Die heilige Juliana von Falconieri von Florenz, Nonne, Ordensstifterin, + 19.6.1341 - Fest: 19. Juni

       

Lange hatten die Eheleute Falconieri zu Florenz in Italien den Himmel bestürmt, bis sie im Jahr 1270 endlich erhört wurden und der liebe Gott ihnen ein Töchterchen schenkte, das sie auf den Namen Juliana taufen ließen. Groß war die Freude der Eltern, und weil sie reich waren, beschlossen sie, ihrer Dankbarkeit dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie eine Kirche zu Ehren der Muttergottes erbauten.

 

Als Juliana heranwuchs, zeigte es sich, dass sie ein gutes Herz besaß, voll Gottes- und Nächstenliebe. Man sah die Kleine öfters in dieser und jener Kirche der Stadt, und wer sie beobachtete, konnte feststellen, dass sie mit Andacht betete. Aufrecht kniete sie in einer der Kinderbänke, die Hände zwanglos und schön gefaltet und die Augen auf den Tabernakel gerichtet. Auch gab Juliana gern armen Kindern Almosen und verschenkte sogar die Puppen und Spielsachen, um anderen Freude zu machen. Gottlob gibt es manche Kinder, die es in der Jugend ebenso halten, wie es die kleine Florentinerin machte.

 

Juliana ist auch später brav geblieben. Als sie zu einem schönen und klugen Mädchen herangewachsen war, suchte ihr die Mutter einen vornehmen jungen Mann aus, den sie heiraten sollte, aber die Tochter mochte ihn nicht und sagte, sie wolle ihr Leben lang nur dem Heiland angehören. Da war die Mutter als christlich denkende Frau einverstanden, denn sie wusste, dass diejenigen Mädchen, die ihr Leben dem Heiland schenken, für Zeit und Ewigkeit gut versorgt sind.

 

So lange die Mutter lebte, blieb Juliana bei ihr. Nach ihrem Tod jedoch – der Vater war schon früher gestorben – verließ Juliana den Glanz des elterlichen Heims und siedelte in ein kleines Haus über, wo sin in Vereinigung mit einigen gleichgesinnten jungen Mädchen ein klösterliches Leben zu führen begann. Am Tag gingen die Frauen als Barmherzige Schwestern in die Hütten der Armen und pflegten die Kranken, wuschen und kochten für sie, hielten ihnen die Stuben und die Betten sauber und taten auch sonst alles, was den Leuten dienlich sein konnte. Bei alledem waren sie der Meinung, dass sie in den Kranken dem Heiland dienten, der gesagt hatte: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Während also die Frauen am Tag dem Nächsten dienten, weihten sie den Morgen und den Abend und einen Teil der Nacht dem lieben Gott in heiligen Gebeten und Gesängen. Juliana, die erste Oberin der neuen Ordensgesellschaft, gab den Mitschwestern in allem ein leuchtendes Beispiel.

 

Darüber verging die Zeit, und Juliana hatte bereits die Siebzig erreicht, als sie sterbenskrank wurde, und weil man sah, dass sich der Tod mit eiligen Schritten näherte, wurde sie mit den heiligen Sakramenten versehen. Nur die heilige Kommunion konnte ihr der Priester wegen beständigen Brechreizes nicht mehr reichen. Um alles in der Welt aber hätte die Sterbende noch einmal den Heiland empfangen. Daher bat sie den Priester, das Allerheiligste wenigstens in ihre Zelle zu holen, damit sie den Herrn im Sakrament ein letztes Mal sehen und anbeten könne. Gern wurde ihr der Wunsch erfüllt, und als ihr der Priester die heilige Hostie entgegenhielt, entschwand sie seinen Händen. Juliana aber lachte mit strahlendem Gesicht, und mitten in diesem Lachen verschied sie. Wie sollte sie auch nicht lachen, da der Heiland sie vor ihrem Ende in wundervoller Weise noch erquickt hatte. Durch einen geheimnisvollen Vorgang, den man nicht begreift, empfing die heilige Juliana im letzten Atemzug die heilige Wegzehr. Mit allem versehen, ging sie dann in die Ewigkeit hinüber.