Der heilige Franz Regis, Priester und Bekenner in Frankreich,+ 31.12.1640 - Fest: 31. Dezember

 

 

Wo immer der junge Jesuit Franz Regis, ein Franzose, als Volksmissionar auftrat, überall war er schnell beliebt. Er besaß eine eigene Art, mit den einfachen Leuten umzugehen. Wenn er auf der Kanzel stand und derb und deutlich predigte, wäre wohl niemand auf den Gedanken gekommen, einen fein und vornehm erzogenen Herrn vor sich zu haben. Nein, Franz Regis hatte die Lebensgewohnheiten des Adels, dem er entstammte, abgelegt und in allem, was er tat und sagte, die schlichte Art des kleinen Mannes angenommen.

 

Das sahen die Leute gern, und in Scharen stellten sie sich ein, wenn die Reihe der Predigt an Franz Regis war, obwohl er durchaus nicht am besten predigte. Die beiden anderen Volksmissionare, in deren Begleitung der Heilige auftrat, waren glänzende Redner, gelehrte Männer, die mit schwerem Geschütz viel Pulver verschossen und selten trafen. Die Leute verstanden sie nicht und schliefen daher bei der Predigt ein, und je lauter sie schrien, desto ruhiger schliefen die Zuhörer.

 

Wenn dagegen Franz Regis predigte, schlief keiner, denn was der sagte, war so einfach und schlicht, so klar und klug, dass jeder den Worten ohne Mühe folgen konnte. Dabei sprach er sehr lebendig, erzählte viele Geschichten, und mit der Nutzanwendung traf er ins Schwarze.

 

Es gab aber auch manche, die überhaupt nicht zu den Missionspredigten kamen, denn es war damals eine laue Zeit in Frankreich. Kaum einer ging sonntags in die heilige Messe. Fast alle schändeten den Tag des Herrn durch knechtliche Arbeiten. Die Menschen fluchten wie die Türken, lebten vielfach miteinander in Feindschaft, waren dem Trunk und dem Tanz ergeben, und bei all dem ließen sie den lieben Gott einen guten Mann sein, um dessen Gebote sie sich nicht kümmerten. So ist es verständlich, dass ein Großteil des Volkes auch den Predigten der Missionare fernblieb, was doch sonst kaum vorkommt, denn bei einer Volksmission sind alle dabei. Das ist ein guter katholischer Brauch von alters her, den man allezeit hochhalten muss.

 

Damals machten also nicht alle die Volksmission mit. Da dachte sich Pater Franz Regis: „Kommt ihr nicht zu mir, so komme ich zu euch.“ Er ging auf die Straßen und in die Häuser, und wo er laue Katholiken traf, grüßte er zunächst, nahm die Schnupftabakdose aus der Tasche, öffnete sie, hielt sie hin und sagte freundlich: „Priese gefällig?“ Was wollten die Leute machen? Anstandshalber nahmen sie eine Priese, und schon war das Gespräch in Gang. Mit den Bauern redete der Pater vom Wetter und von Ackerbau und Viehzucht. Bei den Handwerkern sprach er vom Geschäft. Von Gott und den Geboten ließ er nicht ein Wort fallen. Erst beim Abschied lud er beiläufig zum Besuch der Missionspredigten ein. Da folgten die Leute gern, und wenn Pater Franz Regis sie einmal in der Kirche hatte, bekam er sie auch in den Beichtstuhl. Auf diese Weise hat er ungezählte abständige Katholiken zu einem besseren Leben zurückgeführt, und an allen Orten, wo er Mission hielt, kam der Sonntag wieder in Ehren, das Fluchen hörte auf, Feindschaften wurden beigelegt, und die Menschen hielten wieder mehr auf die Religion, wie es sich gehört. Pater Franz Regis besaß nur einen Fehler, und der bestand darin, dass er sich nie schonte. Von einer Mission ging er zur anderen. So war er mit vierzig Jahren bereits ein Mann mit weißen Haaren, und mit dreiundvierzig Jahren starb er. Es war ein schöner Tod.

 

Am Weihnachtstag des Jahres 1640 sollte Franz Regis in einem Dorf hoch im Gebirge eine Volksmission beginnen. Zehn Wegstunden waren es bis dorthin, und es lag hoher Schnee, so dass der Wanderer bei jedem Schritt bis ans Knie einsank. Nur langsam ging es voran, und erst am Weihnachtsmorgen langte er am Ziel an. Vom Schweiß durchnässt, stieg er gleich auf die Kanzel. Da hat er sich eine Lungenentzündung geholt. Trotz hohem Fieber predigte er auch am folgenden Tag noch dreimal, dann brach er zusammen und starb am 31. Dezember 1640. Seine letzten Worte waren: „O lieber Vater, welches Glück! Wie voller Freude sterbe ich! Ich sehe Jesus und Maria, sie sich würdigen, mir entgegen zu kommen, um mich in das Vaterland der Auserwählten zu geleiten.“ Seinem Begräbnis wohnten zweiundzwanzig Pfarrer und eine unermessliche Volksmenge bei.

 

Gott gefiel es, einen armen Ordensmann, der nichts als die Demut und die Erniedrigung gesucht hatte, mit Herrlichkeit zu krönen und viele Wunder bei seiner sterblichen Hülle zu wirken. Über zwanzig Prälaten, teils Erzbischöfe, teils Bischöfe, schrieben an Papst Clemens XI.: „Wir sind Zeugen, dass am Grab des Paters Franz Regis die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Stummen reden, und der Ruf dieser erstaunlichen Wunder hat sich zu allen Völkern verbreitet.“ Die Heiligsprechung erfolgte unter Papst Clemens XII. im Jahr 1737.