Der heilige Maglorius (Maelor), Erzbischof von Dol, Frankreich, Einsiedler, + 24.10.575 – Fest: 24. Oktober

 

Der heilige Maglorius (Maelor), geboren in Großbritannien gegen Ende des 5. Jahrhunderts, war der Sohn eines Bruders des heiligen Samson. Beide wurden, wie man gewöhnlich annimmt, von dem Abt Jltut erzogen, der ein Schüler des heiligen German von Auxerre war, und sich es besonders angelegen sein ließ, sie in den Wissenschaften und in der Frömmigkeit zu bilden. Als sie in die Jahre gekommen waren, wo sie sich einen Stand wählen sollten, ging Samson in ein Kloster, und Maglorius kehrte zu seinen Eltern zurück, wo er im stillen häuslichen Leben alle Tugenden eines Christen übte.

 

Bald darauf wurde Amon, der Vater Samsons, von einer gefährlichen Krankheit befallen. Er ließ deshalb seinen Sohn nach Hause berufen, und hielt sich bereit zum Tod, indem er vor Gott sich demütigte und seine Barmherzigkeit anrief. Indessen erhielt er seine Gesundheit wieder. Nun entsagte er allen seinen Besitzungen, um mit seiner ganze Familie sich einzig dem Dienst Gottes zu weihen. Maglorius wurde durch dieses Beispiel so gerührt, dass er mit seinem Vater Umbrafel und seiner Mutter Afrela nebst seinen zwei Brüdern den Samson zu besuchen kam. Sie entschlossen sich alle, die Welt zu verlassen, und verteilten sogleich ihre Güter unter die Armen und an die Kirchen. Maglorius und sein Vater schlossen sich besonders an Samson und erhielten von ihm das Ordenskleid in seinem Kloster. Umbrafel wurde in der Folge nach Irland geschickt und mit der Leitung der dortigen Klöster beauftragt.

 

Als der heilige Samson zum Regionarbischof geweiht worden war, nahm er sich den heiligen Maglorius, der damals Diakon war, zum Gehilfen, und behielt ihn, in der Hoffnung, an ihm eine mächtige Stütze in seinen apostolischen Unternehmungen, und einen eifrigen Mitarbeiter im Weinberg des Herrn zu finden, auch als Gefährten bei sich auf seiner Reise nach Aremorica. Der König Childebert unterstützte mit seinem Ansehen die heiligen Missionare, deren Arbeit auch so gesegnet ausfielen, dass sie bald einige Klöster gründen konnten. Samson wählte für sich das Kloster von Dol, und die Leitung der Genossenschaft zu Kerfunt oder Kerfuntium übertrug er dem heiligen Maglorius, den er zum Priester weihte, damit er ihm einst auch im bischöflichen Amt nachfolgen könnte.

 

Maglorius predigte als Bischof, nach dem Beispiel seines Vorgängers, den an den Küsten wohnenden Briten das Evangelium. Diese Völker waren größtenteils Christen, allein durch die Verwirrungen und Stürme des Krieges war die Kenntnis Gottes bei ihnen zum Teil gemindert, zum Teil gänzlich erloschen. Der Heilige lebte indes, wie zuvor, unter seinen Mönchen. Nie legte er das Bußkleid ab, bedeckte es aber mit einem Gewand von besserem Stoff, um andere nicht abzuschrecken. Seine gewöhnliche Nahrung war Gerstenbrot und Gemüse. An Sonn- und Festtagen aß er noch ein wenig Fisch. Sein Eifer und seine Liebe ließen ihm beinahe keinen Augenblick der Ruhe, und öfters konnte er einige Tage nicht dazu kommen, seine gewöhnliche Nahrung zu nehmen.

 

Nach drei Jahren seiner bischöflichen Amtsführung fasste er den Entschluss, sich in gänzliche Abgeschiedenheit zurückzuziehen. Dieser Entschluss wurde in ihm erzeugt durch die unter dem Grafen von Britannien herrschenden Zwist. Noch mehr glaubte er sich durch göttliche Anregung zur gänzlichen Trennung von der Welt angetrieben. Budocus, dessen Eifer, Wissenschaft und Tugend er kannte, machte er zu seinem Nachfolger, mit Zustimmung des Volkes, aber ohne Beratung mit den benachbarten Bischöfen. Solche Wahlen geschahen öfters in Britannien. Allein die Bischöfe von Frankreich missbilligten sie, und das 2. Konzil von Tours untersagte den in Aremorica wohnenden Briten für die Zukunft eine solche Verfahrensweise.

 

Maglorius verdoppelte nun seine Abtötungen, und untersagte sich gänzlich den Genuss des Weines und Bieres. Voll heiligen Verlangens, mit Gott auf die vollkommenste Weise vereinigt zu sein, verbarg er sich, so gut er konnte, vor dem Angesicht der Menschen. Allein der Ruf seiner Heiligkeit entdeckte ihn auch in seiner Verborgenheit. Von allen Seiten suchte man bei ihm Trost und Hilfe sowohl in körperlichen als in geistigen Nöten. Oft konnte er es nicht verhindern, einige Geschenke anzunehmen. Allein das war nur Gewinn für die Armen. Da er endlich das immer häufiger werdende Herzuströmen des Volkes fast unerträglich fand, ging er mit dem Gedanken um, in eine Einöde sich zurückzuziehen, wo er der Welt durchaus unbekannt bliebe. Allein Budocus, den er hierin zu Rate zog, war anderer Meinung, indem er ihn versicherte, dass es besser wäre, dem Verdienst guter Werke seine Neigung zur Einsamkeit aufzuopfern. Er entschloss sich also wieder an seiner Wohnstätte zu bleiben, wo ihn von Tag zu Tag seine Wunder berühmter machten.

 

Der Graf Loescon oder Lyescon, den er von einem Aussatz befreit hatte, gab ihm ein Landstück auf der Insel Gersey. Da erbaute der Heilige eine Kirche und gründete ein Kloster, indem man bald mehr als 60 Mönche zählte. Während der Hungersnot, die nach dem Tod Chilperichs das Land mit Elend erfüllte, sorgte er für die Erhaltung einer unzähligen Menge leidender Brüder. Er minderte auch nicht, wie man es ihm geraten hatte, die Zahl der Religiosen, wiewohl der Vorrat des Klosters fast ganz erschöpft war. Sein Vertrauen war gegründet auf Gott und es betrog ihn auch nicht. Unverhofft landete ein Schiff mit Lebensmitteln auf der Insel, und half der Not ab.

 

In der Osternacht des folgenden Jahres wurde dem Heiligen die Nähe seines Todes geoffenbart. Von nun an verließ er fast nicht mehr die Kirche, wenn ihn nicht nötige Geschäfte oder das Wohl der Menschen anderswohin riefen. Oft hörte man ihn die Worte des Psalmisten wiederholen: Eins hab ich verlangt vom Herrn, und dies will ich erbitten, dass ich wohne in seinem Haus, alle Tage meines Lebens. Er starb nach sechs Monaten, wie man glaubt, den 24. Oktober 575, in einem Alter von 80 Jahren. Während der normannischen Kriege wurden seine und noch anderer Heiligen Gebeine nach Paris gebracht, und in der St. Bartholomäuskirche, später in der Kapelle zum heiligen Georg, außer den Stadtmauern, aufbewahrt. In der Folge übertrug man sie in die St. Jakobskirche, nun zum heiligen Maglorius genannt. Eben da setzte man die Gebeine der heiligen Bischöfe Samson und Luthiern und der heiligen Äbte Guinganthon und Escuiphlus bei.

 

Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:

 

Der heilige Maelor (Maglorius) und der Graf

 

Dieser Graf war ein Gebieter in dem Teil von Frankreich, wo Maelor seine kleine Wohnstätte hatte. Der Graf aber war aussätzig, und Maelor heilte ihn – und damit fing die Geschichte an.

Es gibt leider noch viele Aussätzige in der Welt. Im Mittelalter wurden mehrere Ritterorden gegründet, die ihren Mitgliedern die Pflicht auferlegten, diese Unglücklichen zu pflegen.

 

Auf jeden Fall also heilte dieser Maelor den Grafen, in dessen Gebiet er hauste. Der Graf dachte Tag und Nacht darüber nach, wie er das seinem Wohltäter vergelten könnte. Die Schwierigkeit aber war, wie es eben mit so frommen Leuten geht, dass man gar nicht recht wusste, was man ihm schenken könnte. Einem Einsiedler zum Beispiel eine schöne Zimmereinrichtung zu schenken, hat nicht viel Sinn, da er doch gar keinen Raum hat, wo er sie aufstellen könnte! Ein vollständiger Satz bester Messerschmiede-Waren kommt auch nicht in Frage, denn ein Mann, der nichts als Brot und Milch und Gemüse isst, hat keine Verwendung für viele Messer und Gabeln.

 

Endlich beschloss der Graf, Maelor sollte die Hälfte seines Landes bekommen. Das Gut war groß, ein bedeutender Teil davon lag zum Meer hin; der Eigentümer teilte es nun in zwei gleichmäßige Teile, und zwar so, dass jeder Teil etwas vom Meeresstrand bekam. Der Eremit nahm das Land, das ihm so gutwillig geschenkt wurde, an und machte sogleich seine Pläne für ein Kloster, das da gebaut werden sollte. Zunächst jedenfalls musste der Besitz einmal genau betrachtet werden, und das gedachte er nun zu tun.

 

Welche herrlichen Zukunftspläne konnte er machen! Hier war wirklich alles, was einen Einsiedler erfreuen konnte: da lag der Wald, dicht und geheimnisvoll, und er brauchte sich nur umzusehen, um die Brandung zu bemerken, die ihn begrenzte. Da gab es ebenes Land – ehe viele Jahre vergingen, würde dort wogendes Korn wachsen. Es waren Teiche da und – das schönste von allem – ein breiter Fluss, den man rauschen und brausen hören konnte, wie er zum Meer strömte.

 

Lange stand Maelor und schaute – den Kopf voller Pläne und Entwürfe. Dann fühlte er sich aus seinen Träumen herausgerissen: er sah mit starrem Staunen, wie sein neues Land von Hunderten und Aberhunderten von Tieren in Besitz genommen wurde, es waren Tiere aller Art: Wild, Wölfe, Bären, Fasanen und so weiter. Laufend und fliegend kamen sie über die Grenze, die sein Land vom Anteil des Grafen trennte. Und um seine Bestürzung voll zu machen, entdeckte er später am Strand, dass es die Fische genau so verrückt trieben. Von der Höhe der Klippe her konnte er sie in Schwärmen von einer Seite zur andern schwimmen sehen.

 

Kaum nötig zu sagen, dass als Nächster der Graf erschien, Maelor hatte das auch erwartet.

„Guten Morgen, Graf, - was kann ich für Euch tun?“

„Lieber Freund, Ihr werdet wirklich etwas unternehmen müssen, und das rasch – ich habe schon Streit mit meiner Frau!“

„Wegen dieser Tiere hier?“

„Ja, ich sehe, Ihr wisst es. Aber was kann man tun? Die Gräfin kocht vor Wut!“

„Ich kann’s ihr nicht einmal übelnehmen. Aber ich versichere Euch, an mir liegt es nicht! Ich will Euch etwas sagen: wir tauschen!“

 

So wurde es dann auch gemacht, und der Graf atmete auf. Er und seine Frau standen früh auf und erhofften sich den Anblick von großen Scharen von Tieren. Aber – hört und staunt! – nichts war zu sehen. Sie waren alle während der Nacht wieder über die Grenze gegangen. Dreimal wurde der Wechsel wiederholt, dreimal schlug er fehl.

 

Danach beschloss der Graf, den Dingen ihren Lauf zu lassen.