Der heilige Kolumban, Priester und Abt der Insel Jona, Schottland, OSB (Benediktiner), + 9.6.597 – Fest: 9. Juni

 

Der heilige Kolumban (Columbus oder Columkille) war der Apostel der Pikten, und einer der berühmtesten Patriarchen der Ordensmänner in Irland. Um ihn von den anderen Heiligen desselben Namens zu unterscheiden, nannte man ihn Columkille, von der großen Anzahl Klosterzellen, die er errichtete, und die von den Irländern Killes genannt werden.

 

Dieser Heilige stammte aus dem berühmten Haus Neil, und wurde 521 zu Cartan, in der Grafschaft Tyrconnel, geboren. Von seiner Kindheit an erfasste er schon, dass nichts groß und schätzbar ist, als was in uns die Liebe zu Gott entflammt. Und diese Liebe strebte er durch eine gänzliche Lostrennung und eine vollkommene Reinheit des Leibes und der Seele in sich immer mehr anzufachen. Er verlegte sich deswegen auf die Heilige Schrift und die Grundlehren des beschaulichen Lebens unter dem heiligen Bischof Finian, der eine Schule zu Cluain-Irard errichtet hatte.

 

Nachdem er hierauf 546 zum Priester geweiht wurde, erteilte er selbst bewunderungswürdige Unterrichte über die Gottseligkeit und die Heilige Schrift, und bildete in sehr kurzer Zeit mehrere Schüler. Ungefähr vier Jahre danach stiftete er das große Kloster Dair-Magh, das jetzt Durrogh heißt. Er war auch der Stifter einiger anderer kleinerer Klöster. Für das Klosterleben seiner Religiosen setzte er eine Regel auf, die hauptsächlich aus der der alten Mönche des Morgenlandes gezogen war.

 

Als er sich durch seinen Eifer in der Bezichtigung der öffentlichen Laster, des Königs Dermot oder Dermitius Zorn zugezogen hatte, verließ er Irland, und begab sich in den nördlichen Teil von Britannien, der jetzt unter dem Namen Schottland bekannt ist, und nahm zwölf seiner Schüler mit sich dahin. Beda setzt seine Ankunft dort in das Jahr 565 nach Christi Geburt, und in das neunte der Regierung des Königs Bridius.

 

Es wird von dem Heiligen gesagt, dass er die Pikten durch seine Predigten, seine Tugenden und Wunder zum Christentum bekehrte. Allein dieses kann nur von den nordischen Pikten und von jenen, die die Hochländer bewohnten, und von den anderen durch den Berg Grampus getrennt waren, verstanden werden. Wir erfahren auch wirklich von Beda, dass die südlichen Pikten das Evangelium lange Zeit vorher empfangen haben, und dies dem heiligen Ninyas, dem ersten Bischof von With-Herne, in der Grafschaft Galloway, zu verdanken hatten.

 

Nachdem die Pikten den Glauben angenommen hatten, gaben sie dem heiligen Kolumban die kleine Insel Hy, oder Jona, die zwölf Meinen vom festen Land entfernt liegt, und in der Folge wegen seiner Y-Colm-Kille genannt wurde. Er erbaute dort ein großes Kloster, das mehrere Jahrhunderte hindurch die Hauptpflanzschule der nordischen Britten war. Die Könige von Schottland hatten lange Zeit in diesem Kloster ihr Begräbnis. Auch beerdigte man da die Leiber einer beinahe unzähligen Menge Heiliger. Dieses Kloster gab danach mehreren anderen, die Kolumban in Schottland stiftete, ihr Entstehen. Da wurden die berühmten Bischöfe Aidan, Finian und Colman gebildet, die die in Northumberland wohnenden Angeln bekehrten. In der Folge nahm das Kloster Hy (Jona) die Regel des heiligen Benedikt an.

 

Das Leben des heiligen Kolumban war sehr streng. Er schlief auf bloßer Erde, und hatte nur einen Stein zum Kopfkissen. Seine Fasten waren streng und ununterbrochen. Seine Frömmigkeit machte ihn jedoch weder finster noch schwermütig. Auf seinem Angesicht strahlte vielmehr immer eine liebenswürdige Heiterkeit und verkündete allen, die ihn sahen, dass seine Seele eine unwandelbare Ruhe und jene reine Freude genießt, die die Gegenwart des Heiligen Geistes erzeugt. Seine Andacht war so außerordentlich, dass er bei allen seinen Handlungen mehr als ein sterblicher Mensch zu sein schien. So viel an ihm lag, ließ er keinen Augenblick entschwinden, ohne ihn irgendeinem Werk zur Ehre Gottes, z.B. dem Beten, Lesen, Schreiben oder Predigen zu weihen. Seine Sanftmut und Liebe, die sich bei jeder Gelegenheit im hellsten Licht zeigten, gewannen ihm aller Herzen, mit denen er umging. Seine Tugenden, die noch durch die Gabe der Prophezeiung und Wunder erhöht wurden, erwarben ihm eine allgemeine Verehrung. Er stand in einem solchen Ansehen, dass selbst die Könige nichts taten, ohne ihn um Rat zu fragen. Aidan oder Edhan, der 570 seinem Verwandten Kinatel auf dem Thron nachfolgte, wollte von seiner Hand den königlichen Schmuck empfangen. Vier Jahre vor seinem Tod hatte der Heilige ein Gesicht, das ihm viele Tränen kostete: er war nämlich durch Engel belehrt worden, dass Gott, gerührt durch die Gebete der Kirchen von Britannien und Schottland, sein Leben noch um vier Jahre verlängern würde.

 

Als er endlich seine letzte Stunde herannahen fühlte, sagte er an einem Sonntag zu Diermit, seinem Schüler: „Dieser Tag wird Sabbat, das heißt, Ruhetag genannt, und dies wird er besonders für mich sein, weil er meinen Arbeiten ein Ende macht.“ Um Mitternacht war er der erste in der Kirche, wo man die Matutin betete. Nachdem er sich hierauf vor dem Altar niedergekniet hatte, empfing er die heilige Wegzehrung, gab seinen Brüdern den letzten Segen, und entschlief ruhig im Herrn im Jahr 597, in einem Alter von 77 Jahren. Man beerdigte ihn auf der Insel Hy (Jona). Sein Leib aber wurde in der Folge nach Down in Ulster (Ultonien) gebracht, und mit den Leibern des heiligen Patritius und der heiligen Brigitta in einer Gruft beigesetzt. Der heilige Kolumban wurde ehemals unter den Hauptpatronen von Irland und Schottland verehrt. An diesem Tag, am 9. Juni, steht auch sein Name im römischen Martyrologium, in einigen anderen Kalendern findet man ihn aber auf dem 7. Juni, der sein Todestag gewesen zu sein scheint.

 

Aus „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:

 

Notlandung

 

Wenn ein Flugzeug auf dem Weg von Nordirland zu den schottischen Hochlanden in Schwierigkeiten kommen würde, dann wäre die Insel Jona genau der rechte Fleck, um eine Notlandung zu machen. Groß ist sie nicht, gerade drei Meilen hin und her, und was da an Land ist, ist größtenteils flach und ganz von weißem Sand.

 

In der Mitte des sechsten Jahrhunderts wurde diese Zuflucht von einem Kranich entdeckt, da die Insel unter seiner Flugstrecke lag. Es gibt verschiedene Arten dieser Sumpfvögel, aber der, von dem unsere Geschichte handelt, muss der gewöhnliche europäische Kranich gewesen sein, der etwa 1,20 Meter hoch ist und eigentlich nur aus Beinen und Hals besteht.

 

Auf ihren Wanderungen nutzen Graue Kraniche die Kraft der Winde. Und erreichen so Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer pro Stunde - mit wenigen Flügelschlägen

 

Er war irgendwo in Antrim in Irland losgeflogen und hatte wohl vor, an der Küste von Argyllshire zu landen, vielleicht in der Nähe von Oban. Aber in diesen rauen Gegenden kommen die Stürme plötzlich und furchtbar, so dass der Vogel, sein Ziel schon fast in Sicht, in Not geriet. Fast den ganzen Weg bis dahin hatte der Wind ihm beigestanden. Aber als er in die Nähe der Hebriden kam, geriet er kopfüber in diese grimmigen Winde, die plötzlich von den Seen und Bergpässen des Landes hervorbrechen.

 

Der Kranich hielt sich gut. Unter ihm lag die erstaunlichste Verbindung von Land und Wasser, die er je gesehen hatte. Auf der ganzen Erde ist so etwas nicht zu finden, außer in Griechenland und Norwegen. Inseln von jeder Gestalt und Größe sind über dieses Wasser hingestreut, als ob sie aus einem Zaubergefäß hervorgesprüht werden. Von der Höhe des einen, kleinen Hügels auf Jona aus, sind zwanzig bis dreißig solche Inseln sichtbar.

 

Aber der Kranich sah mit einem Blick, dass diese Inselchen für seine Zwecke nutzlos waren. Manche von ihnen waren von dichtem Wald bedeckt, andere waren wie Festungen, riesige Felsen oder bloße Klippen von Basalt oder Granit. Im richtigen Augenblick sah es ein winziges Eiland, das sich an die Seite einer sehr viel größeren Insel schmiegte, es hatte einen ebenen Strand, das übrige war hauptsächlich Ackerland. Freilich, da standen ein paar kleine Gebäude nahe der See, aber der Kranich beschloss, die Möglichkeit dennoch wahrzunehmen. Er legte die müden Flügel zusammen, flog bis dicht an die stürzende Brandung und landete zwischen Sand und Kieseln. Danach konnte er nur noch stillliegen und das Beste hoffen.

 

Zum Glück lebten damals Leute auf Jona, die barmherzig gesinnt waren gegenüber Menschen und Tieren, obwohl es Zeiten waren, da man nicht viel für Barmherzigkeit übrighatte.

 

Da war besonders einer, er hieß Columba und war Abt des Klosters, der hatte sein Leben damit zugebracht, denen zu helfen, die im Elend waren. Er sah oder wusste, was geschehen war. Er rief einen seiner Mönche und sagte ihm: „Geh an den Strand, da im Westen, und du wirst einen Kranich finden, erschöpft und hungrig. Sieh zu, dass er Futter und Ruhe findet! Er ist aus meiner Heimat gekommen und hat ein Recht auf unsere Gastfreundschaft.“

 

Sein Befehl wurde befolgt. Drei Tage lang wurde der Vogel sorgsam gepflegt, bis seine Kräfte wiederhergestellt waren. Dann wurde er freigelassen. Er schlug seine Flügel, um die Steifheit herauszuschütteln, sprang in die Luft und angesichts der zuschauenden Mönche und ihres Abtes flog er in geradem Kurs eilig seinem heimatlichen Strande zu.

 

Columba sagte dem, der den Vogel versorgt hatte: „Gott segne dich, mein Sohn, weil du freundlich unserem fremden Gast gedient hast.

 

Wir können sicher sein, dass der Kranich seine Rückreise ohne Missgeschick vollendete, Columba sorgte dafür. Lange noch nach seinem Tod riefen ihn die Seeleute der Hebriden an, als den Meister über alle Stürme und schon zu seinen Lebzeiten kamen Leute, die auf eine gefährliche Fahrt gehen wollten, den ganzen weiten Weg nach Jona, um ihn zu bitten, er möge ihnen günstiges Wetter erlangen. Er war ja ein Mann, der nichts halb tat, und so ließ er auch den Kranich nicht eher fort, bis die Wettervorhersage lautete: mittelmäßig bis schön, mit leichten Winden aus Nord-Ost.