Der heilige Lukas, Apostel, Evangelist, Martyrer, + um 80 – Fest: 18. Oktober

 

Den heiligen Lukas, von dem das dritte Evangelium stammt, muss man zutiefst ins Herz einschließen. Warum? Deswegen, weil er von den vier Evangelisten derjenige ist, der am ausführlichsten von dem erzählt, was für Kinder und für viele Erwachsene das Schönste im ganzen Evangelium ist. Es ist die Kindheitsgeschichte des lieben Heilandes. Dazu ist es ferner wieder Lukas, der von den Evangelisten auch am besten über die liebe Mutter Gottes berichtet. Deshalb muss man also den heiligen Lukas zutiefst ins Herz schließen.

 

Woher kannte denn Lukas die Begebenheiten aus der Kindheit Jesu und die Geschichte der Mutter Gottes so gut? War er selbst dabei gewesen? Nein, das war er nicht, denn als sich die wunderbaren Ereignisse in Bethlehem und Nazareth zutrugen, lebte Lukas als Kind fern in der Großstadt Antiochien in Syrien, wo er fast um die gleiche Zeit wie der Heiland als Sohn heidnischer Eltern geboren wurde und wo er nachher Medizin studierte und als praktischer Arzt tätig war. Viel später erst ist er vom heiligen Apostel Paulus bekehrt worden.

 

Woher aber wusste Lukas denn so genau Bescheid über das Jesuskind und die Mutter Gottes, wenn er den Glauben erst kennenlernte, als der Heiland bereits gestorben war? Maria hat es ihm erzählt. Die Mutter Gottes lebte damals zu Ephesus in Kleinasien bei Johannes, dem Lieblingsjünger des Herrn, und sie war es, die dem heiligen Lukas nach der Legende alles berichtete, was sich in der Kindheit Jesu und in ihrem eigenen Leben zugetragen hatte.

 

Wie muss das doch wohl schön gewesen sein, als die Mutter Gottes dem Lukas vom Erzengel Gabriel, vom heiligen Joseph, vom Stall zu Bethlehem, von den Hirten und so weiter wahrheitsgetreu und wirklichkeitsnah alles erzählte, was sie aus jenen Tagen in ihrem Herzen bewahrt hatte. Für den glücklichen Lauscher ihrer Worte müssen es wundervolle Stunden gewesen sein, so dass man ihn fast darum beneiden möchte, denn nur zu gern wären wir alle, groß und klein, zugegen gewesen, um die liebe Mutter Gottes von den heiligen Dingen reden zu hören. Doch wir können uns trösten, denn später, so Gott will und wir keine Dummheiten machen, wird das alles im Himmel nachgeholt, und auf diese Plauderstündchen mit der Mutter Gottes freuen wir uns heute schon.

 

Übrigens hat der heilige Lukas, der nebenbei auch ein Künstler war, die Mutter Gottes verschiedentlich auf Leinwand in Öl gemalt, eines der Marienbilder von ihm wird bis auf den heutigen Tag in der Kirche Groß-Sankt-Marien zu Rom gezeigt und verehrt.

 

Vom heiligen Lukas stammt also das dritte Evangelium mit dem ausführlichen Bericht über die Kindheit Jesu und das Leben Mariä. Vom gleichen Verfasser rührt aber auch die Apostelgeschichte her, worin die Geschicke der jungen Christenheit von der Himmelfahrt des Herrn an erzählt werden. Es ist ein sehr interessantes Büchlein, das zum Lesen warm empfohlen sei.

 

Die Apostelgeschichte konnte allerdings auch von keinem anderen vorzüglicher geschrieben werden als vom heiligen Lukas, denn da war er genau im Bilde, und das, was er berichtet, hat er zum großen Teil selbst erlebt, weil er den heiligen Paulus auf den weiten Missionsreisen durch die ganze damalige Welt begleitete.

 

Mit Paulus verstand sich Lukas ausgezeichnet in einer herrlichen Mannesfreundschaft, und der dritte in ihrem Bund, der sie erst recht untereinander verband, war der liebe Heiland, um den immerwährend ihre Gedanken kreisten, dem sie in edler Liebe zugetan waren, für den sie sich gemeinsam abmühten und Verfolgungen und Bedrängnisse auf sich nahmen, damit die Frohbotschaft verkündet werde und Christus, ihr Herzensfreund, erkannt, verehrt und geliebt werde und die Menschen in ihm das Heil fänden.

 

Wie sehr der Völkerapostel mit seinem Reisebegleiter zufrieden war, zeigt übrigens recht deutlich die die Epistel am Fest des heiligen Lukas, die, ohne dass der Name eigens genannt wird, von Lukas handelt und die ein herrliches Lob auf ihn ist, dessen Eifer, wie rühmend hervorgehoben wird, oftmals bei vielen Gelegenheiten erprobt wurde. Welch eine Ehre, aus solchem Mund gepriesen zu werden!

 

Lukas verdient allerdings das Lob, denn er war als Freund treu wie Gold, der den Kameraden in keiner Not im Stich ließ, auch nicht als Paulus in Cäsarea und später zu Rom auf Jahre hin ins Gefängnis geriet, und bis zur letzten Stunde im Martertod hat Lukas dem heiligen Paulus beigestanden. Das nennt man Treue bis in den Tod. Nach dem glorreichen Ende des Freundes hat Lukas das Evangelium in Griechenland verkündet, bis er auch sein Blut für denjenigen hingab, in dessen Liebe Paulus und Lukas ihre Freundschaft geschlossen und besiegelt hatten.

 

Kann es Schöneres geben, als wenn zwei Menschen sich in einer Freundschaft finden, die um Christus kreist?