehrte, insbesondere mit eifrigster Abbetung des heiligen Rosenkranzes, den sie immerdar in Händen hatte. In dieser marianischen Liebe war sie öfters so entzündet, dass sie eine lange Zeit mehr nicht sprechen konnte, als diese zwei Worte: "Ave Maria", wobei sie den größten Herzenstrost empfand. Sehr oft schrieb sie nach dem Beispiel des heiligen Thomas von Aquin jene zwei Worte auf ein Zettelchen, und verschlang dann dieses. Die ersten Jahre ihres Klosterlebens trug sie immerdar ein kleines Bildnis der Einsiedler-Muttergottes in ihren Händen herum.

 

In ihrer Zelle hatte sie ebenfalls ein Bild der wundertätigen Jungfrau von Einsiedeln. Vor diesem lag sie viele Stunden im Gebet und vergoss dabei so viele Tränen aus Reue über ihre Sünden, dass sie ihren Augen sehr schadete. Dreimal erblindete sie hierüber, aber allezeit erhielt sie das Augenlicht wieder durch augenscheinliche Hilfe der Gnadenmutter von Einsiedeln. Das erste Mal zeigte sich ihr Augenübel am 7. Mai, am Tag, an dem das Fest der heiligen Krone Jesu Christi im Gotteshaus begangen wurde. Als sie des morgens aufstehen wollte, empfand sie sehr heftige Kopfschmerzen, wobei ihr der Gedanke kam, der Herr wolle sie vielleicht in etwas seiner schmerzhaften Krönung teilhaftig machen. Da sie aber ihr Brevier zur Hand nahm, um die Tagzeiten zu beten, konnte sie keine Buchstaben erkennen. Man berief alsobald einen wohlerfahrenen Augenarzt; dieser erklärte, auf beiden Augen sei der schwarze Star und dieser sei unheilbar. Es wurden zwar dessen ungeachtet allerlei Arzneimittel gebraucht, aber ohne Nutzen.

 

Dominika wendete sich in diesem traurigen Zustande zu ihrer Mutter Gottes von Einsiedeln und ließ eine Wallfahrt dorthin verrichten; sie selbst betete voll Vertrauen, legte ein Marienbild aus Stein ins Wasser und wusch sich mit dem Wasser die Augen. Ehe die abgesendete Person von der Wallfahrt zurückkam, erlangte Dominika ihr Augenlicht vollkommen wieder. Nicht lange darauf erblindete sie abermals, wobei sie sich nicht so fest über ihr Übel als vielmehr wegen der Ehre ihrer geliebtesten Mutter Gottes von Einsiedeln betrübte, da man vielleicht sagen oder denken würde, sie sei von ihrer Hilfe abgestanden. Diese ihre Bekümmernis klagte sie einer Mitschwester, Fr. Maria Theresia (von Pintener), von der sie mit der Vorstellung getröstet wurde, Maria werde schon durch abermalige Hilfe ihre Ehre zu retten wissen. Schon früher hatten Beide davon gesprochen, wie schön und lieb es ihnen wäre, wenn im Klostergarten eine Kapelle Unserer Lieben Frau von Einsiedeln gebaut würde. Die Sache wurde nun wieder besprochen; man glaubte, die Stelle unter einer Haselnussstaude wäre dazu geeignet, stellte dahin einen Tisch und setzte ein Bild Unserer Lieben Frau von Einsiedeln darauf. Maria Theresia betete indes eifrigst zur heiligsten Mutter Gottes um das Gesicht ihrer lieben Mitschwester und gelobte dabei, sie wolle, wenn ihr Gebet erhöret würde, bei ihrem Herrn Bruder, dem Landeshauptmann von Pintener aus Ury, zu erwirken suchen, dass er die Kapelle auf seine Kosten herstellen lasse. Bald kommt Dominika voll Freude und sehend zu ihrer Mitschwester, um deren geheimes Versprechen sie nicht wusste; die Freude im ganzen Kloster ist allgemein und die Kapelle wird erbaut. Der ganze Verlauf ward zu Papier gebracht, und eine Abschrift davon in Gegenwart des P. Provinzials in das Fundament gelegt.

 

Während des Baues erblindete Dominika zum dritten Mal. Als aber am Feste Kreuzerhöhung die erste Heilige Messe in der Kapelle gelesen wurde, erlangte sie unter der Wandlung plötzlich das völlige Gesicht wieder in Gegenwart aller Klosterfrauen, die dann voll Freude den Ambrosianischen Lobgesang anstimmten.

 

In der ersten Zeit ihres geistlichen Standes begehrte Dominika von ihrer geliebtesten Mutter zu Einsiedeln aus höherem Antrieb die Gnade der Weisheit, ohne eigentlich zu wissen, was sie hierdurch begehre. Es hat sich aber später gezeigt, dass sie solche himmlische Weisheit in der Tat von ihrer Mutter Gottes von Einsiedeln auf eine wunderbare Weise erlangt haben müsse; die geistvollen Schriften, die sie hinterlassen hat, geben dies hinreichend zu erkennen. Sie selbst sagt hierüber in einer ihrer Schriften: "Ich muss meiner heiligen Mutter von Einsiedeln nicht nur alle zur Leibesgesundheit empfangenen großen Gnaden dankbar zuschreiben, sondern auch meine Schriften, die an dem Einsiedlerfest (der sogenannten Engelweihe) ihren Anfang genommen haben, und die erste war von Maria etc." Und sie fügt hinzu: "Was ich zu allen Zeiten in leiblichen und geistlichen Sachen für ungemeine Hilfe von der heiligsten Mutter empfangen habe, wüsste ich in keine Zahl zu bringen. Niemals hat sie mich stecken lassen, und ich bin durchgehend von ihr erhört worden."