Der heilige Hyacinthus, Kaiserlicher Kammer- und Tafeldiener, Märtyrer von Cäsarea, + 98–117 – Fest: 3. Juli

       

(Aus: „Kleine Ehehalten-Legend, oder Lebens-Beschreibung Heiliger Dienstbotten beyderley Geschlechts, welche in dem weltlichen Stand selig verschieden, und zu den ewigen Freuden berufen worden.“ P. Jacob Schmid, der Gesellschaft Jesu, Augsburg 1770)

 

Wohl ein treffliches, und kostbares Edelgestein ist der Hyacinth, als welcher mit seinem schimmerenden Glanz die Augen der Jubelierer bestrahlet, selben theuer genug einzuhandlen, nachmals nicht selten in die Königliche Kronen zuversetzen. Der dritte Tag des Heumonats entdecket uns ein weit herrlicheres, und kostbareres Edelgestein gleiches Namens, nemlichen den heiligen, und starkmüthigen Martyrer Hyacinthus, einen Kaiserlichen Kammer- und Tafeldiener, welcher nunmehro von Christo, dem Himmlischen Jubelierer, in seine Kron, die Er selbsten ist, wie die catholische Kirche von ihme Ihme singet, übersetzet, gar herrlich schimmeret, und glanzet.

 

Er ware von Geburt ein Cappadocier, in der so bekannten Stadt Cäsarea entsprossen; kame wegen seinen beliebten Eigenschaften an den Hof des Kaisers Trajani, bey deme er, als ein fleißiger Kammer- und zugleich Tafeldiener, stunde. Hyacinthus in Mitten des Hof-Lebens, bewaffnet mit dem Schild des Glaubens, und Forcht GOttes, hatte doch nichts an sich von der Gottloßigkeit seines heydnischen Herrns, und Kaisers, noch von denen andern Hof-Leuten, die sonst denen Sitten ihres Herrns nachahmen; aber eben aus solchem haben die blinde Heyden, denen als eitlen Nachtvöglen das schöne Licht des eingezogenen Wandels unseres heiligen Hyacinths ein Dorn in denen Augen ware, errathen, was der heilige Kammer-Diener wäre, und im Schild führe, nemlich, daß er sich zu Christo bekenne. Deßwegen wird er von denen Abgötterern bey dem Kaiser angeklagt, und seines Glaubens halber zu Red gestellt.

 

Sie zwangen ihne zwar mit grosser Ungestümme, denen Götzen zu opfern, und die diesen Teufelsbildern geopferte Speisen zu verkosten. Hyacinthus hingegen weigerte solches mit gleichem standhaften Gemüth, und bekannte nur desto unerschrockner Christum, daß Er allein der wahre Gott, und Beherrscher aller Ding seye: dergleichen herzhaffte Wort entzündeten noch mehrers den Grimmen der abgöttischen Menschen, also daß sie den unschuldigen Martyrer gar unbarmherzig mit Schlägen zugericht, hiernächst in einen Kerker gesperrt: worbey der Kaiser dem Kerkermeister einen gemessenen Befelch gegeben, daß er dem gefangenen Hyacintho keine andere Speis reichen sollte, als jene, welche von dem Opfer des Götzen Altars wäre hergehollet worden. Allein Hyacinthus kehrete sich wenig daran, erwählte lieber des Hungers zu sterben, als von solchem Greul das wenigste zu berühren. Die Hungersplag daurete vierzig ganzer Täg, ohne daß der herzhafte Bekenner Christi von seinem Vorhaben sich abhalten liesse, bis endlich der Leib, aus Abgang der nothwendigen Nahrung, zu Anfang des zweyten Jahr-Hunderts die Seel durch Glorwürdigen zeitlichen Todt zur Himmlischen Mahlzeit abgeschicket, allwo sie ewiglich mit andern Außerwählten ersättiget wird.