Die selige Johanna von Portugal, Prinzessin, Nonne, Seligsprechung: 1693, * 6.2.1452 in Lissabon, + 12.5.1490 in Aveiro – Gedenktag: 12. Mai

       

Johanna, Prinzessin von Portugal, verdient in die Reihe der berühmtesten Königinnen gestellt zu werden. Diese Prinzessin war mit allen Vollkommenheiten begabt, die einer Königin Glanz verleihen und ihr die Bewunderung der ganzen Welt zuwenden können. Sie besaß aber auch, was noch höheren Wert hat, die Tugenden, die zur Heiligkeit führen. Ihre zärtliche Verehrung Mariä war eine der schönsten Perlen ihrer Krone und die reichlichste Quelle der besonderen Gnaden, die sie in den bedenklichsten Lagen ihres Lebens vom Himmel empfing.

 

Als nun Alphons V., ihr Vater, siegreich und mit der Beute seiner überwundenen Feinde beladen aus Afrika zurückkehrte, zog sie ihm in ihrem reichsten und schönsten Schmuck entgegen. Sie gewahrte Bald den Eindruck, den sie auf sein Herz machte. Auch hatte sie sich mit dem kostbaren Putz der Üppigkeit und der Eitelkeit nur bekleidet, um ihr frommes Vorhaben leichter zu Ziel zu führen, indem sie eine Bitte an ihn stellte, die niemand vermuten konnte, der nicht ihre unvergleichliche Tugend kannte. Denn wer hätte sonst glauben mögen, dass eine Prinzessin so voller Reize und in solchem Maße würdig, die Gemahlin des ersten Monarchen der Welt zu werden, bei einem allgemeinen Freudenfest einen sieggekrönten Vater, den sie mehr als sich selbst liebte, um nichts anderes bitten sollte, als um die Erlaubnis, in einen Orden zu treten, um Gott ihre Jungfräulichkeit zu weihen. Hätte man das Herz des Königs mit einem tödlichen Pfeil durchbohrt, die Wunde würde ihn nicht empfindlicher geschmerzt haben, als diese so unerwartete Bitte. Da er jedoch von einer tiefen Gottesfurcht beseelt war, hatte er nicht den Mut, diese Bitte abzuschlagen, sondern, wie wenn ihm die Sprache genommen worden wäre, stand er da, ohne ein einziges Wort erwidern zu können. Die fromme Prinzessin, die in dem Schweigen ihres Vaters ein Zugeständnis und eine stumme Einwilligung erblickte, beeilte sich, ihre Angelegenheiten zu ordnen, um das Herannahen des Tages zu beschleunigen, an dem sie die Welt würde verlassen können, um sich in das Kloster zu verschließen.

 

Die fromme Prinzessin kostete mit langen Zügen die Süßigkeiten der Einsamkeit in ihrem Kloster zu Aveiro, ohne auch nur zu argwöhnen, dass man je daran denken könnte, ihren Entschluss rückgängig zu machen.

 

Nach Alphons Tod wurde Johann II., sein Sohn, von Karl VIII., König von Frankreich, angelegentlich angegangen, ihm seine Schwester zur Gemahlin zu geben. Die Liebe dieses Fürsten zu Johanna, deren Schönheit er kannte, hatte in seinem Herzen tiefe Wurzeln gefasst.

 

Nach der Ankunft der Abgesandten begab sich der König selbst in das Kloster zu Aveiro, um die Prinzessin, seine Schwester, zur Annahme der Hand des Königs von Frankreich zu bestimmen, allein er fand sie unbeugsam und unerschütterlich in ihrem Beruf. Er führte so rührende Vernunft- und Beweggründe an, dass die unglückliche Prinzessin, um nicht zu unterliegen, ihn um Ruhe bat bis zum folgenden Tag, damit sie sich bei ihrer gütigen Mutter, der Himmelskönigin, und ihrem geliebten Sohn, den sie schon vor langer Zeit zu ihrem einzigen Bräutigam erwählt hatte, Rat einholen könne. Sobald Johanna sich wieder in ihrer Zelle allein befand, warf sie sich vor einem Marienbild nieder, das sie in ihrem Betzimmer hatte, und beschwor unter Tränen, die den Boden benetzten, die Mutter der schönen Liebe bei allem, was sie im Himmel und auf der Erde Teures hat, ihr zu Hilfe zu kommen und sie in einer so großen Gefahr nicht zu verlassen. Was für ein Wunder! Kaum hatte sie ihr Gebet begonnen, als sie in ihr Herz himmlischen Frieden und Trost herabströmen fühlte und ihr Geist von aller Unruhe befreit war.

 

Am folgenden Tag kehrte der König, ihr Bruder, der von tausend Besorgnissen gepeinigt, kein Auge hatte schließen können, zu seiner Aufgabe zurück. Und da er vermutlich einen neuen Angriff versuchen zu müssen glaubte, hielt er eine Antwort auf jeden Einwurf bereit, den man ihm entgegensetzen konnte. Als er aber auf dem Angesicht seiner Schwester nur Ruhe und Heiterkeit erblickte, hoffte er eine für sein Anliegen günstige Antwort. Hätte man nach dem Anschein urteilen dürfen, so wäre seine Erwartung nicht getäuscht worden. Allein die Folge zeigte, dass Johanna im Einverständnis mit dem Himmel stand, denn sie sagte zu ihrem Bruder, dass, wenn der König Karl, der sie mit seiner Werbung beehre, noch am Leben sei, sie bereit sein werde, in sein Begehren einzuwilligen. Damit waren beide zufrieden. Der König kehrte mit größter Eile in sein Reich zurück. Kaum aber war er dort angekommen, als er die Nachricht vom Tod Karls VIII., seines innigsten Freundes erhielt, der schon zu der Stunde vor Gott erschienen war, in der die fromme Johanna das Wort aussprach, das er mit so großer Ungeduld erwartet hatte.

 

Johanna starb am 12. Mai 1490 in Aveiro und wurde im Kloster Aveiro bestattet. Sie wurde 1693 von Papst Innozenz XII. seliggesprochen. Obwohl sie bis heute nicht heiliggesprochen wurde, wird sie in Portugal als die Heilige Prinzessin Johanna verehrt.