Der heilige Gorgonius, kaiserlicher Beamter und Martyrer von Nikomedia, + 9.9.303 - Fest: 9. September

       

Mitten im Sachsenland, nicht weit von der sogenannten Westfälischen Pforte, in einem der schönsten Landstriche Deutschlands, steht in der ehemaligen Bischofsstadt Minden ein Dom, dem unter allen deutschen Hallenkirchen aus dem Mittelalter die Krone gebührt. Zu den kostbarsten Schätzen des herrlichen Gotteshauses gehören Reliquien des heiligen Gorgonius, dessen Gedächtnis wir heute begehen und von dem es im Kirchengebet heißt, dass seine Feier uns froh machen möge.

 

Wer war der heilige Gorgonius?

 

Über siebzehn Jahrhunderte weit müssen wir in die Vergangenheit zurückwandern, bis wir auf Gorgonius stoßen, der am Hof des römischen Kaisers Diokletian eine einflussreiche Stelle innehatte. Wir müssen uns Gorgonius demgemäß vorstellen als einen hohen Herrn, der in Samt und Seide gekleidet ging, dessen Wort bei manchen Staatsgeschäften schwer in die Waagschale fiel und vor dem sich viele Rücken tief beugten. Gorgonius war ein Mann von Welt und heimlicherweise ein Christ edelster Art.

 

Warum Gorgonius den christlichen Glauben nicht öffentlich zeigte, ist unbekannt. Dass nicht Feigheit der Grund war, ergibt sich klar aus dem, was nachher noch von ihm erzählt wird. Obwohl also Gorgonius nicht öffentlich als Christ auftrat, fühlten doch alle aus seinen Worten und Werken heraus, dass er ein solcher sein müsse, denn so fein und vornehm und hochherzig und sittenrein, wie er sich gab, konnte nur ein Christ sein.

 

Bald machte des edlen Mannes Beispiel Schule. Einer nach dem anderen der hohen Hofbeamten aus seiner Umgebung bekehrte sich. Sogar des Kaisers Gattin Priska und seine Tochter Valeria standen damals dem Christentum sehr nahe, und alle diese Erfolge erzielte Gorgonius einzig durch das gute Beispiel, das er gab. Das gute Beispiel ist eine große Macht. Mit Recht sagt Eckehart, ein berühmter Mann im Mittelalter: „Ein Lebemeister ist besser als tausend Lesemeister.“ Das will sagen, dass derjenige, der durch das Beispiel zeigt, wie man ein gutes Leben führt, weit mehr tut als eine Menge Menschen, die anderen nur das Lesen beibringen.

 

Doch wie geht die Legende vom heiligen Gorgonius weiter? Das ist schnell gesagt. Kaiser Diokletian, der lange den Christen freundlich gesinnt war, wurde später ihr ärgster Feind. Da ist mancher Held in großartiger Treue zu Christus aus freien Stücken über die Klinge gesprungen. Auch bei Gorgonius war es so, denn als er eines Tages in der Gegenwart des Kaisers Zeuge sein musste, wie ein Glaubensbruder grausam gemartert wurde, sprang er vor und bekannte rank und frank den Glauben an Christus.

 

Ein Leisetreter war also Gorgonius auf keinen Fall.

 

Nein, kein Leisetreter, aber ein Held war er, denn als er auf das tapfere Bekenntnis hin so brutal gegeißelt wurde, dass ihm die Haut buchstäblich in Fetzen vom Leib hing, und als man dann die schrecklichsten Wunden mit Salz und Essig übergoss, da hielt er die Marter mannhaft und standhaft aus, bis ihn schließlich der Tod von den Leiden erlöste und in die ewigen Freuden des Himmels geleitete.