Der gottselige Johann Kaspar Kratz, Märtyrer aus der Gesellschaft Jesu, + 12.1.1737 - Fest: 12. Januar

       

Golzheim, ein Dorf bei Düren im Rheinland, war der Geburtsort des Pater Johann Kaspar Kratz. Am 14. September 1698 erhielt er in der Dorfkirche die Taufe. Die Eltern hatten durch unglückliche Ereignisse ihr Vermögen verloren. Als nun noch der Vater früh starb, lebte die Mutter mit ihren Kindern in sehr beschränkten Verhältnissen. Deshalb musste Johann als der älteste Sohn bei den ländlichen Arbeiten mithelfen. Doch hoffte die Mutter immer, den talentvollen Jungen einst als Priester am Altar zu sehen. Als er fünfzehn Jahre alt war, gab sie ihm die Erlaubnis, im Jesuitenkolleg zu Düsseldorf seine Studien zu machen. Dort fand er nicht bloß Aufnahme, sondern sein Lehrer Pater Vrechen, der den unschuldigen, fleißigen Jungen bald liebgewann, erwarb ihm auch eine Freistelle. Nachdem Johannes den sechsjährigen Gymnasialkursus mit Auszeichnung vollendet hatte, ging er nach Münster in Westfalen, um dort Philosophie zu studieren. Aber seine Hoffnung, eine Stelle als Hauslehrer zu finden und so den nötigen Unterhalt zu verdienen, ging fehl. Deshalb kehrte er nach Düsseldorf zurück. Ein Franziskanerpater nahm sich seiner an und gab ihm Privatstunden in der Philosophie. Doch bald regte sich in ihm eine unwiderstehliche Wanderlust. Oder war es die Vorsehung, die sich der Neigung des jungen Mannes bediente und ihm nach manchen Irrfahrten bis nach Tonkin führte, damit er sich dort die Märtyrerpalme pflücke? Im Jahr 1721 nahm ein vornehmer Herr ihn als Begleiter mit nach Rom. Hier wurde er bedenklich krank. Doch er genas wieder. Unterstützt von seinem Gönner reiste Kratz nach Madrid, Lissabon und Paris. Überall blieb er wenigstens ein Jahr und lernte mit großem Eifer die Landessprachen.

 

In Paris bekam er eine solche Sehnsucht nach seiner Mutter, dass er den Wanderstab ergriff und nach der Heimat zurückkehrte. Wie freute sich die gute Frau, ihren Johannes wiederzusehen. Jetzt, hoffte sie, würde er sich auf die Priesterweihe vorbereiten. Wohl war er ernster geworden, aber die Wanderlust trieb ihn wieder hinaus. Er begab sich über Köln nach Amsterdam, um sich als Soldat für Batavia in Indien anwerben zu lassen. Als sprachkundiger Mann von 29 Jahren erhielt er die Stelle eines Offiziers im ostindischen Heer. Im Juni 1727 wurden die Anker gelichtet. Nach siebenmonatiger Fahrt langte er in Batavia an. Aber bald schrieb er seiner Mutter: „Es reut mich, diese Ufer betreten zu haben, wo man den Pflichten der Religion nicht genügen kann.“ Die katholische Religion war dort streng verboten. Die kalvinischen Holländer ließen alles zu: Lutheraner, Wiedertäufer, Juden und Mohammedaner, nur keinen katholischen Priester. Auch keine katholische Kirche. Deshalb sammelte der brave Offizier die wenigen Katholiken in seiner Wohnung und betete mit ihnen den Rosenkranz. Eines Tages hörte er, im Hafen liege ein Schiff, auf dem ein Priester der Gesellschaft Jesu sich befände. Sofort eilte er hin, um die heiligen Sakramente zu empfangen. Auch führte er die anderen Katholiken zum Missionar. Doch nach 14 Tagen segelte das Schiff wieder ab. Da Kratz auch als Offizier frei seinen Glauben bekannte, musste er bei seinen Kameraden vielen Spott hören. Er weile, schrieb er an Pater Vrechen, in einem Abgrund von Bosheit. Deshalb nahm er nach drei Jahren seinen Abschied und schloss sich einem katholischen Kaufmann an, mit dem er nach Makao in China fuhr. Hier vernahm er den Ruf der Gnade. Durch die Empfehlung des Paters, der ihn in Batavia hatte kennen und schätzen gelernt, erhielt er die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. Er stand im Alter von 32 Jahren. Nach Vollendung der Studien wurde er zum Priester geweiht und brachte am Tag vor Weihnachten 1734 zum ersten Mal das unblutige Opfer dar. Er ahnte wohl nicht, dass er drei Jahre später sein Blut für den Heiland opfern würde. Wegen seiner allseitigen Sprachkenntnisse hätten die Obern ihn gern in Makao gehalten; aber auf seinen inständigen Wunsch wurde er im März 1735 mit drei anderen Patres nach Tonkin geschickt, um in diesem heidnischen Land das Evangelium zu predigen. Kaum waren sie gelandet, als Häscher sie ergriffen und ins Gefängnis von Nau-chao schleppten. Von April bis September hielt man sie fest und brachte sie dann nach Makao zurück. Bleich und abgezehrt kamen sie am 24. Dezember bei ihren Mitbrüdern an. Schon im März des folgenden Jahres wagten sie von neuem die Fahrt. Doch sie wurden ergriffen und zur Hauptstadt gebracht. Die Häscher, fürchtend, die Christen möchten die Priester erkennen und befreien, deckten ihnen einen Kasten über den Kopf, so dass nur die Füße sichtbar blieben. Die Qual war entsetzlich. Im königlichen Palast wollte man sie zwingen, das Kreuz mit Füßen zu treten; aber sie küssten es ehrfurchtsvoll. Darauf legte man ihnen den gemeinschaftlichen Kang um den Hals. Dieser bestand aus zwei zusammengefügten Brettern, aus deren Löchern die Köpfe hervorragten. Neun Monate schmachteten die Bekenner, mit dem Kang beladen, in einem Gefängnis, das der Volksmund wegen seiner ausgesuchten Qualen die Hölle nannte. Und doch priesen sie Gott ob dieser Leiden. Da teilte ein Katechist ihnen mit, dass sie am 12. Januar sterben würden. Voll Freude über das Märtyrium, das ihm winkte, schrieb Pater Kratz an Pater Sibin: „O glücklicher Tag, o selige Stunde, von so vielen Heiligen ersehnt, und von so vielen, die besser waren als ich, nicht gefunden! Mit dem innigsten Frohlocken erwarten wir den Heldenkampf und wünschen aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein.“ Am Morgen des 12. Januar 1737 wurden die Gefangenen zum Richtplatz geführt. Der heidnische Pöbel überhäufte sie mit Schimpfworten, während die Soldaten sie mit Faustschlägen vorantrieben. Auf dem Richtplatz waren die Augen der Menge besonders auf Pater Kratz gerichtet; denn auf seinem Antlitz strahlte eine himmlische Seligkeit. Auf das Zeichen schwangen die Henker das Schwert, und vier Märtyrerhäupter rollten in den Staub. Die heiligen Gebeine wurden später in der Jesuitenkirche zu Makao beigesetzt.

 

Pater Kratz stand im 39. Lebensjahr und im siebenten seines Ordenslebens. Er liefert ein herrliches Beispiel, dass ein junger Mann auch in den größten Gefahren der Welt seinen Glauben und seine Herzensreinheit bewahren kann. Möchten doch alle jungen Leute seinem Beispiel folgen und sich so wie er an Gott anklammern, wenn ihnen sittliche Gefahren drohen!

 

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 Der gottselige Hanskasper (Johann Kaspar) Kratz, Jesuit, Missionar, Märtyrer,

+ 12.1.1737 – Gedenktag: 12. Januar

 

 

Hanskasper Kratz war lustig und trübselig, ulkig und ernst, wendig und windig, bescheiden und prahlerisch, nachlässig und tatkräftig. So war der Hanskasper Kratz, und wer nach dieser Beschreibung bei ihm auf einen Rheinländer tippt, der hat recht geraten. Aus dem Namen Hanskasper, was eigentlich Johann Kaspar heißen soll, kann man ferner schließen, dass der Namensträger nicht weit vom Kölner Dom geboren sein muss, denn in diesem herrlichsten Gotteshaus am Rhein haben die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar die letzte Ruhestätte gefunden.

 

Zu Golzheim bei Düren stand Hanskaspers Wiege, auf einem Bauernhof, der einmal ein großes Gut war, mit der Zeit aber kleiner und kleiner wurde, so dass schließlich nur wenig Land übrigblieb, das nach dem frühen Tod des Vaters eine herzliebe Mutter mit viel Mühe und immerwährender Sorge für den Unterhalt der Familie bewirtschaftete.

 

Fünfjährig musste Hanskasper bereits das Vieh hüten. Eigentlich aber war es Karo, der Hund, der das Viehhüten besorgte, denn der Hütejunge selbst schnitzte sich im Frühling Weidenflöten, und im Herbst briet er Kartoffeln im offenen Feldfeuer. Mit acht Jahren musste Hanskasper der Mutter auf dem Acker helfen, und weil er nicht sehr sorgfältig schaffte, kam er auch schnell mit der Arbeit weiter. Vor den Alterskameraden protzte er dann mit dem, was er alles könne. Überhaupt würden sie später noch Augen machen, wenn sie erführen, was Großes aus ihm werde.

 

Der Mutter lag der Junge ständig in den Ohren mit der Bitte, sie solle ihn studieren lassen, denn er wolle Priester werden, und halbwegs war es ihm sogar ernst mit diesem Wunsch. Kurz und gut, eines Tages saß Hanskasper in der Lateinschule zu Düsseldorf. Weil er aber der Meinung war, dass das Lernen im Vergleich zu der bisherigen harten Bauernarbeit nur Spielerei sei, betrieb er denn auch das neue Gewerbe spielerisch und fiel bei der Prüfung am Ende des ersten Schuljahres durch, so dass er die Klasse zweimal machen musste. Diese an sich betrübliche Tatsache wirkte sich indessen sehr segensreich aus, denn Hanskasper entschloss sich daraufhin, mit seiner Sache ernst zu machen, und wurde ein prächtiger Student.

 

Da kam ein reicher Herr zu Hanskasper und fragte an, ob er wohl sein Reisebegleiter werden wolle. Natürlich sagte der Gefragte mit Freuden zu, und in den folgenden sechs Jahren wanderte der rheinische junge Mann mit offenen Augen und Ohren durch die weite schöne Gotteswelt, nach Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Schnell lernte er auch die Sprachen, die in diesen Ländern gesprochen wurden. Es war ein schönes Leben, das Hanskasper damals führte. Aber dann kam wie über jeden Kölner, der in der fremde weilt, auch über ihn mit Macht das Heimweh, und heimgekehrt war dem Weitgereisten die Heimat wieder zu eng.

 

Kaum hatte nämlich Hanskasper der Mutter und den Alterskameraden, die mit Ohren, Augen und Mund zuhörten, seine Reiseerlebnisse geschildert, da war er auch schon wie der Wind wieder fort. Der fahrtenfreudige junge Mann trat bei den Holländern, die ihn wegen seiner vielseitigen Sprachkenntnisse gern annahmen, als Offizier in Dienst, und bald fuhr er auf wackligem Schiff in siebenmonatiger gefahrvoller Reise genau dorthin, wo der Pfeffer wächst, nämlich nach Ostindien in die holländische Kolonie auf der Insel Java.

 

Das neue abenteuerliche Leben war ganz nach Hanskaspers Geschmack. Mit Lust versah er den Dienst, war wegen seiner rheinischen Aufgeräumtheit bei den Kameraden beliebt und stand bei den Vorgesetzten in Gunst. Nur das gefiel ihm nicht, dass es auf Java nicht einen einzigen katholischen Priester gab, denn die Holländer waren als strenge Kalvinisten den Katholiken spinnefeind und duldeten in den Kolonien weder katholische Priester noch katholischen Gottesdienst. Da endlich erwachte in Hanskasper Kratz der Katholik, der bisher in ihm geschlafen hatte, und er entwickelte sich allmählich zu einem Laienpriester, der die Katholiken auf der Insel um sich sammelte, mit ihnen betete und ihnen im Sterben auf katholische Weise beistand.

 

Bei dieser Tätigkeit regte sich in Hanskasper erneut der Wunsch nach dem Priestertum. Deshalb quittierte er den Dienst, ging nach China, trat dort in den Jesuitenorden ein, empfing die heilige Priesterweihe, feierte mit unsagbarer Freude das erste heilige Opfer, ging in die Mission und erlitt mit drei Gefährten am 12. Januar 1737 im Alter von knapp vierzig Jahren den Martertod um des katholischen Glaubens willen. Solch merkwürdige Wege führt Gott den Rheinländer Hanskasper Kratz bis zum glorreichen Martertod. Die Jesuiten in Macau erfuhren erst im August 1737 die Todesnachricht und leiteten sofort das Seligsprechungsverfahren ein, das bis heute nicht abgeschlossen ist.