Der gottselige Johannes Ximenius, Laienbruder in der Gesellschaft Jesu, + 24.2.1579 – Gedenken: 24. Februar

 

Johannes Ximenius, von Geburt ein Spanier, stammte von armen, geringen Eltern ab, war auch von unansehnlicher Gestalt und schien zu nicht viel tauglich zu werden. Allein hier galt der Spruch: Urteilt nicht nach dem Schein! Und gleichwie die kostbare Perle des Meeres in ungeschlachter Schale verborgen ruht, und aus finstern Bergesschluchten das edle Gold herausgegraben wird: so lag in dem unscheinbaren Leib des Johannes  eine reine glänzende Seele, ein tugendreiches Herz versteckt, woraus die Gnade Gottes ein gar kostbares Geschmeide, des Himmels würdig, zu fertigen vermochte. Die Begierde nach Vollkommenheit führte den Jüngling zu einem Einsiedler, den er zu seiner Berufswahl um Rat fragte. Mit sicherem Blick erkannte der Eremit die vortrefflichen Anlagen des Bittstellers zur Heiligkeit und riet ihm deshalb, unverweilt um die Aufnahme in den Orden des heiligen Ignatius, der damals in erster Blüte stand, nachzusuchen. Rasch entschloss sich der Jüngling, den entscheidenden Schritt fürs ganze Leben zu tun. Da umzogen finstere Wolken sein Gemüt und er glaubte, die Seinigen würden in Not und Elend geraten, wenn er sie jetzt verlasse. Um nun seinen Entschluss mehr Festigkeit zu geben, legte er Gott dem Herrn sogleich ein Gelübde ab, in den genannten Orden einzutreten, in dem er ohne irgendwelches Entgelt sein Leben dem Dienst des Herrn widmen wollte.

 

Hierauf trug er dem Vorstand der Ordensgesellschaft seine Bitte vor. Die Konsultoren aber hatten in Anbetracht der unscheinbaren Gestalt und der geringen Talente des Bittstellers großes Bedenken, ihm die Aufnahme zu gewähren, kurz er wurde abgewiesen. Johannes aber wiederholte entschlossen sein Gesuch. Allein auch das zweite Mal erging es ihm nicht besser. Da nahm sich der P. Provinzial um den frommen Bewerber an, dem er hatte mit kundigem Auge den verhüllten Tugendglanz des demütigen Johannes erschaut. So kam es, dass ihm endlich die Aufnahme in den Orden der Gesellschaft Jesu gestattet wurde. Da er zum Lehramt nicht tauglich war, übertrug man ihm die Feldarbeit, wobei er die Sorge für seine Seele nicht vernachlässigen durfte. Treu und eifrig in seinem neuen Beruf zog er durch das Gebet Gottes Segen auf seine Arbeit herab und er war mit einem Wort ein vollkommener Laienbruder, ebenso nützlich für sein Kloster, als er zuvor unbrauchbar erschien.

 

Durch den stillen Umgang mit Gott in Gebet und Betrachtung entfachte allmählich in seinem Innern ein Licht, das immer zunahm an Helle und nach außen trat durch überaus fromme und gottselige Gespräche, die er mit seinen Klosterbrüdern zu führen wusste. Er verstand es bald, so eindringlich jedermann zu frommem Wandel zuzureden, dass seinem Wort niemand Widerstand leisten mochte und nicht selten größerer Segen folgte, als den Predigten tüchtiger Kanzelredner und den Ermahnungen bewährter Beichtväter.

 

Und aus welchem Buch hatte wohl Johannes Ximenius seine Weisheit geholt? Aus der Heiligen Schrift, deren Lehren er in der Tiefe der Seele verschloss und eifrig betrachtete. Insbesondere dachte er über das Leiden Christi und seiner gebenedeiten Mutter nach und Maria tat ihm auf verschiedene Art kund, wie innig lieb ihr solche Andacht sei.

 

Da er eines Tages im Gebet begriffen war, - es war eben Allerheiligen – und vor dem Altar der Unbefleckten Empfängnis Mariä kniete, kamen ihm die Armen Seelen im Fegfeuer in den Sinn und er meinte, er hätte ihnen den nötigen Tribut an Gebeten nicht gezollt. Da sagte die seligste Jungfrau zu ihm: „Johannes, lass dir die Seelen im Fegfeuer befohlen sein!“ Er aber opferte künftighin alle seine Gebete, Kasteiungen, Fasten und andere gute Werke Gott auf zur Genugtuung für die Armen Seelen.

 

Ein anderes Mal fragte er in kindlicher Zutraulichkeit Marien, wie er am besten sein Heil besorge. Sie antwortete ihm: „Durch blinden Gehorsam!“ Von der Zeit an war ihm nichts mehr schwer, was ihm auch aufgegeben wurde, und er übertrug die härtesten Prüfungen mit der größten Seelenruhe. Maria aber wollte ihm sichtbar zeigen, wie sehr ihr sein Dienst gefalle und hierzu bot sich bald Gelegenheit.

 

Johannes half bei dem Bau der Kirche zu Saragossa mit mehreren anderen Laienbrüdern. Als er eben mit seinem Gefährten einen großen Quaderstein mit starkem Seil zur Höhe aufzog, wo er auf dem Gerüst abgesetzt werden sollte: da begann man das Ave Maria zu läuten und Johannes ließ augenblicklich den Strick aus den Händen. Der Stein aber blieb – wunderbar zu schauen – ungehalten frei in den Lüften hängen, denn auch sein Gefährte hatte das Seil losgelassen, als er sah, wie Johannes die Hände faltete und andächtig den Englischen Gruß betete. Maria wollte nicht dulden, dass ihr treuer Diener verletzt würde oder gar das Leben lassen müsste zu einer Zeit und aus Ursache, weil er aus Liebe zu ihr seine Gedanken vom Irdischen weg emporgerichtet und wie er stets gepflegt auch diesmal sein Herz zu ihr erhoben hatte.

 

Nach diesem Ereignis diente Johannes Ximenius noch eifriger seiner huldvollen Beschützerin und erst nach langer Frist starb er reich an Verdiensten am 24. Februar des Jahres 1579.