Die heilige Hadeloga (Adela), Äbtissin von Kitzingen, Unterfranken, OSB, + 2.2.750 – Fest: 2. Februar

       

Hadeloga war eine Tochter Karl Martels und dessen Gemahlin Kunehild. Sie wurde auf dem Schloss Schwanberg, eine Meile von Kissingen entfernt, auferzogen. Ausgezeichnet an geistigen Anlagen war die Fürstentochter auch von bewunderungswürdiger Schönheit. Ihre Liebe und Freundlichkeit machte sie allen Menschen beliebt. Allein sie suchte nicht den Menschen, sondern vor allem ihrem Herrn und Gott zu gefallen und für ihn allein zu leben. Als man für die Söhne der Könige und Herzoge um ihre Hand warb, und ihr Vater selbst ihre Verehelichung wünschte, fand man sie schon ihrem himmlischen Bräutigam, Jesus Christus, verlobt. Auch die seligste Jungfrau Maria, in deren Fußstapfen zu treten sie stets bemüht war, rief sie täglich um ihren Schutz an. „Heilige Maria, Mutter Gottes, Jungfrau der Jungfrauen, Mutter und Königin keuscher Seelen, bewahre mich in meiner Jungfräulichkeit, die ich dir gelobt habe. Sei meine Beschützerin, dass ich nicht dieser Welt mich hingebe und geschieden werde von deinen Jungfrauen, die das Verderben der Welt verlassen und dir nachfolgen und der innigsten, seligsten Vereinigung mit Christus, dem ewigen Bräutigam, gewürdigt werden.“

 

Durch solche glühende Andacht und so inniges Gebet erwarb die edle Jungfrau den besonderen Beistand des göttlichen Geistes, der sie als eine würdige Braut des Herrn schützte, vor aller Befleckung bewahrte und sie zu seinem heiligen Tempel einweihte.

 

Über diesen Entschluss seiner Tochter war Karl Martel sehr erzürnt. Allein so oft er das holde, himmlische Antlitz seiner Tochter sah, legte sich seine Wut, wenn er auch sich vorgenommen hatte, sie für ihren Ungehorsam gegen seinen Willen zu bestrafen. Indessen glimmte des Vaters Zorn heimlich fortwährend, und böswillige Hofleute unterließen nicht, ihn immer mehr zu reizen. Die gottselige Jungfrau ertrug alle Unbilden, die ihr angetan wurden, mit himmlischer Geduld und betete zu Gott, dass er den Sinn des Vaters ändern wolle.

 

Allein der Vater wurde immer mehr aufgehetzt. Selbst der Kaplan, der die geistige Führung der gottgeweihten Jungfrau übernommen hatte, musste seinen Zorn fühlen. Endlich kam es so weit, dass er die standhaft auf ihrem Vorsatz beharrende Tochter aus dem Haus verstieß und auch den Kaplan davonjagte. Der war sehr reich. Er fasste nun den Entschluss, mit seinem Geld Grundstücke aufzukaufen und ein Kloster zu gründen. In dieser Absicht kam er in die freundliche Maingegend. Hier fand er ein weithin verödetes Land mit reichlichen Waldungen. Diese Gegend bestimmte er zur Ausführung seines Vorhabens. Er erbaute ein Kloster für gottgeweihte Jungfrauen, die nach der Regel des heiligen Benedikt zu leben entschlossen waren, und errichtete zugleich für sich und einige Brüder ein Gebäude, in dem sie Gott dienten in Gebet und Psalmengesang. Dies ist der Anfang des später so berühmten Klosters Kitzingen am Main, in der Würzburger Diözese. Die gottselige Hadeloga trat in dieses Kloster ein und wurde als erste Äbtissin ein Vorbild für eine Schar heiliger Jungfrauen, die zugleich mit ihr und dann viele Jahrhunderte nachher daselbst dem Herrn dienten.

 

Sie war unermüdlich im Gebet, brachte ganze Nächte betend zu und lebte samt ihren Untergebenen ganz der Betrachtung der ewigen Wahrheiten. Die Fasten hielt sie mit außerordentlicher Strenge, und wo sie immer einer Schwester einen Dienst erweisen konnte, tat sie es mit Freuden. Die niedrigsten Arbeiten verrichtete sie, als wäre sie die letzte Magd. Die inneren Versuchungen ihrer Untergebenen waren ihr durch den Geist geoffenbart, und oft war es ein einziges Wort, womit sie eine Schwester in ihrer Anfechtung ganz aufrichtete.

 

Die Heilige wird als eine liebevolle Mutter der Armen gerühmt. Mit innigstem Mitleiden fühlte sie die Not der Leidenden, und mit Freuden entbehrte sie selbst des Notwendigen, um anderen helfen zu können. Oft half sie in wunderbarer Weise, denn der Herr hatte sie nicht bloß mit dem Blick ins Innere des Menschen, sondern auch mit der Wundergabe begnadet.

 

So wurde das neue Kloster unter der weisen Leitung seiner heiligen Stifterin, eben so im Zeitlichen wie im Geistlichen geordnet und gesichert, und die Heilige konnte getrost ihr Ende herannahen sehen. Dieses wurde ihr in besonderer Gnade geoffenbart. Im Hinblick auf ihr mühevolles Leben voll Entsagung und Leiden, und auf das nahe Ende, rief sie zum Herrn: „Aus Liebe zu dir, Herr Jesus Christus, habe ich jede irdische Liebe und Vermählung verschmäht, den unerträglichen Hass meines Vaters auf mich geladen und viel Mühseligkeit und Elend erduldet; habe nun Erbarmen mit mir und verleihe gnädig, dass ich noch vor dem Tag meines Hinscheidens durch aufrichtige Beicht und innere Liebesreue vollkommen gereinigt werden möge. Gib gnädig, dass ich bei meinem Hinscheiden aus dieser Welt der Aufnahme in den seligen Chor deiner heiligen Jungfrauen gewürdigt werden.“

 

Endlich am Lichtmesstag, der auf einen Sonntag fiel, war ihr Sterbetag angebrochen. Sie ließ noch alle ihre Schwestern zu sich kommen und sprach zu ihnen: „Seht, ich gehe nun zu Christus, meine teuersten Schwestern. Seht zu, dass der Satan keines von den Schäflein raube, die ich mit der Hilfe des Herrn in Schweiß und Mühseligkeit an diesem Ort dem Herrn gewonnen und vereinigt habe. Wacht mit aller Sorgfalt, dass dieser geheiligte Ort ja nicht durch Teufels Trug oder durch fleischliche Befleckungen entweiht werde. Vergesst nicht, wie ich vor euch gelebt und mit dem Beispiel euch vorangegangen bin, damit auch ihr mit der Gnade Jesu Christi auf denselben Wegen verharrt.“

 

Hierauf legte sie nochmal ihre Beicht ab, empfing den Leib des Herrn und empfahl ihre Schwestern Christus, dem guten Hirten, mit den Worten: „Herr Jesus Christus, bester Hirt über alle Hirten, behüte diese Schwestern, die du mit deinem kostbaren Blut erlöst hast. Verhüte gnädig, dass ja keine vom Satan angefallen und zerrissen werde. Aber auch meine Seele empfehle ich in die Hände deiner erbarmungsvollen Liebe, wie du deine Seele am Kreuz in die Hände deines Vaters empfohlen hast.“ Also redend gab sie ihren Geist auf.

 

Der Leib der gottgeheiligten Jungfrau wurde einbalsamiert und in der Kirche des Klosters vor dem Altar der seligsten Jungfrau Maria zur Erde bestattet. Die Trauer der Schwestern, der Mönche und der Armen war allgemein.

 

Als die Zeit ihres Todes werden die Jahre 750 bis 770 angegeben.