Der heilige Kaspar del Bufalo, Priester, Gründer der Genossenschaft der Missionare vom kostbaren Blut, + 28.12.1837 – Fest: 28. Dezember

 

Der heilige Kaspar von Bufalo erblickte am 6. Januar 1786 zu Rom das Licht der Welt und erhielt schon am nächsten Tag das himmlische Gnadenkleid der Taufunschuld, das er unbefleckt und mit Tugenden reich geziert am 28. Dezember 1837 seinem ewigen Richter überbrachte. Sein Vater, Antonio del Bufalo, der als Oberkoch beim Fürsten Altieri im Dienst stand, war ein gläubiger Christ, doch huldigte er zeitweise der vergnügungssüchtigen Leichtlebigkeit der Römer. Kaspars Mutter, Annunziata, war eine feinfühlende, tugendhafte Römerin, die bei allen, die sie kannten, hohe Achtung genoss und auf ihre Familie und Umgebung den besten Einfluss ausübte.

 

Der kleine Kaspar war ein stilles, zufriedenes Kind, doch bereitete seine schwache Gesundheit den Eltern schwere Sorgen. Im Laufe des ersten Jahres erkrankte er schwer, weshalb man ihm, wie das früher zuweilen geschah, die heilige Firmung erteilte und ihn so schon früh zum Streiter Christi salbte. Das Jahr darauf befielen ihn die Masern, die ihn sogar mit gänzlicher Erblindung bedrohten. Die fromme Mutter nahm ihre Zuflucht zum heiligen Franz Xaver, und das Kind wurde fast augenblicklich gesund. Kaspar bekundete dem gütigen Apostel der Inder zeitlebens seine Dankbarkeit durch eine innige Verehrung und möglichst getreue Nachfolge.

 

An den kindlichen Spielen hatte der aufgeweckte Junge keinen Gefallen, um so mehr aber an den Übungen der Frömmigkeit und Buße. Er betete fleißig und betrachtete oft das blutige Leiden und Sterben unseres Herrn. Gerne hätte er als Martyrer sein Blut für Christus hingegeben. Mit besonderer Freude und Andacht diente er bei der heiligen Messe. Aufmerksam lauschte er dem Wort Gottes und daheim wiederholte er das Gehörte und übte sich so im Predigen. Aber er bestrebte sich auch, die vernommenen Lehren zu befolgen. Die heilige Reinheit liebte er über alles. Sehr schätzte er auch die äußerliche Reinlichkeit. Kaspar war ein wohlerzogener, sittenreiner Junge, ein gehorsamer Sohn, der seinen Eltern viel Freude bereitete. Trotz aller guten Anlagen hatte er wie jeder Mensch seine Fehler und Schwächen. Das Bravsein ist dem lebhaften Jungen nicht immer leicht geworden. Seine große Empfindlichkeit und Neigung zum Zorn machten ihm viel zu schaffen. Doch nach und nach wurde er Herr über sich selbst. Bei dem harten Kampf benutzte er fleißig jene Heilsmittel, die zum Sieg verhelfen: Gebet, Abtötung, Empfang der heiligen Sakramente, Andacht zur reinsten Jungfrau usw. Schon mit sechs Jahren ging Kaspar zur heiligen Beichte, und nachdem er die erste heilige Kommunion empfangen hatte, sah man ihn mehrere Male in der Woche am Tisch des Herrn. Den Studien oblag Kaspar am römischen Kolleg. Er galt als mittelmäßig begabt, aber wegen seiner großen Frömmigkeit, seinem guten Betragen und zähen Fleiß stand er bei seinen Lehrern und Mitschülern in hohem Ansehen. Schon im zwölften Lebensjahr zog er das geistliche Gewand an und mit vierzehn Jahren wurde er in den Klerikerstand aufgenommen. Noch hatte er die höheren Weihen nicht empfangen, da wurde ihm schon erlaubt, öffentlich zu predigen und den Katechismus zu erklären. Das begeisterte Volk nannte ihn den „kleinen Apostel“. Der tugendhafte Theologe hielt sich für unwürdig, Priester zu werden. Der selige Bischof Strambi zerstreute jedoch seine Bedenken. Bufalo nahm an seiner Pfarrkirche ein Kanonikat an und ließ sich am 31. Juli 1808 zum Priester weihen.

 

Der junge Gesalbte des Herrn entfaltete eine segensreiche Tätigkeit. Sein Eifer kannte keine Grenzen. Hier sei besonders bemerkt, dass er den Kanoniker Franz Albertini bei der Gründung und Ausbreitung des Vereins und der späteren Erzbruderschaft vom kostbaren Blut kräftig unterstützte. Zeitlebens blieb Bufalo ein eifriger Liebhaber und Verkünder der Andacht zum göttlichen Lösepreis unserer Seele. Nach kaum zwei Jahren wurde seine segensreiche Tätigkeit gewaltsam unterbrochen. Der stolze Napoleon, der den Papst verbannt und den Kirchenstaat geraubt hatte, verlangte vom Klerus den Treue- und Hoheitseid. Der papsttreue Kanoniker antwortete entschieden: „Ich kann nicht, ich will nicht, ich darf nicht!“ Daraufhin wurde er von den Franzosen in den Norden Italiens verbannt und zwei Jahre später sogar eingekerkert.

 

Der Heilige hatte sich oft mit dem Gedanken getragen, in einen Orden einzutreten. Nach seiner Freilassung und Rückkehr nach Rom im Jahr 1814 und nach der Wiederherstellung des Jesuitenordens im gleichen Jahr wollte er diesem beitreten. Franz Xaver war ja sein Ideal, verschiedene Söhne des heiligen Ignatius seine Freunde. Sein Plan wurde plötzlich durchkreuzt. Papst Pius VII. ließ ihn zu sich rufen und ernannte ihn zum Volksmissionar. Gehorsam und mit wahrem Feuereifer führte der Heilige den ehrenvollen, aber sehr schweren Auftrag aus. Überall im Land, besonders im Kirchenstaat, wo Freimaurer und Briganten ihr Unwesen trieben, hielt er Missionen ab, die einen ungeahnten Erfolg hatten. Kaspar del Bufalo war zwar kein glänzender, aber ein gottbegeisterter, hinreißender Prediger. Überdies halfen ihm die Heiligkeit seines Lebens, seine übernatürliche Kenntnis der Herzen, seine glühende Andacht zum kostbaren Blut und zu Maria, der Zuflucht der Sünder und Hilfe der Christen, in den schwierigsten Fällen. Wunderbare Bekehrungen und Ereignisse folgten seiner Spur. Der selige Bischof Strambi nannte Kaspars Predigten „ein geistliches Erdbeben“.

 

Der apostolische Eifer und Freimut des Heiligen stießen nicht selten auf Widerspruch. Die Freimaurer wollten ihn sogar ermorden. Seine Feinde eröffneten ein wahres Kesseltreiben gegen ihn und verdächtigten ihn sogar beim Heiligen Stuhl. Als Papst Leo XII. den gewaltigen Bußprediger näher kennenlernte, war er erstaunt über seine Fähigkeit und Heiligkeit. Er wollte ihn sogar als Internuntius nach Brasilien senden. Allein der Heilige, der schon verschiedene Male die ihm angebotenen Ehren und Würden abgelehnt hatte, schlug in seiner Demut auch diesen ehrenvollen Posten aus, um als einfacher Missionar im Weinberg des Herrn verbleiben zu können. Auch jetzt gaben seine Gegner den Kampf gegen ihn nicht auf. Der Heilige ertrug alle Schmähungen mit himmlischer Geduld.

 

Kaspar del Bufalo wurde bei seiner Missionstätigkeit von seeleneifrigen Mitarbeitern unterstützt, mit denen er nach Möglichkeit ein gemeinsames Leben führte. Sie legten keine Gelübde ab. Die Satzungen der Kirche und die vom Heiligen entworfenen Statuten waren die Regel, nach der die heiligmäßigen Priester lebten. Sich selbst zu heiligen und Missionen und Exerzitien abzuhalten, das war und ist auch heute noch der Zweck der „Missionare vom kostbaren Blut“. Laienbrüder besorgten die inneren und äußeren Geschäfte der Missionshäuser. Das erste Haus wurde im Jahr 1815 zu Giano, Diözese Spoleto, eröffnet, und zwar mit Gutheißung und gütiger Unterstützung des Dulderpapstes Pius VII. Bald konnten an verschiedenen Orten Niederlassungen gegründet werden. Wie dem Heiligen, so blieben auch seiner Gründung die Stürme der Verfolgung nicht erspart. Allein die allerseligste Jungfrau hielt ihre schützende Hand über die junge Pflanzung, die in besonderer Weise dem kostbaren Blut ihres göttlichen Sohnes geweiht war.

 

Kaspar del Bufalo erlebte die kirchliche Bestätigung seiner Gründung nicht mehr. Seine aufreibende Missionstätigkeit, sein großer Bußeifer, die vielen Verfolgungen, seine brennende Sehnsucht nach dem Himmel hatten seine ohnehin schwache Gesundheit vor der Zeit untergraben. Im Jahr 1837 erkrankte er zum Tod. Mit größter Geduld und mit voller Ergebung in Gottes heiligen Willen ertrug der Heilige seine Leiden und empfing mit glühender Andacht die heiligen Sterbesakramente. Am Fest der Unschuldigen Kinder ging er freudig zu seinem Meister, den er stets so sehr geliebt, dem er immer so treu gedient hatte. Der heilige Vinzenz Pallotti erzählt: „Ich stand dem Sterbenden bei. Er lag da in voller Ruhe, in seinem Antlitz glänzte eine so liebliche Freude, dass ich mir einen solchen Todeskampf wünschte. Ungefähr eine Viertelstunde nach meiner Ankunft hauchte der Diener Gottes, versunken in ein Meer himmlischer Freude, seine Seele aus.“ Sein Grab in der Kapelle des heiligen Hieronymus zu Albano wurde durch viele Wunder verherrlicht. Papst Pius X. sprach den Diener Gottes am 18. Dezember 1904 selig, und durch Papst Pius X. erfolgte am 12. Juni 1954 die Heiligsprechung: denn er war ein christlicher Tugendheld, ein sittenreiner, seeleneifrige, heiliger Priester.

 

Die Genossenschaft der Missionare vom kostbaren Blut, die am 17. Dezember 1841 von Papst Gregor XVI. die kirchliche Genehmigung erhielt, hat sich zu einem lebenskräftigen Baum entwickelt, der seine segenspendenden Zweige über Italien, Spanien, Nordamerika und auch über Österreich und Deutschland ausbreitet. Der heiligmäßige, um die Kirche und um seine Genossenschaft hochverdiente Pater Franz Sales Brunner, gestorben am 29. Dezember 1859 in Schellenberg, Liechtenstein, hat die Missionare vom kostbaren Blut, die auch Sanguinisten heißen, nach Amerika und nach Deutschland verpflanzt. Der Sitz des deutschen Provinzialates befindet sich im Xaveriushaus zu Feldkirch in Vorarlberg.

 

Wie der heilige Kaspar del Bufalo, so wollen auch wir in Liebe und Dankbarkeit das kostbare Blut Jesu verehren, damit es uns im Leben und Sterben beschütze und stärke und uns dereinst im Himmel erfreue.

P. W. Schardt