Die heilige Gertrud, Äbtissin von Helfta, + 17.11.1302 - Fest: 17. November

       

Unter dem Namen Gertrud verehrt die Kirche mehrere Heilige. Am 17. März feiert sie das Andenken an die heilige Gertrud, die Tochter Pipins von Landen und Ittas, die dem Kloster Nivell in Braband als Äbtissin vorstand und am 17. März 659 im jugendlichen Alter von 33 Jahren starb. Eine andere heilige Gertrud war die Tochter der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen. Sie starb als Äbtissin des Prämonstratenserinnen-Ordens zu Altenburg am 13. August im Jahr 1297. Von den beiden genannten ist verschieden die heilige Gertrud, geboren zu Eisleben in der Grafschaft Mansfeld aus dem gräflichen Geschlecht von Hackeborn, die leibliche Schwester der heiligen Mechthilde. Ihre frommen Eltern schickten die kaum fünfjährige Tochter in das Benediktinerinnenkloster Rodalsdorf, wo sie, wie an Alter, so an Weisheit und Gnade zunahm. Die höchst talentvolle Gertrud erwarb sich einen so großen Reichtum an Kenntnissen und Wissenschaften, besonders im Verständnis der Heiligen Schrift, dass die gelehrtesten Männer sie um Aufschluss baten und ihre hohe Einsicht bewunderten. Am liebsten unterhielt sie sich im Zwiegespräch mit Jesus im heiligsten Altarsakrament und seiner lieben Mutter Maria, und von ihnen sprach sie so begeistert, dass die Glut ihres Herzens alle Zuhörer erwärmte.

 

An Gertrud bewährte sich das Wort des Herrn: „Gott widersteht den Hoffärtigen, nur den Demütigen gibt er seine Gnade.“ Sie hielt sich selbst so gering, dass sie zu sagen pflegte: „Ich halte es für ein besonderes Wunder, dass die Erde mich, die unwürdigste Sünderin noch trägt.“ Wegen dieser Tugend der Demut würdigte sie Gott vieler Verzückungen und Offenbarungen und mahnte sie, sie aufzuschreiben. Diese göttlichen Mitteilungen sind noch heute eine Fundgrube himmlischer Weisheit und ein Sporn christlicher Tugenden. Je mehr Gott seine auserwählte Tochter auszeichnete, desto mehr übte sie sich in Fasten, Nachtwachen und strengen Bußübungen.

 

Wegen ihrer Demut, ihrer pünktlichen Beobachtung der Ordensregeln hatten sie alle Ordensschwestern sehr lieb und wählten sie, obgleich sie kaum 30 Jahre zählte, zur Äbtissin. Bald darauf zog sie mit ihren Schwestern nach dem Kloster Helfeda (Helfta), wo sie bis zu ihrem Tod blieb. Trotz ihrer Würde betrachtete sie sich als die Magd aller. Deshalb gewann sie auch die Herzen aller Mitarbeiterinnen, die unter einer solchen Leitung unermüdlich nach Vollkommenheit strebten. Aber nicht nur innerhalb ihrer Klostermauern, sondern auch in weiteren Kreisen verbreitete ihre Güte vielen Segen. Alle Bedrängte nahmen in leiblicher und geistiger Not ihre Zuflucht zu der guten Äbtissin, und keiner verließ sie ohne Trost und Hilfe. Als einst die Bauern im Frühling wegen des andauernden Winterfrostes ihren Acker nicht bestellen konnten und eine Missernte befürchteten, ersuchten sie Gertrud um ihre Fürbitte bei Gott. Sie betete bei ihrem himmlischen Bräutigam um Erbarmen, und sogleich trat das heiterste Wetter ein. Als die Leute einst des langwierigen Regens wegen ihre Ernte nicht einbringen konnten, nahmen sie wieder ihre Zuflucht zu Gertrud. Auf ihr Gebet heiterte sich sogleich der Himmel auf, so dass die Ernte glücklich vollendet wurde.

 

So sehr Gertrud durch ihre Amtsgeschäfte und durch die Ansprüche vieler Menschen belästigt wurde, so betrachtete sie doch als wichtigstes Geschäft den innigen Verkehr mit Jesus und seiner heiligen Mutter. Dafür erfreute sie der liebe Heiland mit der Gabe der himmlischen Anschauung und vieler Offenbarungen. Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion ihre Unwürdigkeit, setzte aber ihr Vertrauen auf Gottes Güte und sprach: „Was hilft ein längerer Aufschub? Wenn mir auch tausend Jahre zur Vorbereitung vergönnt wären, ich vermöchte mich doch nicht würdig vorzubereiten, weil ich aus mir selbst gar nichts habe, was eine so würdige Vorbereitung bewirken könnte. Mit Demut und Vertrauen will ich ihm daher entgegen gehen, und wenn mich der Herr sieht, wird er wohl durch seine Liebe bewogen, mir das entgegenzusenden, wodurch ich würdig vorbereitet erscheinen möge.“ Mit dieser Betrachtung ihrer Armseligkeit schritt sie zaghaft dem Altar zu. Da erschien ihr der Heiland, sah sie mit den Augen seiner erbarmenden Liebe an und sandte ihr entgegen seine Unschuld, mit der er sie wie mit einem schneeweißen Gewand bekleidete, seine Demut, womit er sich herablässt zu den Unwürdigsten, sein Verlangen, womit er nach der Umarmung der Menschenseele begehrt, ferner seine Liebe, mit der er sich zu den Seelen herablässt, endlich sein Vertrauen, das es eine Wonne nennt, bei den Menschenkindern zu sein. – Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion, mit welchem Fleiß man den Mund bewahren müsse, der unter allen Gliedern des Leibes gewürdigt ist, das kostbarste Geheimnis Christi zu empfangen. Sie wurde durch folgendes Gleichnis belehrt: „Wenn jemand seinen Mund nicht von eitlen, falschen, hässlichen Worten und Nachreden bewahrt und also unbußfertig zum Tisch des Herrn geht, der nimmt Jesus ebenso auf, wie einer, der seinen Gast beim Eintritt in sein Haus mit Steinen bewirft.“ „Wer dies liest“, sagt hier die Heilige, „der betrachte mit Seufzen, wie wenig eine so große Grausamkeit und eine so große Güte zusammen passen, und wie abscheulich es ist, dass derjenige, der voll Sanftmut zum Menschen kommt, um sein Heil zu wirken, so grausam von dem, den er selig machen will, verfolgt werde. Und so kann man auch von allen Sündern urteilen.“

 

Mit ihrer Liebe zu Jesus im allerheiligsten Altarsakrament hielt ihre Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria gleichen Schritt. Am Fest Mariä Verkündigung sah Gertrud in der Verzückung, wie Jesus sich zu seiner Mutter neigte und in ihr jene Wonne erneuerte, wie sie sie bei seiner Menschwerdung erfuhr. Dabei hielt sie eine kostbare Belehrung über die fromme Meinung, in der man das Ave Maria beten soll. Bei den Worten: „Gegrüßet seist du, Maria“ soll man zu Gott bitten um Trost für alle Bedrängten, bei den Worten: „Voll der Gnade“ um das Verlangen nach Gnade für diejenigen, die sie dringendst bedürfen, bei den Worten: „Der Herr ist mit dir“ für alle Sünder um Bußfertigkeit und Liebesreue, bei den Worten: „Du bist gebenedeit unter den Frauen“ um die Gnade der Beharrlichkeit im angefangenen frommen Leben, bei den Worten: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ für alle Auserwählten um die Gnade der Vollkommenheit, zum Schluss dieses Gebetes soll man beifügen: „Jesus, du Abglanz der Herrlichkeit des Vaters und Ebenbild seiner Wesenheit.“

 

Die flammende Liebe zu Jesus ergriff das Herz der heiligen Gertrudis immer mächtiger, je näher sie dem Tag kam, der sie auf immer mit ihrem himmlischen Bräutigam vereinigen sollte. Bereits hatte sie vierzig Jahre lang das Kloster geleitet und ihrem Amt alle Ehre gemacht. Nachdem sie täglich in frommen Betrachtungen und Gebeten mit ihrem Herrn verkehrt hatte, wurde sie ihm auch in den Leiden ähnlich. Ihre letzte Krankheit war ein fortwährendes Hinschmachten in der Liebe Jesu. Obgleich ihre Zunge gelähmt, einer ihrer Füße fast erstorben war und heftige Schmerzen ihren ganzen Körper durchzuckten, so ließ sie sich doch noch täglich in die Kirche führen, um der Heiligen Messe beizuwohnen und die heiligen Sakramente zu empfangen. Das Feuer der Liebe zehrte alle ihre Kräfte auf. Während alle ihre geistlichen Töchter ihr Sterbebett umstanden und in Tränen zerflossen, erschien Jesus und Maria mit sehr vielen Engeln und Heiligen, himmlischer Wohlgeruch erfüllte die Zelle und unbeschreibliche Freude verklärte das Antlitz der Sterbenden. Ein Priester las ihr die Leidensgeschichte Jesu vor. Bei den Worten: „Er neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf“, führte ihr himmlischer Bräutigam ihre schöne Seele in das Paradies ewiger Wonne am 17. November 1302.

 

Die Offenbarungen der heiligen Gertrud sind von dem frommen Kartäusermönch Johann Lansperch herausgegeben worden und bieten noch heute der betrachtenden Seele himmlisches Manna. 

 

Aus der Zeitschrift "Leo" vom 4. Juni 1911:

 

Die Wunderblume von Helfta bei Eisleben

 

Der deutsche Katholik ist oft versucht, mit heiligem Neid auf den südlichen Garten Gottes zu blicken mit seinen zahlreichen Heiligen, die gleich der Sonne ihrer südlichen Heimat in glühender Gottesliebe brannten und in göttlicher Liebesglut sich verzehrten. Doch Gottes geheimnisvolle Gnadensonne bescheint auch den nördlichen Teil dieses himmlischen Gartens; auch im Norden "weht der Geist Gottes, wo er will", und lässt Blumen ersprossen, die an Schönheit und Duft den südlichen Genossinnen nicht nachstehen. Denken wir nur an eine heilige Elisabeth, an eine heilige Hedwig, Kunigunde, Hildegard, Mechthild, ganz besonders aber an die Wunderblume von Helfta: die heilige Gertrud die Große. Es ist nicht möglich, die Gnadenschätze aufzuzählen, die uns Gott durch die heilige Gertrud für unser geistig-religiöses Leben zufließen ließ. Nur auf eine Gnade soll hingewiesen werden: St. Gertrud ist die Prophetin des Kultus des heiligsten Herzens Jesu. Sie hat die unermessliche Liebe des göttlichen Herzens geschaut und gekostet, sie hat die Herrlichkeit des heiligsten Herzens gesehen und ist ihrer teilhaftig geworden, wie keine Seele vor ihr und wohl auch keine nach ihr, ausgenommen die selige Margareta Alacoque. Doch sei Gott besonderer Dank dafür gesagt, dass sie all das, was sie vom göttlichen Herzen empfangen, nicht für sich zurückbehalten hat, sondern in ihren Werken: "Gesandter der göttlichen Liebe" und "Geistliche Übungen" als kostbares Erbteil der Nachwelt überlieferte. Jahrhunderte sind dahingegangen, seitdem das göttliche Herz sich ihr enthüllte, seitdem ihr reines, nur für Christus lebendes und glühendes Herz ausgeschlagen. Die heilige Gertrud ist es, die uns die Erstlingsfrüchte der gnadenvollen Andacht zum göttlichen Herzen brachte. Für dieses Himmelsgeschenk können wir der heiligen Gertrud nie genug dankbar sein. Diesen Dank könnten wir aber in etwa dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir das Andenken unserer großen deutschen Heiligen in vielfältiger Weise fördern. Die unselige Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts, die gerade in Eisleben ihre Wiege hatte, hat das einstige, so herrlich blühende klösterliche Leben in vielen Teilen unseres deutschen Vaterlandes weggefegt. Nur noch Trümmer sind da zu sehen, wo ehemals Stätten tieffrommen Klosterlebens sich erhoben. Hunderte von Klöstern sind verschwunden und ihre Namen nennt uns nur noch die Geschichte. So sank auch das Kloster Helfta, in dem die hl. Gertrud und hl. Mechthild im Verein mit vielen frommen Klosterfrauen ein wahrhaft wunderbares, geheimnisvolles Leben in Christus führten, in Trümmer. Im Jahr 1342 wurde es größtenteils ein Raub der Flammen. Dasselbe Schicksal widerfuhr dem nach der Stadt Eisleben verlegten und "Neuhelfta" genannten Kloster im Bauernkrieg 1525. Von diesem Klosterbau bestehen noch bedeutende Reste, die durch den Mut und die Entschlossenheit des nun in Gott ruhenden katholischen Missionspfarrers Schulte in den Besitz der katholischen Gemeinde zu Eisleben gekommen sind.

 

Das ist aber auch alles, was diese arme Gemeinde besitzt. Auf diesem Boden, der wahrscheinlich die sterblichen Überreste der heiligen Gertrud birgt, soll nun eine neue, der hl. Gertrud geweihte Kirche erbaut werden (1911). De katholische Pfarrgemeinde ist arm, bitter arm. Es gehören zu ihr gegen 3000 arme Berg- und Landwirtschaftsarbeiter. Sie besitzt zur Zeit nur ein kleines baufälliges Kirchlein, das nur 108 Sitzplätze hat und kaum 400 Personen fasst. Eine Vergrößerung dieses Kirchleins ist unmöglich und schon durch seine ungeeignete Lage ausgeschlossen. Eine neue Kirche muss gebaut werden, sollen nicht Hunderte von Seelen verloren gehen. Hier muss geholfen werden, Gott will es!

 

Deshalb ergeht an alle deutschen Katholiken der Ruf: Helfer zu sein der armen katholischen Gemeinde Eisleben zum Bau ihrer Kirche. Helft mit, unserer großen heiligen Gertrud, der Ehrenkrone und Prachtblume Deutschlands, ein Denkmal setzen, das ihrer Größe würdig ist.

 

Auf, ihr treuen Verehrer des heiligsten Herzens Jesu aller Nationen! Zollt der Prophetin des göttlichen Herzens euren Dankestribut durch freudige, opferreiche Beiträge zum Bau einer Gertrudenkirche, auf dass der Herr baldigst eine würdige Wohnung habe in der Heimat derjenigen, deren Herz ihm stets ein lieblicher, lebendiger Tabernakel gewesen ist. 

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Aus der Homepage der "Lutherstadt Eisleben":

Die St.-Gertrud-Kirche

 

 

 

Die St.-Gertrud-Kirche
Die St.-Gertrud-Kirche

Diese neugotische Hallenkirche steht auf historischem Boden, denn hier befand sich von 1346 bis 1525 das Kloster „Neuen Helfta“. 1868 wurde das Gelände von der Katholischen Pfarrei Eisleben erworben, ein Jahr später kamen Benediktinerinnen von der „Ewigen Anbetung" aus Osnabrück, um die klösterliche Tradition wieder zu beleben.
1907 begannen Spendensammlungen für den Kirchenbau, weil die 1865 in der Nicolaistraße eingeweihte ältere St.-Gertrud-Kirche für die damals rund 2400 Katholiken in und um Eisleben zu klein geworden war. Am 13. Juni 1914 erfolgte der erste Spatenstich und am 15. November 1916, wurde die Kirche geweiht.


1928 wurde die Orgel eingeweiht, 1931 schenkten Katholiken aus Gelsenkirchen-Rothausen der Gemeinde drei neue Glocken, die auf die Namen Gertrud, Mechthild und Bruno getauft wurden. Eine kleinere vierte Glocke vervollständigt das Geläut seit 1952.
Der nach 1968 eingeweihte Kreuzweg im nördlichen Querschiff ist eine Arbeit des Köthener Künstlers Robert Propf (1910 – 1986). Er schuf auch die Marienstatute und den Taufstein. Die ebenfalls Ende der 60er Jahre gefertigten Chorfenster symbolisieren die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die Wunder Jesu und die Auferstehung. Sie entstanden nach Entwürfen von Christof Grüger/Schönebeck (geb.1926).

 

Die alte St.-Gertrud-Kirche
Die alte St.-Gertrud-Kirche

1991 begann eine aufwendige Sanierung. Der ursprünglich mit Schiefer gedeckte schlanke 63 Meter hohe Turm, der höchste in der Lutherstadt, erhielt einen Kupferhelm. Im Zuge der Renovierung erfolgte eine Neugestaltung des Chorraumes. Der alte Gertrudaltar wurde heraus genommen, er fand an der Wirkungsstätte der hl. Gertrud im Marienkloster in Helfta seinen Platz. In der Gertrudkirche wurde 1994 ein neuer Altar eingeweiht. Hinter diesem hängt frei im Raum ein von Werner Nickel (Niemburg) in Kupfer getriebenes Kreuz. Christus ist nicht in der Stunde des Todes dargestellt, sondern als Auferstandener, der sich zum Himmel erhebt. Schmerz, Trauer und Hoffnung sind in diesem Bild vereint.