Der heilige Leonhard Casanuova von Porto Maurizio, italienischer Priester OSB, Patron der Volksmissionare, + 26.11.1751 – Fest: 26. November

 

Der heilige Leonhard von Porto Maurizio (geboren im Jahr 1676) hatte zwar, erst zwei Jahre alt, seine gute Mutter durch den Tod verloren, aber auch der Vater trug alle Sorge für eine gute christliche Erziehung des Jungen. Da er die besten Anlagen und große Neigung zur Tugend zeigte, so trugen die Bemühungen des Vaters auch die schönsten Früchte. Dies zeigte sich schon in den ersten Jahren. Statt sich mit Kinderspielen zu ergötzen, brachte der kleine Leonhard die Zeit mit Gebet und Andachtsübungen zu. Er lud andere Jungen von gleichem Alter zu sich ein, aber nicht um zu spielen, sondern sie auf eine fromme und nützliche Weise zu unterhalten. Er leitete sie an, die allerseligste Jungfrau zu verehren und um die Gnade zu bitten, ihrem göttlichen Sohn wohlgefällig zu werden. Öfters führte er die kleine Schar zu einem wundertätigen Bild der Gnadenmutter, das nicht weit von Porto Maurizio verehrt wurde. Besonders tat er dies zu der Zeit, als Neapel ein Erdbeben erschütterte, damit Gott durch die Fürbitte Mariens seinem Vaterland gnädig wäre, und es eben nicht mit dieser Strafrute züchtigte. Diesen Drang des Jungen, von seiner geliebtesten Mutter zu reden und auch in anderen ähnliche Gefühle der Liebe und der Verehrung zu ihr zu erwecken, finden wir auch an dem Novizen und Ordensmann. Er war in seinem 21. Lebensjahr bei den Patres Franziskanern der strengeren Observanz eingetreten, denn seine Lebensbeschreibung merkt ausdrücklich an: „Seine Gespräche mit den Brüdern waren allezeit von erbaulichen und heiligen Dingen, besonders redete er sehr oft, und allezeit mit einem besonderen Nachdruck von Maria der seligsten Jungfrau.“

 

Nachdem er Priester geworden war, trugen ihm die Obern das Lehramt auf, weil sie nicht zweifelten, die jüngeren Ordensgeistlichen würden aus seinem Unterricht großen Nutzen ziehen. Er fiel aber bald in eine schwere Krankheit. Man wendete alle Mittel an, ihn wiederherzustellen, und schickte ihn an verschiedene Orte, um durch mildere Luft auf seine Genesung einzuwirken. Doch alles war vergebens. Da wendete er sich nun mit ganzem Vertrauen zu Maria, der seligsten Jungfrau, und bat sie, sie möchte ihm von ihrem göttlichen Sohn die Gesundheit erlangen, damit er sie zu seinem Dienst und zum Heil der Seelen anwenden könne. Dabei versprach er mit großem Eifer, wenn er Erhörung fände, wollte er sich den Missionen widmen und mit allem möglichen Fleiß seine Kräfte auf die Bekehrung der Seelen verwenden. Wie angenehm Gott dieses Versprechen gewesen ist, zeigte der Erfolg. Das Übel ließ nach, und in kurzer Zeit war Leonhard vollkommen gesund. Im Jahr 1708 machte er auch wirklich den Anfang mit den eigentlichen Missionen.

 

Auf ihre vornehmsten Feste, die der Unbefleckten Empfängnis, der Geburt und Himmelfahrt, bereitete er sich mit einer neuntägigen, auf die übrigen mit einer dreitägigen Andacht vor. An diesen Tagen betete er neunmal das „Magnifikat“ mit tiefer Verbeugung zum Zeichen der Ehrerbietung. Jedes Mal dankte er der heiligsten Dreifaltigkeit für die Gnaden, die sie der seligsten Jungfrau in diesem Geheimnis erwiesen hat. Er erweckte Reue über seine Sünden und die Akte der Liebe zu Gott und zu Maria. An den Vorabenden der Frauenfeste und am Samstag hielt er das strengste Fasten. Die Schmerzen Mariens trug er innerst in seinem Herzen eingedrückt, und ein Kreuz, an dem spitzige Stifte vorstanden, und das er Tag und Nacht auf der Brust trug, sollte ihm nicht bloß als Werkzeug der Buße dienen, sondern ihn auch neben dem Leiden Christi stets an die Leiden der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz erinnern. Er beteuerte, Maria sei seine mildeste Guttäterin, er wolle sich also auch ganz zu ihrem Lob verwenden und ihr mit unverbrüchlicher Treue dienen. Seine Dankbarkeit ihr gegenüber an den Tag zu legen, sagte er oft auf der Kanzel: „Wenn ich bedenke, wie viele und wie große Gnaden ich von Maria empfangen habe, so komme ich mir selbst nicht anders vor, als wie eine Kirche mit einem Gnadenbild dieser seligsten Jungfrau, wo die Mauern überall mit Gelübdetafeln überdeckt sind, und wo man nichts anderes liest, als: Wegen einer von Maria erhaltenen Gnade. So scheint es mir, eben diese Worte seien überall an mir zu lesen. Mein gesunder Verstand, das vortreffliche Amt, in dem ich an dem Heil der Seelen arbeite, das heilige Ordenskleid, das ich trage, - alles habe ich aus Gnade Mariens. Alle guten Gedanken, alle guten Bewegungen des Willens, alle guten Anmutungen des Herzens habe ich aus Gnade Mariens. Lest nur, ihr werdet überall, in meiner Seele und an meinem Leib, geschrieben finden: Aus Gnade Mariens. Auf meiner Zunge werdet ihr geschrieben lesen: Aus Gnade Mariens. In meinem Herzen – o dass ich euch doch mein ganzes Herz zeigen könnte! – im Innersten meines Herzens ist geschrieben: Aus Gnade Mariens. – Meine milde Guttäterin soll ohne Ende gepriesen sein, - ewig will ich die Erbarmungen Mariens singen. Und wenn ich mein Heil erlange, so erlange ich es durch die Gnade meiner höchsten Frau.“

 

Er verlangte nicht nur selbst sein ganzes Herz Marien zu widmen, sondern er bestrebte sich auch, dieses Feuer der Andacht in allen Seelen zu entzünden. Überall verbreitete er ihren Ruhm, beständig dachte er an sie, oft redete er von ihr, alle Andachten, die ihr zu Ehren anfingen, beförderte er. In öffentlichen Predigten sowohl als in besonderen Unterredungen trachtete er die Andacht zu Maria den Herzen einzuflößen. Häufig und mit Nachdruck empfahl er seinen Zuhörern ihre Zuflucht zu Maria zu nehmen und empfahl auf jede mögliche Weise den höchst löblichen Brauch, alle Abende den heiligen Rosenkranz zu beten. In allen Missionen hielt er eine besondere Predigt von Maria, der seligsten Jungfrau, die so rührend war und die er mit solchem Eifer sprach, dass die härtesten Herzen erweicht und gleichsam gezwungen wurden, sich zu ergeben. Die Bekehrungen, die dadurch erwirkt wurden, sind unzählbar.

 

So liebte der Heilige Maria, so trachtete er, die Liebe und Andacht zu ihr auch anderen zu vermitteln. Er gab Unterricht, was ein Diener Maria jährlich, jeden Monat, jede Woche, täglich, stündlich und zu jeder Zeit tun soll, wie er zugleich die Sünde verabscheuen und vor ihr fliehen müsse, weil Maria zwar die Zuflucht der Sünder, aber keine Beschützerin der Sünde sei. In der Versuchung, in der Gefahr zu sündigen, soll der Diener Mariens zu sich selber sagen: Dieses verabscheut Maria, meine höchste Frau; nein, ich will sie nicht beleidigen; in Ewigkeit soll das nicht geschehen. Er blieb bis auf den letzten Atemzug vollkommen bei Verstand und entschlief ganz sanft im Herrn den 26. Tag des Wintermonats 1751, nachdem er 74 Jahre, 11 Monate und 6 Tage gelebt hat, von denen er 54 im heiligen Orden und 44 in der apostolischen Mission zugebracht hatte. Im Jahr 1796, am 14. Juni, im 45. Jahr nach seinem Hinscheiden, wurde er durch einen feierlichen Ausspruch von Papst Pius VI. unter die Zahl der Seligen, und 1867, am 29. Juni, von Papst Pius IX. unter die Zahl der Heiligen versetzt.