Die heilige Katharina Kasper, Ordensgründerin, + 2.2.1898 – Fest: 2. Februar

 

Am 2. Februar 1898 starb in ihrem Heimatort Dernbach im Westerwald eine achtzigjährige Frau, Katharina Kasper mit Namen, die man zeitlebens, in jungen Jahren spöttisch und in ihrem Alter ehrfurchtsvoll, das „Dernbacher Kathrinchen“ nannte.

 

Nicht gerade arm, aber notvoll verlief Katharina Kaspers Jugend auf dem kleinen Bauernhof zu Dernbach. „Kathrinchen“, meinte zuweilen der Volksschullehrer, „wenn du nicht so oft im Unterricht fehltest, so würdest du bald auf dem obersten Platz sitzen.“ Kathrinchen gehörte also nicht zu den besten Schülerinnen, weil sie nicht regelmäßig zur Schule kam. Sie war nämlich schwächlich und kränkelte viel.

 

Katharina Kasper lernte allerdings leicht und schnell. Am liebsten hatte sie die Glaubensstunde, und wenn da einmal, selten genug, vom Ordensstand und von den drei Evangelischen Räten die Rede ging, war das Mädchen mit Leib und Seele dabei. Damals gab es in Deutschland kaum noch Klöster. Etwa sechzig Jahre vorher waren sie samt und sonders unterdrückt worden, und man hatte Fabriken und Zuchthäuser daraus gemacht.

 

Katharina Kasper interessierte sich also als Kind schon für das Ordensleben, obwohl sie nie ein Kloster oder Ordensschwestern zu Gesicht bekam. Ihre Gedanken kreisten oft um die heiligen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Einmal sagte sie unvermittelt zur Mutter: „Wären wir doch so recht arm, dann wäre ich froh!“ Betroffen und besorgt schaute die verständige Frau auf das Kind und antwortete unwirsch: „Aber, Mädchen, wir sind doch arm genug. Man sollte meinen, du seiest nicht gescheit, dass du solch dummes Zeug daherredest.“

 

Gott hatte viel mit dem Kind vor, wenn auch vorläufig von großen Dingen bei Katharina Kasper nichts zu merken war. Als junges Mädchen musste sie tüchtig bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld helfen. Katharina Kasper war dabei fromm und nahm sich liebend und sorgend der Dorfkranken an. Als der Vater starb, gestalteten sich die Verhältnisse daheim immer ärger und ärmer, bis Katharina schließlich, um für sich und die Mutter den Lebensunterhalt beizutreiben, bei den Nachbarn taglöhnerte. Sogar an Wegarbeiten beteiligte sie sich.

 

Bei der letztgenannten Tätigkeit geschah dann eines Tages etwas Sonderbares. Als die Steinklopferin nämlich bei der Arbeit einmal ein Weilchen rastete, hatte sie ein Gesicht. Vor ihren staunenden Augen zog eine lange Reihe von Ordensfrauen vorüber, und zugleich wurde der Seherin innerlich bedeutet, dass sie diese Schwesterngemeinschaft ins Leben gerufen werde.

 

Wie aber sollte das möglich sein, dass aus einer bettelarmen Steinklopferin eine Ordensstifterin wurde? Das war deswegen möglich, weil bei Gott kein Ding unmöglich ist. Tatsächlich hat Katharina Kasper später einen Orden von Barmherzigen Schwestern gegründet. Mit einem kleinen Krankenhaus fing es ganz armselig an, und als die heilige Katharina Kasper 1898 starb, waren es bereits zweihundert Krankenhäuser, und wieder fünfzig Jahre später waren es fünfhundert, in denen fünftausend Barmherzige Schwestern aus der Gefolgschaft des Dernbacher Kathrinchens ungezählten Kranken unbeschreiblich viel Gutes antun. Dieser unermessliche Segen ist von einem schlichten Bauernmädchen ausgegangen, das ein heiligmäßiges Leben führte und das eines Tages von der Kirche feierlich heiliggesprochen wird.

 

Wenn es nicht so manche prachtvolle junge Mädchen von der Art des Dernbacher Kathrinchens gegeben hätte, und Gott sei Dank immer noch gibt, so blieben viele Großtaten der Liebe, die geschehen, ungeschehen.

 

 

Maria Katharina Kasper wurde am 16. Maria 1978 durch Papst Paul VI. selig- und am 14. Oktober 2018 durch Papst Franziskus heiliggesprochen.