Die zwei gottseligen Fürsten Johann von Aragonien und Johann von Portugal – Gedenken am 19. Januar

       

Wie Mariä Stammbuch berichtet, ist an diesem Tag im Jahr 1479 gottselig verschieden: Johannes, dieses Namens der Zweite, König von Aragonien, der Unsere Liebe Frau allzeit hoch geliebt und verehrt und alle ihre Feste, insonderheit das Fest der Unbefleckten Empfängnis mit vorzüglicher Andacht gehalten und seinen Untertanen gleiches zu tun anbefohlen, auch auf Gutheißen der geistlichen Obrigkeit geboten hat, dass niemand heimlich oder öffentlich lehren sollte, dass Maria anders als ohne Erbsünde empfangen worden ist. Desgleichen ordnete er an, dass niemand an einem Marien- oder am St. Annentag sollte gerichtet werden.

 

Schließlich starb er nach Empfang der heiligen Sterbesakramente eines gottseligen Todes. Er erkannte zuvor noch klar die Eitelkeit der Welt, die Vergänglichkeit aller irdischen Freuden, die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens und die Nichtigkeit aller weltlichen Ehren und Würden. „O dass ich elender Mensch erst so spät erkenne den Betrug dieser schnöden Welt,“ rief er in seiner Todesstunde aus, „gewiss hätte ich mein Leben frömmer hingebracht, wenn ich kein König, sondern ein armer Bauersmann gewesen wäre. O Erschaffer aller Dinge, o allmächtiger Gott, allergnädigster Erlöser verschone mich, deinen unwürdigen Diener, und erbarme dich meiner! O gütigster Jesus, wende ab dein Angesicht von meinen Sünden, nicht wegen meines Verdienstes, das nichts ist, sondern um deiner Barmherzigkeit willen.“

 

Als er dergleichen Worte geredet und vielmal das Kruzifix geküsst hatte, gab er seinen Geist auf.

 

Gleichen Namen und dieselbe Verehrung für Maria trug der zehnte König von Portugal, Johann I. Die Königin Eleonora, die ihn hasste und seinen Bruder Ferdinand liebte, den sie ehelichte, hielt Johann gefangen und hätte ihn dort umkommen lassen, wenn nicht die Hand des Herrn dies zu verhindern gewusst hätte. Sie berief einen anderen Fürsten auf den Thron und dieser fiel zugleich in das Land des unglücklichen Prinzen ein, der nur mit arger Not dem Gefängnis entrinnen konnte. In Eile sammelte der Angegriffene ein Heer um sich, suchte aber zuallererst bei Gott Hilfe und Heil. Als es zur Schlacht kam, ließ er seine Truppen zuvor beichten und kommunizieren, ließ die Heilige Messe auf freiem Feld feiern und griff seinen Gegner am Vorabend von Maria Himmelfahrt an – es war im Jahr 1386 und in weniger als einer Stunde errang er den herrlichsten Sieg über den Thronräuber. Zweitausend Feinde blieben auf dem Platz, die übrigen suchten ihre Rettung durch die Flucht, indes von Johannes Truppen nur fünfzig Mann im Kampf fielen. Noch am nämlichen Tag gelangte die Nachricht von diesem Sieg nach Lissabon. Der König ordnete eine feierliche Prozession an, nahm selbst samt dem ganzen Klerus und Adel daran teil, ließ vier eroberte Fahnen vor sich hertragen und opferte selbst seiner mächtigen Beschützerin in einer der Kirchen, die er hatte erbauen lassen. Und um seine Dankbarkeit noch deutlicher an den Tag zu legen, erbaute Johann in der Ebene, auf der die Schlacht stattgefunden hatte, einen herrlichen Marientempel und nannte ihn: Unsere Liebe Frau von der Schlacht, fügte auch ein Kloster an, besetzte es mit Mönchen aus dem Orden des heiligen Dominikus und stattete es reichlich mit Einkünften aus.

 

An der Meerenge von Gibraltar hatten damals die Mauren aus Afrika den festen Platz Ceuta inne und beruhigten von hier aus das Königreich Portugal. Um diesem Übel zu steuern, griff Johann noch mal zum Schwert, sammelte ein zahlreiches Heer, zog mit sämtlichem Adel und seinen drei Söhnen gegen die Ungläubigen aus – es war wieder der Vorabend von Maria Himmelfahrt – und langte in weniger als sechs Tagen in Ceuta an. Mehr als zweitausend Mauren fielen, die anderen wurden zu Gefangenen gemacht oder in die Flucht geschlagen. Der König hingegen verlor nur acht von den Seinigen. Die Festung wurde erobert, der König ließ die Moschee der Sarazenen säubern und am folgenden Sonntag weihte man sie zu Ehren der Gottesmutter ein.

 

Die heilige Jungfrau, die den König mit tausend Gnaden überhäuft hatte, krönte ihr Werk, indem sie ihm einen sanften, seligen Tod verlieh. Und in der Tat hatte er diese Gunst verdient, denn alle Tage betete er mit tiefer Andacht ihre Tagzeiten, erbaute ihr zu Ehren mehrere herrliche Kirchen, wallfahrtete häufig zu ihren Bildnissen zu Fuß und ohne alles Gepränge, und opferte ihr einmal so viel Silber, als sein Leib schwer war.

 

Nachdem er noch in manch anderer Weise seine Liebe und Verehrung zu Maria kundgegeben und sich auch bestrebt hatte, ihre Tugenden in allen Stücken nachzuahmen, und der Tag seines Hinscheidens gekommen war, erfuhr er auch in letzter Stunde noch die Hilfe seiner mächtigen Beschützerin. Reich an guten Werken und Verdiensten ward ihm die Krone des ewigen Lebens.