Der heilige Ludwig Maria Grignon von Montfort, Missionspriester, Stifter zweier Ordensgenossenschaften, Lehrer der "wahren Andacht" zu Maria, + 28. April 1716 - Fest: 28. April

       

Dieser Heilige verdient unter die großen Männer der Kirche gezählt zu werden. Der Schleier der Demut hat während seines Lebens seinen Namen in Verborgenheit gehüllt. Aber heute wird er in der ganzen Kirche mit Ruhm genannt. Was Grignon (spr. Grinjon) von Montfort in prophetischem Geist vorausgesagt, was er über die wahre Andacht zur allerseligsten Jungfrau gelehrt hat, mag geeignet sein, das Reich Gottes in jeder Menschenseele und den Triumph der Kirche in der ganzen Welt vorbereiten zu helfen. Dass der heilige Ludwig Grignon Franzose ist, soll uns das hindern, sein frommes und fruchtbares Leben und sein eifriges Streben, die Marienverehrung zu vertiefen und zu fördern, bewundernd anzuerkennen und nachzuahmen? Die Liebe zu Gott ist international; darum muss es auch die Kirche sein. Dass die französische Kirche sich die Mutter der Heiligen nennen kann, werden wir Deutsche ihr neidlos zuerkennen müssen. Das soll uns nur kräftigst anspornen, unsererseits in frommem Wetteifer nach der wahren Menschengröße, nach Heiligkeit zu streben. Nur in einem christlich-frommen, in einem gerechten, heiligen Leben werden wir unsere Rettung finden.

 

Die Zeit, die dem heiligen Grignon in diesem Land der Verbannung gegeben war, umfasste die Jahre 1673 bis 1716, eine kurze Zeit. Sein Wirken aber, als das eines von der Liebe Gottes ganz entzündeten Priesters, dessen Heilsworte auf die Herzen der verstocktesten Sünder wie Feuer auf Wachs wirkten, war gleichwohl ein großes. Er stammte aus dem charaktervollen und glaubensstarken Bezirk der Bretagne, aus Montfort, Diözese St. Malo, deren Bevölkerung, wie jener der Vendee, Grignon gelehrt hat, bei der nachherigen Revolution für den Glauben zu sterben. Sein Vater war Advokat und gehörte dem weniger reichen als glaubensinnigen und mutigen Adel der Bretagne an. Edelmut, der sich für den Nächsten opfert, zeichnete immer unseren heiligen Ludwig aus. Schon dem frommen, gebetseifrigen Studenten war es eine Herzensfreude, die Kranken in den Spitälern zu besuchen und zu pflegen und die Armen mit dem zu unterstützen, was er sich selbst versagte. Seine Nächstenliebe machte ihn wahrhaft kühn. Einmal führte er einen armen Mitschüler zu einem Kaufmann in Rennes: „Herr“, sprach er, „seht hier meinen Bruder; er ist auch der Eure. Ich habe bei den Schülern der Klasse gesammelt, so viel ich konnte, um ihn zu kleiden. Es reicht jedoch nicht hin; darum müsst Ihr ihm das Übrige schenken“

 

Im Seminar von St. Sulpice, das später so viele heilige Priester bildete, konnte Grignon bald das geringe Kostgeld nicht mehr bezahlen. Was tat der junge Seminarist in edler Selbstverleugnung? Er wachte in der Woche drei bis vier Nächte bei den Leichen der Reichen, um so sein Kostgeld zu verdienen. Damit verband er das Gebet und Studium und lernte zugleich der Eitelkeit, Ehrsucht und dem Vergnügen zu ersterben. Überdies übte er noch täglich strenge körperliche Buße, um so die Begierlichkeit des Fleisches zu zähmen und die wunderbare Reinheit der allerseligsten Jungfrau nachzuahmen, deren Namen er sich in der Firmung beigelegt hatte.

 

Eine heroische Selbstentäußerung begleitete Grignon zeitlebens. Im Jahr 1700 Priester geworden, übernahm er die Seelsorge in einem Spital zu Poitiers und unterrichtete die Kinder und Armen im Katechismus. Dazwischen war er einmal ohne jegliche Stelle, so dass er in einem verlassenen Ort unter der Stiege eines Hauses sich eine Unterkunft suchte und vom Almosen der Klosterfrauen lebte. Als er dann wieder in das Spital zurückgekehrt war, vollendete er die bereits begonnene Neuordnung der Anstalt, sorgte für regelmäßige Beköstigung der Armen, diente ihnen mit eigenen Händen, verband ihre Wunden, kehrte Haus und Hof, wusch das Küchengeschirr, wie der geringste dienende Bruder unter wirklichen Brüdern. So weit ging Grignon in seiner Selbstverleugnung, dass er zur Überwindung der sich zuweilen auflehnenden Natur sogar das Eiter aus den Wunden sog.

 

Indessen bot sich der Heilige zur Abhaltung von Missionen an. Diese fruchtreiche, aber mühevolle, seine Kräfte frühzeitig aufreibende Tätigkeit war es, durch die er für das nordwestliche Frankreich unter dem sichtbaren Segen des Himmels zum dauernden Wohltäter wurde. Seine ganz ungewöhnlich wirksamen Missionspredigten verdankten ihren gewaltigen Erfolg seinen heißen Gebeten, den ununterbrochenen Bußübungen und nicht zum wenigsten den fast beständigen Verfolgungen. Durch seine aufsehenerregenden Taten weckte der Heilige nicht nur den unversöhnlichen Hass der Feinde des katholischen Glaubens und eines tugendhaften Lebens, der Kalvinisten, der Jansenisten und aller schlechten Elemente gegen sich auf, es wurde überdies diesen leicht, einen so ungewöhnlichen Missionar, der eine ganze Gemeinde in Bewegung brachte, auch bei der geistlichen Behörde als Unruhestifter und Störer der öffentlichen Ordnung zu verdächtigen. So geschah es, dass ihm auch Pfarrer ihre Gemeinden und Bischöfe unter geistlichen Strafen ihre Diözese verwiesen. In bewundernswürdiger Geduld und Demut nahm der Heilige die kränkendste Behandlung hin, bisweilen ohne sich auch nur mit einem Wort zu verteidigen. Je mehr er persönlich geschmäht und angegriffen wurde, umso fruchtbarer erwiesen sich die Missionen und umso dankbarer würdigten andere seine wertvolle und nachhaltige Mitarbeit in der religiös-sittlichen Hebung der Gemeinden.

 

Im Jahr 1711 hielt der heilige Grignon in La Rochelle vier Missionen nacheinander, die erste im Spital, die zweite den Männern, die dritte den Frauen, die vierte für die Soldaten. Der Erfolg war ein vorzüglicher. Bei einer Predigt des Heiligen rief das Volk während einer Viertelstunde: „Ein Wunder, ein Wunder! Wir sehen Kreuze in der Luft!“ Mehr als hundert glaubwürdige Personen haben dies Schauspiel bezeugt. Die dort zahlreichen Kalviner schreckten in ihrem Hass gegen den Gottesmann nicht vor dem Äußersten zurück- Sie brachten ihm in einer Tasse Fleischbrühe, die er nach der Predigt nahm, Gift bei. Durch Gegengift wurde er wohl noch glücklich gerettet, seine Gesundheit wurde aber dadurch so erschüttert, dass sein späterer Tod beschleunigt wurde. Dann suchten ihn Männer durch Meuchelmord zu beseitigen. Eines Abends ging Grignon mit seinem Missionsgefährten Bastiéres zu einem Bildhauer, da er auch gerne für die Ausschmückung und Renovierung der Kirchen Sorge trug. Es war Winter und schon sehr dunkel. Als sie in eine enge, finstere Gasse einbiegen wollten, meine Grignon, sie hätten sich verirrt, und war durch keine Gegengründe zu bewegen, weiterzugehen. Sie kehrten um und gelangten erst auf langem Umweg zum Bildhauer. Auf Befragen, warum er denn nicht durch die Gasse habe gehen wollen, die doch der nächste Weg gewesen wäre, antwortete Grignon: „Ich weiß es selbst nicht; aber mein Herz stand still, ich konnte nicht atmen und es war mir unmöglich, einen Schritt vorwärts zu tun.“ Einige Jahre später erfuhr sein Mitmissionar zufällig von den Übeltätern selber, dass sie damals in der engen Gasse auf Grignon lauerten und ihm, hätten sie ihn erwischt, „den Schädel eingeschlagen“ haben würden. Das Jahr darauf entgingen beide Missionare, als sie auf die „Gottesinsel“ zu einer Mission wollten, auf ähnliche Weise dem Tod, den ihnen die Seeräuber auf Anstiften der Calvinisten bereiten wollten.

 

Seinen Unterhalt bei den Missionen zog der selbstlose Diener des Herrn nur aus dem Almosen der Leute. Zur Mitarbeit suchte er Priester zu gewinnen, aus denen dann sich eine eigene Kongregation, die Gesellschaft Mariens, entwickelte. Der erste Obere war M. Mülot. Als ihn Grignon zur Mitarbeit einlud, musste der Arme gestehen, dass er teilweise gelähmt sei und an Beklemmungen der Brust und ständigen Kopfschmerzen leide. Der Heilige aber, der Gottes Pläne und die Zukunft oft wunderbar erschaute, entgegnete dem braven Priester: „Alle Eure Gebrechen halten mich nicht ab, zu Euch zu sagen, was der Herr zu Matthäus gesprochen hat: Folge mir! Sobald Ihr am Heil der Seelen zu arbeiten beginnt, werden Eure Leiden schwinden.“ Mülot vertraute dem heiligen Mann, und wirklich, kaum hatte er die erste Mission begonnen, als er sich wohler und nach einigen Tagen vollständig hergestellt fühlte. Ähnlich heilte er einen der Brüder, die ihn bei der Mission unterstützten. Schon zwölf Tage lag Bruder Peter krank darnieder; man hatte ihn schon mit den Sterbesakramenten versehen. Eines Morgens trat Grignon in Begleitung des Paters Bastiéres zu dem Kranken und fragte: „Habt ihr Glauben?“ - „Ach, mein Vater“, war die Antwort, „ich wünschte, mein Glaube wäre stärker, als er in der Tat ist.“ – „Wollt Ihr mir gehorchen?“ – „Von ganzem Herzen“, erwiderte der Mann. – „So befehle ich Euch“, sprach der Heilige, indem er ihm die Hände auflegte, „in einer Stunde aufzustehen und uns bei Tisch zu bedienen.“ So geschah es.

 

Die auffallenden Erfolge des gotterleuchteten Apostels waren nicht zum geringsten Teil eine Frucht seiner tiefgegründeten Verehrung der lieben Mutter Gottes. Grignon gehörte dem Dritten Orden des hl. Dominikus an, dieses Marienapostels von leuchtendster Heiligkeit, und sein Auftreten wurde von einem anderen hochgerühmten Sohn jenes Heiligen, vom hl. Vinzenz Ferreri, in seraphischem Geist vorherverkündet. Das Rosenkranzgebet war es, das dem Heiligen zur Bekehrung der verworfensten Menschen verhalf. Maria war ihm stets für sich und für andere das Mittel, um zu Jesus zu gelangen. Sein Wahlspruch war: „Damit das Reich Jesu komme, soll das Reich Mariens kommen.“ Er gab sich den Namen „Sklave Jesu in Maria“ oder einfach „Sklave Mariens“. Grignon, der am 28. April 1716 in St. Lorenz an der Sèvre starb und in der dortigen Muttergotteskapelle beigesetzt wurde nachdem sein Leib nach eineinhalb Jahren noch nicht die geringste Spur von Verwesung gezeigt hatte, hat uns eine goldene Schrift über die Marienverehrung in den letzten Zeiten und über die Ankunft des Reiches Jesu durch die Herrschaft Mariens über die Seelen hinterlassen. Diese Schrift trägt den Titel: „Die wahre Andacht zur allerseligsten Jungfrau“ und blieb als Handschrift bis 1842 unerkannt unter anderen Büchern liegen. Durch den Bischof von Lucon aber provisorisch approbiert, wurde sie beim Prozess in Rom 1853 als der katholischen Glaubenslehre entsprechend erklärt. Der Verfasser selbst erhielt 1888 durch den glorreichen Papst des heiligen Rosenkranzes, durch Leo XIII., die Ehre der Altäre zuerkannt. Die Schrift gebraucht die Bezeichnung „wahre Andacht“, nicht im Gegensatz zu falschen, sondern zu unvollkommenen Andachten. Sie will den Anspruch einer vollkommenen Andacht erheben, als diejenige, die der wahren Würde und Größe der Gottesmutter und der Wahrheit unseres Nichts allein allseitig entspricht.

 

Was ist diese wahre Andacht? Grignon schreibt tief und klar: „Alle unsere Vollkommenheit besteht darin, dass wir Jesus Christus gleichförmig werden, uns mit ihm vereinigen, uns ihm weihen, und deshalb ist die vollkommenste aller Andachten ohne Zweifel jene, die uns am vollkommensten Jesus Christus gleichförmig macht, uns mit ihm vereinigt und uns ihm weiht. Da nun Maria unter allen Geschöpfen Jesus Christus am gleichförmigsten ist, so folgt daraus, dass unter allen Andachten diejenige, die die Seele am meisten unserem Herrn gleichförmig macht, die Hingabe an seine heilige Mutter ist, und dass, je mehr eine Seele Maria geweiht ist, sie umso mehr Jesus geweiht ist. Daher kommt es, dass die vollkommenste Hingabe an Jesus Christus nichts anderes ist als eine vollkommene und gänzliche Hingabe unser selbst an die seligste Jungfrau und dies ist die Andacht, die ich lehre. Zur Begründung gibt Grignon von Montfort an: „Durch Maria hat das Heil seinen Anfang genommen, durch Maria muss es auch vollendet werden . . . Als die Morgenröte, die der Sonne der Gerechtigkeit, d.i. Jesus Christus, vorausgeht, muss sie wahrgenommen und erkannt werden, damit Jesus selbst es werde. Da sie der Weg ist, auf dem Christus das erste Mal zu uns gekommen ist, so wird sie auch der Weg sein, auf dem er das zweite Mal kommen wird, wenn gleich nicht auf dieselbe Weise. Wer Maria findet, findet das Leben, d.h. Jesus Christus, der ja „ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“. „Bei der ersten Ankunft des Herrn tritt Maria nicht aus dem Dunkel hervor“, damit die Person Christi selbst recht erkannt und beleuchtet würde. „In den letzten Zeiten aber wird Maria mehr als je in Barmherzigkeit und Stärke leuchten und erkannt werden.“

 

„Übergeben wir uns also ganz der seligsten Jungfrau, um ganz Christus zu gehören. Wir müssen ihr geben: erstens unsern Leib mit seinen Gliedern und Sinnen, zweitens unsere Seele mit allen ihren Kräften, drittens die äußeren Glücksgüter, gegenwärtige und zukünftige, viertens unsere inneren und geistlichen Güter, die Verdienste, Tugenden und guten Werke, kurzum alles. Maria wird das Unvollkommene reinigen und so dem Herrn anbieten. Der Heiland selber hat ja uns als Testament seines brechenden Herzens Maria gegeben: „Siehe da deine Mutter!“ Der glückliche Johannes „nahm sie von jener Stunde an auf“ und ist so als „der erste Herz-Jesu-Verehrer beim göttlichen Abendmahl auch der freiwillige Sklave Mariens geworden.“

 

Papst Pius XII. sprach Ludwig Maria Grignon von Montfort am 20. Juli 1947 heilig.