Der heilige Joseph Anchieta aus der Gesellschaft Jesu, Missionar, Priester und Ordensmann, + 9.6.1591 – Fest: 9. Juni

       

Joseph Anchieta, der Apostel Brasiliens, stammte aus einer edlen Familie Spaniens, die auf den kanarischen Inseln ansässig war, wo er 1533 geboren wurde. 17 Jahre alt trat er zu Lissabon in die Gesellschaft Jesu und reiste schon 1553 in die Mission von Brasilien. Zunächst blieb er in Piratininga (St. Paul) und unterrichtete die portugiesische Jugend. Dabei verlegte er sich auf die Erlernung der einheimischen Sprache und erlangte darin eine solche Fertigkeit, dass er eine Grammatik, einen großen und einen kleinen Katechismus, religiöse Lieder und ein großes religiöses Drama verfasste. Durch sein heiliges, opferwilliges Leben gewann er bei den Eingeborenen die Verehrung von Alt und Jung. Im Jahr 1566 erhielt Joseph Anchieta in Bahia (S. Salvator) die heilige Priesterweihe. Schon vorher hatte er wiederholt den Pater Robrega, den ersten Jesuitenmissionar Brasiliens, auf seinen Wanderungen zu den wilden Eingeborenen begleitet. Jetzt begann er mit neuem Eifer seine apostolischen Reisen zu den wildesten Stämmen, die zum Teil noch Kannibalen waren. Unter unsäglichen Mühen und Gefahren wanderte er gewöhnlich barfuß bis in das Innere des gewaltigen Urwalds. Durch Gottes sichtbare Hilfe und durch unzählige Wundertaten gelang es ihm, viele Eingeborene zu bekehren. Großen Widerstand fand er oft an den portugiesischen Kolonisten, die glaubten, der seeleneifrige Apostel hindere sie in ihrem Sklavenhandel und anderen Geschäften. Sie zettelten sogar eine förmliche Verschwörung gegen ihn an, so dass er sich genötigt sah, an der Spitze seiner bekehrten Eingeborenen mit Waffengewalt sich gegen ihre Angriffe zu verteidigen. Dagegen war er immer bereit, den Kolonisten in den gefahrvollsten Feindseligkeiten seitens der Indianer durch mutige Vermittlung erfolgreichen Beistand zu leisten.

 

Einmal brachten die französischen Hugenotten, die sich in Rio de Janeiro angesiedelt hatten, den katholischen Statthalter in große Gefahr. Als dieser die bekehrten Indianer zu Hilfe rief, begleitete Joseph Anchieta seine Leute und befreite den Statthalter.

 

Auch als Provinzial der Mission unterließ der Diener Gottes seine apostolischen Wanderungen in den Urwald nicht. Zahlreiche Wunder werden von ihm berichtet. Er erweckte Tote zum Leben, heilte die Kranken, war zu gleicher Zeit an zwei Orten zugegen, die Tiere des Urwalds legte sich ihm zahm zu Füßen und spielten mit ihm. Man nannte ihn allgemein den Wundertäter. In der Stadt Allerheiligen war ein Mann mit Namen Diego gestorben. Er war wohl im Glauben unterrichtet, aber noch nicht getauft worden. Schon stand man im Begriff, den Toten ins Grab zu senken, als er plötzlich die Augen öffnete und mit lauter Stimme sagte, Anchieta solle ihn taufen. Die Leute wussten, das er weit entfernt war. Aber im selben Augenblick stand der Missionar da und taufte ihn. Gleich darauf starb Diego wieder.

 

Das Leben dieses großen Glaubensboten ist auch reich an auffallenden Zügen der Vorsehung, womit Gott sein Wirken zum Heil der Heiden unterstützte, jener erhabenen göttlichen Vorsehung, die keinen redlich die Wahrheit suchenden und heilsbegierigen Menschen ohne Hilfe sich selbst überlässt, mag er auch in den glühenden Gefilden des inneren Afrika oder auf unbekannten Eilanden des weiten Meeres hausen, wohin das Licht des Evangeliums bis jetzt noch nicht hineingeleuchtet, oder mögen ihm in den Prachtvillen der „Glücklichen“ oder den finsteren Gelassen der „Enterbten“ geflissentlich und absichtlich Christi Wort und Heilsgnade entzogen werden. Der ehrwürdige Missionar Joseph Anchieta unternahm wieder eine seiner apostolischen Wanderungen durch die weiten Gebiete des Landes. Wie wenn eine unwiderstehliche Ahnung, eine höhere Macht ihn zöge, über die er sich selbst keine Rechenschaft zu geben wusste, trieb es ihn auf einmal von seinen Gefährten hinweg ins tiefe Dickicht und Dunkel des Waldes. Nachdem er einige Zeit ziellos, wie es schien, gegangen war, traf er auf einen Greis, der von Alter und Ermüdung gebrochen schien, unter dem Laubdach eines Baumes sich niedergelassen hatte um nie wieder aufzustehen. Aus den Antworten, die der Greis mit matter Stimme auf die gestellten Fragen gab, ging hervor, dass er ein Heide war, der eine nicht ganz unrichtige Erkenntnis Gottes hatte, in allen wichtigen Punkten sein Leben lang treu der mahnenden Stimme des Gewissens gefolgt war und der nun in dunkler Sehnsucht nach einem höheren Licht und größerem Gut aus seinem fernen Wohnplatz weggegangen war, um die neue Heilsbotschaft der christlichen Missionare aufzusuchen. Von Gottes Güte gerührt, verkündete ihm Joseph Anchieta auf der Stelle die Hauptwahrheiten des christlichen Glaubens und taufte ihn mit den Regentropfen, die an den dornigen Gewächsen ringsherum hingen, dem einzigen Wasser in der Nähe, wobei er ihm den Namen Adam gab. In froher, dankerfüllter Herzensstimmung schied der alte Heide als neuer Christ aus der Welt, nachdem seine Augen so gnadenreich das Heil gesehen haben, das Licht zur Erleuchtung der Heiden. Die glücklichen Hände aber, die ihn getauft hatten, gruben ihm auch sein Grab im sandigen Boden auf dem Platz seiner Wiedergeburt. Dann falteten sie sich zum innigen Dankgebet, indem der treue Apostel Christi die Worte des heiligen Petrus wiederholt haben mag: „In Wahrheit habe ich nun erfahren, dass bei Gott kein Ansehen der Person gilt, sondern wer unter jeglichem Volk ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, der ist ihm angenehm“ (Apg 10,34).

 

In St Vinzenz sprach der Heilige eines Abends zu einem jungen Indianer: Bist du bereit, diese Nacht mit mir zu gehen, um eine Seele zu retten? Sehr gern, lautete die Antwort. Sie machten sich auf den Weg. Nach 9 Stunden kamen sie an einen Fluss. Da stand ein Boot, das auf sie zu warten schien. Sie setzten über. Bald hörten sie Lärm. Joseph Anchieta lief darauf zu. Eben waren die Eingeborenen im Begriff, einen jungen Indianer zu schlachten. Er drang durch die Menge, bedrohte sie mit dem Zorn Gottes, wenn sie nicht von ihrem Vorhaben abständen. Ohne dass jemand wagte, ihm entgegenzutreten, entriss er den jungen Mann ihren Händen. Er nahm ihn mit sich und rettete durch die Taufe auch das Leben der Seele.

 

Gott hatte seinem treuen Diener die Zeit des Todes offenbart. In Rerigtiba brach er bei einem Liebesdienst für einen kranken Mitbruder zusammen. Am 9. Juni 1591 (1597) gab er mit den Namen Jesus und Maria auf den Lippen seine edle Seele in die Hände seines Schöpfers zurück. Er war 64 Jahre alt, von denen er 44 in Brasilien gelebt hatte. Die Leiche wurde nach S. Spirito gebracht. Es war ein Weg von drei Tagereisen. Dennoch trugen seine lieben Indianer den Sarg auf ihren Schultern dorthin. Dreitausend Menschen begleiteten ihn eine weite Strecke Weges. Im Jahr 1611 ließ der General der Gesellschaft Jesu, Claudius Aquaviva, die kostbaren Gebeine nach Bahia übertragen. Papst Johannes Paul II. hat den Diener Gottes Joseph Anchieta am 22.6.1980 seliggesprochen, am 3.4.2014 folgte die Heiligsprechung durch Papst Franziskus.

 

Aus dem Leben des Paters Joseph Anchieta lernen wir, welchen Wert der kindliche Glaube und das unerschütterliche Vertrauen in den Augen Gottes haben. Durch sie wurde Joseph Anchieta der große Wundertäter und der Apostel Brasiliens.