Der heilige Gerhard (Gerardus) Sagredo von Venedig, Bischof und Märtyrer in Ungarn, + 24.9.1046 – Fest: 24. September

       

Der heilige Gerhardus, der nach dem Zeugnis des römischen Martyrologiums ein Apostel der Ungarn genannt zu werden verdient, wurde zu Anfang des 11. Jahrhunderts in Venedig aus einer adeligen Familie geboren und frühzeitig zum Dienst Gottes in einem Benediktinerkloster erzogen. Als er zu reiferem Alter gelangt war, erfasste ihn der damals allgemein herrschende Drang, eine Wallfahrt nach Jerusalem zum Grab des Erlösers zu tun. Den Heimweg schlug er aus besonderer Schickung Gottes über Ungarn ein. Bei dieser Gelegenheit lernte ihn der König Stephan I. kennen und fühlte sich von ihm so erbaut und angezogen, dass er ihn beredete, im Land zu bleiben und die begonnene Besiegung des Heidentums durchführen zu helfen. Gerhard willigte ein, aber am Hof verweilte er nicht, sondern baute sich um 1030 zu Beel im Bistum Veßprim eine Klause, die er mit seinem Gefährten Maurus sieben Jahre lang bewohnte. Mittlerweile hatte der König seine Feinde besiegt und den Frieden in Ungarn so weit hergestellt, um an seinem heiligen Werk fortarbeiten zu können. Nun zog er Gerhard aus der Einsamkeit hervor und trug ihm auf, seine Mission zu beginnen. Der Diener Gottes predigte die Lehre Jesu mit solcher Kraft und solchem Segen, dass zahlreiche Bekehrungen erfolgten. Darum erhob ihn Stephan nach einiger Zeit auf den bischöflichen Stuhl von Csanad. Unermüdlich und unter den größten Beschwerden setzte er sein apostolisches Wirken fort, ging gewöhnlich zu Fuß, den Leib stets in ein raues Bußkleid gehüllt, war klein mit den Kleinen, arm mit den Armen, unterrichtete Tag und Nacht, sorgte für die Kranken und Aussätzigen, die er sogar in seinem Bett liegen ließ, gründete Kirchen und Einsiedeleien und flehte unaufhörlich zu Gott um Erbarmen für sein Volk und zu Maria um ihre mächtige Fürbitte. So lange Stephan der Heilige lebte und mit aller Kraft die Bemühungen der Bischöfe unterstützte, machte das Christentum freudige Fortschritte in Ungarn. Aber nach dem Tod dieses trefflichen Fürsten kamen umso schlimmere Zeiten für die Kirche. Als nach mehrfachem Thronwechsel von der heidnischen Partei Andreas I. zum König erwählt worden war, unter der Bedingung, dass er die Abgötterei wieder herstelle, eilte Gerhard mit drei anderen gleichgesinnten Bischöfen nach Stuhlweißenburg, um dem neuen Herrscher ins Gewissen zu reden und ihn zu bewegen, sein sündhaftes Versprechen zu widerrufen und Buße zu tun. Auf dem Weg dahin prophezeite er seinen nahen Martertod, der auch nur allzu bald eintrat. Als er bei der Chiod über die Donau setzen wollte, stürmte der Herzog Batha, einer der grimmigsten Heiden, mit seinen Leuten heran. Gerhard wurde erst mit einem Steinhagel überschüttet, dann von einer Lanze durchbohrt. Er starb unter Gebeten für seine Mörder, und mit ihm fielen die Bischöfe Begterd und Buld. Den Bischof von Benetha rettete König Andreas, der zu dem Gemetzel kam und die blutdürstige Rotte vertrieb. Die Marter des heiligen Gerhard ereignete sich am heutigen Tag des Jahres 1046. Seine Reliquien erhielten nach mehrfachen Übertragungen zuletzt auf ihr inständiges Ersuchen die Venetianer, die sie in der Kirche Unserer Lieben Frau von Murano zur Verehrung ausstellten. 

 

 

Der heilige Gerhard zeichnete sich durch seinen Eifer in der Verehrung der heiligen Jungfrau aus, denn nachdem er eine Kirche hatte bauen lassen, die er dem heiligen Georg weihte, errichtete er darin einen Altar zu Ehren Mariens, ließ vor ihm ein Gefäß anbringen, in das wohlriechende Essenzen gegossen werden sollten. Auch beauftragte er zwei Männer, unaufhörlich Weihrauch dort zu verbrennen. Ferner zelebrierte er da jeden Samstag die feierliche Messe vom Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel. 

An den anderen Tagen pflegte er nach der Matutin und nach der Vesper in Prozession sich dahin zu begeben. Dieser Gebrauch erhielt sich sogar noch nach seinem Tod. Aus Liebe zu Maria legte er sich irgendeine Handlung der Demut auf. Wenn ein Strafbarer ganz sicher Gnade erlangen wollte, so genügte es, wenn er sie von Gerhard im Namen der heiligen Jungfrau erbat. Wenn dann Gerhard den Namen der Mutter der Barmherzigkeit aussprechen hörte, brach er in Tränen aus und bat den bereuenden Sünder um Verzeihung, als wenn er selbst der Schuldige gewesen wäre. Durch seine Bemühungen nahmen die Ungarn den Gebrauch an, Maria nicht mehr Mutter Christi, sondern ihre Herrin zu nennen, das Knie zu beugen und sich zu verneigen, bloß wenn sie sie nennen hörten. König Stephan war der wärmste Freund des heiligen Bischofs Gerhard. Nach seinem Tod hatte Gerhard viele Schwierigkeiten auszustehen, und starb schließlich des Martertodes am 24. September 1045.