Die selige Maria Christina von Savoyen, Königin von Neapel, + 31.1.1836 – Gedenktag: 31. Januar

 

Nichts ist rührender und erbauender, als die Dinge, die man in der Akte der Seligsprechung der ehrwürdigen, seit 2014 seligen Dienerin Gottes, Maria Christina, der Königin von Neapel, liest.

 

Maria Christina wurde geboren zu Cagliari, am 14. November 1812 als Tochter Victor Emanuels, des Königs von Sardinien, und der Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich. Als sie ins Leben eintrat, zeigte sie alsbald das herrliche Naturell, mit dem sie begabt war, und wurde ein Kind der zärtlichsten Liebe der königlichen Familie und besonders der Königin Maria Theresia, ihrer Mutter, einer Frau von großer Begabung, und unerschütterlicher Frömmigkeit. Das königliche Kind hing so lebhaft seiner Mutter an, dass es schwer war, sie von ihr zu trennen. Als im Alter von drei Jahren die kleine Maria Christina krank geworden war, fand sie nirgends Ruhe als in den Armen ihrer Mutter und vergoss Tränen, wenn man sie von ihr wegnehmen musste.

 

Von ihrer frühesten Kindheit an zeigte sie einen sanften, ruhigen Charakter. Die Tugend schien ihr weder Anstrengungen noch Kämpfe zu kosten, vielmehr hätte man sie für eine Wirkung oder Folge ihrer Natur gehalten. Die Personen im Dienst des königlichen Hauses, und besonders ihre erlauchten Schwestern, mit denen sie fortwährend vertraut lebte, fanden keine Fehler an ihr und konnten nicht beobachten, dass ihr die Ausübung der edelsten und zartesten Eigenschaften jemals irgend eine Art Gewalt über sich selbst kostete. Sie sagten: „Das ist ein Engel!“ Ihre Unschuld, die Offenherzigkeit ihres Geistes, die Schönheit ihrer Seele war wie die eines Engels, der unter menschlicher Gestalt auf der Erde zu leben geruhte.

 

Die zwei königlichen Gatten hatten ihre Tochter zwei Erzieherinnen anvertraut, die gegenseitig abwechselnd einen Tag über den andern bei ihr sein sollten. Maria Christina liebte im zartesten Alter das öffentliche Gebet und war glücklich, den Feierlichkeiten beiwohnen zu können, die nicht nur in der königlichen Kapelle, sondern auch in den Kirchen der Stadt abgehalten wurden. Es war die Gewohnheit der Königin Maria Theresia, als sie Witwe war und zu Genua weilte, ihre Töchter zu den religiösen Festen zu führen. Christina sammelte von diesen Übungen reichliche Früchte. Sie hatte, so zu sagen, eine Leidenschaft für die Verehrung des Rosenkranzes. Es war übrigens im königlichen Haus eingeführt, ihn jeden Tag in der Fasten zu beten. Aber bald betete man ihn, um dem Wunsch Christinas Genüge zu leisten, viel öfter, und sie ging mit einem Glöckchen versehen durch die Gemächer des Palastes, die Kammerdiener, die Kammerfrauen und Dienerinnen zum Rosenkranz zu rufen.

 

Nachdem sie ihren frommen Gewissensrat, dem sie alle ihre Vorhaben mitteilte, um Rat gefragt hatte, heiratete Maria Christina den König Ferdinand am 21. November 1832. Ferdinand war zweiundzwanzig Jahre alt, und war seinem Vater am 5. November 1830 in der Regierung gefolgt.

 

In einer Aussage des Königs, dem kurzen Inhalt „über Tugenden im Allgemeinen“ liest man:

 

„Wir können behaupten, dass die Dienerin Gottes mit allen christlichen Tugenden auf eine fühlbare Weise geschmückt war. Man sah an ihr gleichsam ein Gebäude von Frömmigkeit und Religion, durch die Gnade Gottes auf den unerschütterlichen Grundfesten des lebendigsten Glaubens, der herzlichsten Hoffnung, der reinsten Nächstenliebe erbaut, so dass jeder Teil dieses Hauses in Übereinstimmung mit seiner Grundlage bewunderungswürdig war, wie dieses Gebäude nicht die mindeste Spur einer Verletzung oder eines Fehlers darbot, und als unangreifbar betrachtet werden konnte. So war meiner Meinung nach jede ihrer Handlungen ein Ausfluss des Prinzips der Tugend, das sich so zu sagen in ihr abspiegelte.

 

Wir behaupten ferner, dass die Übung der christlichen Tugenden der Dienerin Gottes eine außerordentliche war, vor allem im Gebet, dass sie diese Übung bis zum letzten Augenblick aufrecht hielt, sie immer lebhafter und fleißiger betreibend.

 

Die Dienerin Gottes, unsere erlauchte Gemahlin, ist während der ganzen Zeit ihrer Ehe in ihrem Leben und Gewohnheiten beständig sehr rein, religiös und selbst sehr andächtig gewesen. Sie kannte ihren Rang, sie brachte ihn in Achtung, indem sie sich selbst achtete, und vereinigte die Leutseligkeit mit der Würde, so dass wir schwören können, dass sie uns niemals den geringsten Anlass zum Missvergnügen gegeben hat.

 

In den Umständen, die in den Familien unausweichlich vorkommen, söhnte sie uns alle wieder aus, durch ihre Huld, ihre Liebe, ihre liebenswürdigen Manieren.

 

Ihre Schritte waren so würdevoll, so rein, so anständig, dass sie niemals Gelegenheit gab, schlecht von ihr zu denken.

 

Sie verrichtete langsam das öffentliche Gebet, die verschiedenen Übungen der Frömmigkeit, genoss oft die heiligen Sakramente und erfüllte nicht minder gewissenhaft ihre Pflichten als Königin und Frau.

 

Kaum des Morgens aufgestanden, betete sie mit Sammlung und Herzensfrömmigkeit. Sie wohnte auf dieselbe Weise alle Tage, wie das an unserem königlichen Hof der Brauch ist, der heiligen Messe bei. Im Laufe des Tages widmete sie sich frommer Lektüre, übte sich im Gebet, und hatte oft geistliche Unterredungen mit ihrem Gewissensrat. Sie besuchte, wie das auch an unserem königlichen Hof der Brauch ist, das heiligste Sakrament, betete den Rosenkranz und andere Gebete, ohne die zu unterlassen, die sie noch vor dem Einschlafen verrichtete.

 

Sie ertrug die Qualen und Schmerzen der Krankheit mit heroischer Ergebung, als wahre, vollkommene Christin, ohne jemals eine Klage vorzubringen, ohne jemals die ärztlichen Verordnungen zurückzuweisen. Als man ihr bedeutete, sie solle sich mit den Sterbesakramenten versehen lassen, empfing sie dieselben mit einer Freude, einer Heiterkeit, einer tiefen Ehrfurcht, welche die Umstehenden erbaute, vor allen Uns und die gegenwärtige königliche Familie. Die Glut ihrer Andacht vergrößerte sich in diesen letzten Augenblicken. Sie begleitete mit ihren schon kalt gewordenen Lippen die Psalmen und Gebete der Priester, so dass man bei ihrem Anblick eine wahrhafte Idee ihrer Heiligkeit fasste. Wir können sagen, nach Unserer Meinung und Unserer Überzeugung, dass der Herr sie ins Paradies aufnahm, denn ihr Tod war heilig und selten.“

 

Ihre Majestät fügt in anderen Aussagen zahlreiche Einzelheiten noch bei, die zur Verherrlichung dieser heiligen und rührenden Erscheinung im Herzen aller derjenigen beitragen, die diese Erzählung lesen.

 

Die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses von Neapel bezeugen auch einstimmig ihre tiefe Bewunderung: „Sie war wie ein Engel, vom Himmel herabgestiegen“, schreibt eine ihrer Stiefschwestern: „Ihre Tugend blendete uns“, sagt eine andere.