Der heilige Mamertus, Bischof und Bekenner von Vienne, Frankreich, + 11.5.477 - Fest: 11. Mai

       

Der heilige Mamertus folgte dem Simplizius auf dem bischöflichen Stuhl von Vienne. Er war im 5. Jahrhundert eines der glänzendsten Lichter der gallischen Kirche. Er verband mit großer Wissenschaft eine besondere Heiligkeit, die sich durch die Gabe der Wunder kund machte. Seiner Frömmigkeit hat man die Einsetzung der öffentlichen Gebete zu verdanken, die unter dem Namen Bitt-Tage bekannt sind. Folgendes war dazu die Veranlassung.

 

Durch Zulassung Gottes geschah es, dass das Volk durch Krieg und verschiedene andere Plagen hart bedrückt wurde. Viele Feuersbrünste, häufige Erdbeben und wilde Raubtiere, die sogar bei hellem Tag in Dörfer und Städte eindrangen, verbreiteten Schrecken und ermahnten laut zur Buße. Die Gottlosen schrieben diese Ereignisse dem Zufall zu. Die Weisen aber sahen sie an als Wirkungen des göttlichen Zornes, der ihnen völligen Untergang drohe.

 

Mitten unter diesen Drangsalen gewährte Gott dem Glauben des heiligen Mamertus einen Augenscheinlichen Beweis seines Wohlgefallens und seiner Güte. Eine schreckliche Feuersbrunst, der man nicht Einhalt tun konnte, drohte die Stadt in einen allgemeinen Schutthaufen zu verwandeln. Der heilige Bischof schickte sein Gebet zum Himmel und das Feuer erlosch augenblicklich. Dieses Wunder benützte er dazu, die Sünder zu ermahnen, dass sie von ihren Unordnungen ablassen, sie durch Buße sühnen und den Arm Gottes durch jede Art guter Werke entwaffnen möchten. In der Osternacht brach ein zweiter Brand aus, der die Stadt mit neuem Schrecken erfüllte. Der heilige Bischof nahm, wie gewöhnlich, zu Gott seine Zuflucht, warf sich vor dem Altar auf die Knie nieder, und die Flammen erloschen, wie der heilige Avit sagt, auf wunderbare Weise. In dieser Nacht war es auch, wo er den frommen Plan fasste, öffentliche Bittgänge anzuordnen, welche jedes Jahr drei Tage lang verrichtet werden sollten. Sein Zweck dabei war, den erzürnten Himmel zu besänftigen. Diese Bittgänge bestanden in Psalmengesang, im Sündenbekenntnis und im Gebet, das mit Fasten, Tränen und Herzenszerknirschung begleitet sein sollte. Diese heilige Anordnung blieb nicht allein auf den Kirchensprengel von Vienne beschränkt, auch der von Klermont, wo der heilige Sidonius Apollinaris Bischof war, nahm sie schon vor dem Jahr 475 an, worauf sie bald in der ganzen abendländischen Kirche eingeführt wurde.

 

Der Heilige hatte einen Bruder, der jünger war als er. Diesen weihte er zum Priester und teilte mit ihm die Arbeiten seines Hirtenamtes; er hieß Mamertus Klaudianus. Der heilige Sidonius Apollinarius sah diesen als das größte Talent seines Jahrhunderts an, denn er war in allen Wissenschaften bewandert und im Stande, auf alle ihm vorgelegten Fragen zu antworten und alle Irrtümer zu bekämpfen. Allein seine Bescheidenheit und Tugend erwarben ihm noch größere Hochschätzung, als alle seine Kenntnisse. Er starb um das Jahr 474, nachdem er seinem Bruder wichtige Dienste geleistet hatte.

 

Vom übrigen Leben des heiligen Bischofs von Vienne haben wir keine weitere Kenntnis. Er starb 477. Sein Name befindet sich im römischen Martyrologium.