Die selige Kunigunde von Ungarn, Kinga, Königin von Polen, Klarissin, + 24.7.1292 – Gedenktag: 24. Juli

 

Wie schon früher gesagt, gingen im Mittelalter aus dem ehemaligen ungarischen Königshaus eine große Anzahl heiliger und heiligmäßiger Frauen hervor. Unter diesen ist eine der leuchtendsten und lieblichsten Gestalten die selige Kunigunde (Kinga), die Tochter König Belas IV., dessen Schwester die heilige Elisabeth war. Kunigundens eigene Schwester waren wieder die selige Jolenta und die selige Margareta, ihre Nichten die heilige Elisabeth von Portugal und die selige Salomea. Kunigunde erblickte im Jahr 1224 das Licht der Welt und schon als Kind umstrahlte sie der Glanz besonderer Gnade und Auserwählung. Ja kurze Zeit nach ihrer Geburt hörte man sie bereits zur Mutter Gottes beten: „Sei gegrüßt, Königin des Himmels, du Mutter des Königs der Engel!“ Wenn die Kleine auf den Armen ihrer Amme der heiligen Messe beiwohnte, neigte sie auch schon jedes Mal das Haupt, so oft die heiligen Namen Jesus und Maria gesprochen wurden. Trotzdem aber der Himmel in so deutlicher und wunderbarer Weise dieses Mädchen für sich in Anspruch zu nehmen schien, musste sie, kaum der Kindheit entwachsen, dennoch eine eheliche Verbindung eingehen, nämlich mit dem Herzog Boleslaus, der später König von Polen wurde. Indes war dieser Gatte unserer Kunigunde doch auch wieder so ausnehmend würdig, dass man sagen kann, Gott habe ihn ihr zugeführt, um ihre Heiligkeit erst recht ins Licht zu setzen und gewissermaßen zu verdoppeln. Denn Kunigunde, entschlossen auch im Ehestand die Jungfräulichkeit zu bewahren, wusste ihren Gatten ebenfalls dafür zu begeistern und so lebten dann beide in der Tat wie Bruder und Schwester miteinander. Boleslaus hat deshalb sogar von der Geschichtsschreibung den Beinamen Pudikus, d. i. der Keusche, erhalten. Auch als das fromme Ehepaar zur königlichen Würde erhoben worden war, änderte sich an diesem Tatbestand nichts. Kunigunde steht somit in Wahrheit als eine jungfräuliche Königin vor uns. Mit um so größerer Hingabe erwies sie sich dafür als eine Mutter ihres Volkes und Landes. Gleich ihrer Tante, der heiligen Landgräfin Elisabeth, nahm sie sich mit umfassender Liebe und fürstlicher Freigebigkeit der Armen und Kranken an. Letztere besuchte und pflegte sie persönlich in den Spitälern. Auch in einer empfindlichen allgemeinen Not wurde die heilige Königin zur Helferin. Polen hatte nämlich damals großen Mangel an Salz. Kunigunde flehte nun zu Gott um Abhilfe und siehe, es wurden so ergiebige Salzgruben entdeckt, dass daraus nicht nur der Bedarf des Landes befriedigt, sondern auch noch große Mengen ausgeführt werden konnten.

 

Im Jahr 1729 starb Kunigundens Gemahl. Nun sollte auf dringende Vorstellungen der Großen des Reiches hin die Witwe die Regierung weiterführen. Aber Kunigunde war dazu nicht mehr zu bewegen. Sie sehnte sich danach ein ausschließlich Gott geweihtes Leben zu führen und trat deshalb mit ihrer gleichfalls verwitweten Schwester Jolenta in das Klarissenkloster Sandek ein, das sie selbst gestiftet hatte. Beim Eintritt sprach sie zu den Schwestern das schöne Wort: „Vergesst, was ich gewesen bin! Ich komme nur, um als die geringste unter euch zu dienen.“ Und wirklich scheute sie vor keiner, auch noch so niedrigen Arbeit oder Dienstleistung zurück, sondern verrichtete sie mit aller Demut und Herzensfreude. Wer hätte da vermutet, dass er eine ehemalige Königin vor sich habe? Aber „wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden,“ sagt das Evangelium. Und so wurde die Selige zur Äbtissin ihres Klosters gewählt, in welcher Eigenschaft sie sowohl ihrem bisherigen Tugendbeispiel treu blieb als auch in wahrhaft mütterlicher Weise für ihr Kloster sorgte, wobei ihr Gott der Herr wunderbare Hilfe angedeihen ließ. Dies war besonders der Fall, als das Kloster einst Mangel an Wasser litt. Da begab sich Kunigunde voll Gottvertrauen zu dem eine Meile entfernten Flüsschen Pusifernica, zog von da mit ihrem Äbtissinstab eine Linie bis an das Kloster, betend, es möge der Bach von nun an in dieser Richtung fließen. Und, o Wunder, es geschah so, obwohl der Bach jetzt ein seinem Naturlauf nicht entsprechendes Bett nehmen musste. So berichtet die Legende. Nachdem die Selige dreizehn Jahre im Kloster heilig gelebt hatte, rief sie der göttliche Bräutigam zu sich am 24. Juli 1292. In ihrer letzten Stunde hörte man sie in himmlischer Entzückung sprechen: „Macht Platz, seht da, unser heiliger Vater Franziskus kommt mir beizustehen!“ Nach ihrem Verscheiden erfüllte der lieblichste Wohlgeruch ihre Zelle und über ihre Gesichtszüge verbreitete sich wunderbare Schönheit. An ihrem Grab und auf ihre Fürbitte hin geschahen dann so viele Wunder, dass sie im Jahr 1690 von Papst Alexander VIII. seliggesprochen wurde. Papst Klemens XI. aber erklärte sie im Jahr 1715 feierlich als Patronin von Polen und Litauen.

 

Die selige Kunigunde, die schon als kleines Kind beim Hören der heiligen Namen Jesus und Maria das Köpfchen andächtig neigte, ist uns dadurch eine Lehrmeisterin einer sehr heilsamen frommen Übung geworden, nämlich darin, die heiligsten Namen Jesus und Maria in Ehrfurcht, Liebe und Vertrauen oft auszusprechen oder anzurufen. Sie sind ja voll himmlischer Kraft und himmlischen Segens. Vom Namen Jesus gelten, wie der heilige Bernhard zeigt, die Worte der heiligen Schrift: „Dein Name ist mir ausgegossenes Öl.“ (Hohelied 1,2) „Jesus,“ so sagt der heilige Bernhard weiter, „ist Honig für den Mund, Melodie für das Ohr, Jubel für das Herz.“ Und zur Anrufung des Namens Maria fordert er uns auf mit den Worten: „In Gefahren, in Ängsten, in zweifelhaften Fällen denke „Maria!“, sprich zu Maria! Sie weiche nicht von deinem Mund, nicht aus deinem Herzen!“ Möchten wir darum besonders in Versuchungen zur Sünde diese beiden heiligen Namen regelmäßig und andächtig anrufen! Es wird nie umsonst sein.