Der selige Ferdinand von Portugal, + 5.6.1443 – Gedenktag: 5. Juni

 

Ferdinand, königlicher Prinz von Portugal, trug von Jugend auf eine kindliche Ehrfurcht und Liebe zu Maria im Herzen, die sich auch in allen Handlungen und Vorfällen seines Lebens auf die erbaulichste Weise zu erkennen gab. Hoch verehrte er ihre jungfräuliche Reinheit und bewahrte diese Lieblingstugend der Unbefleckten an sich selber unter ihrem besonderen Schutz unversehrt bis an sein Grab. An allen Samstagen und den Vorabenden der Marienfeste fastete er bei Wasser und Brot, und um Mitternacht schon verließ er sein Lager, um das Offizium des betreffenden Tages gleich den Mönchen zu beten und sich durch Betrachtung auf die Feier des Festes vorzubereiten. Als sein Herr und Bruder, König Eduard, einen Feldzug gegen die Mauren beschlossen hatte, übernahm Ferdinand, weil jener es so wünschte, eine Feldherrnstelle bei den Truppen. Ehe er abzog, verfügte er letztwillig über seine nicht unbedeutenden Besitzungen, besuchte noch mehrere Stätten der Andacht, und bestrebte sich, durch Gebet, Opfer und reichliche Spenden an Arme und Kirchen den Beistands des Himmels und den Schutz der heiligen Jungfrau für das Unternehmen zu erlangen. Endlich begab er sich, nachdem er zuvor in der Kapelle Unserer Lieben Frau Scala (in Lissabon) aus den Händen seines Beichtvaters die heilige Kommunion empfangen, zum Heer, das bei Lissabon vor Anker lag und auf günstigen Wind zur Abfahrt wartete. In Afrika angekommen, zeigte er bei der Belagerung von Tingi, das die Ungläubigen besetzt hielten, dass „die Frömmigkeit zu allem nütze“, und dass er ein ebenso tapferer Soldat als frommer Christ sei. Da aber der König von Fez mit einer ungeheuren Kriegsmacht zum Entsatz Tingis heranrückte, wurde das christliche Heer genötigt, sich in das Lager zurückzuziehen. Nachdem es sich dort heldenmütig gegen wiederholte Angriffe verteidigt hatte, aber bei dem Mangel an Lebensmitteln und der Übermacht der Feinde keine Hoffnung blieb, sich in seinem nur wenig verschanzten Lager länger halten, noch durch die Überzahl der Feinde durchschlagen zu können, wurden Unterhandlungen mit den Barbaren angeknüpft, die schließlich dahin führten, dass den Portugiesen freier Rückzug auf ihre Schiffe gestattet wurde, den Mauren dagegen Septa, das in den Händen der Christen war, wieder zurückgegeben werden sollte. Zugleich verlangten die Ungläubigen, dass, bis die Übergabe Septas erfolgt wäre, einer der portugiesischen Prinzen (neben Ferdinand befand sich auch sein Bruder Heinrich beim Heer) als Geisel bei ihnen verbliebe, während sie den ältesten Sohn Zalabenzalas, des Herrschers von Tingi und Arsilla, als Gegengeisel anboten. Ferdinand wusste wohl, welchen Gefahren er sich unter einem ungläubigen und unzuverlässigen Volk aussetze, doch bot er sich aus Liebe zu seinem Bruder und zu seinen Gefährten, deren Rettung nur auf solche Weise noch möglich schien, freiwillig als Geisel an, und begab sich, begleitet von seinem Beichtvater, seinem Arzt und noch acht anderen Personen seines Gefolges, ins feindliche Lager. Obwohl der Sohn Zalabenzalas den Portugiesen ausgeliefert wurde, hatten die Barbaren nichts weniger im Sinn, als den geschlossenen Vertrag zu erfüllen. Unter allerlei nichtigen Vorwänden setzten sie die Feindseligkeiten gegen das christliche Heer fort, und behielten den Prinzen zurück, in der Hoffnung, Lösegeld, dessen Höhe sie immer und immer steigerten, für seine Freilassung zu erhalten. Es ist unbeschreiblich, was der königliche Prinz mit seinen Gefährten unter diesen barbarischen, von fanatischem Hass gegen die Christen beseelten Volk zu erdulden hatte, die sechs Jahre hindurch, die er unter ihnen zubrachte, nämlich bis zu seinem Tod im Kerker. Nach und nach setzte man alle Rücksichten bei Seite, die man seinem Stand schuldig war, und schließlich wurde er, wie der niedrigste Sklave behandelt, von seinen Gefährten getrennt, an Händen und Füßen an eiserne Ketten geschlagen, zu den niedrigsten Arbeiten in Gärten, auf Straßen und Wegen, zur Reinigung der Pferdeställe und dergleichen angehalten, ihm eine Kost gereicht, die die Hunde verschmähen würden, und die, wie die wenige Zeit, die man ihm zur Nachtruhe gestattete, nicht zu seiner Erquickung, sondern nur zur Fristung seines Lebens dienen sollte, um mit seinem Tod nicht alle Hoffnung auf bedeutendes Lösegeld zu verlieren, das man, wenn es angeboten wurde, doch immer wieder zurückwies. Der unglückliche Prinz trug sein Geschick mit dem Mut des Mannes und des Christen. Der Hinblick auf Christus, den Mann der Schmerzen, und das Andenken an Maria, die Schmerzensmutter, der er von Kindheit an ergeben war, stärkte ihn in seinen namenlosen Leiden. Dabei ließ er von seinen Andachts- und Bußübungen auch während dieser Zeit nicht ab, und alle Bemühungen der Barbaren, ihn zum Abfall vom christlichen Glauben zu bringen, blieben fruchtlos. Nicht mit der geringsten lässlichen Sünde, viel weniger durch einen so entsetzlichen Frevel, hätte er sich seine Freiheit und sein Leben erkauft.

 

Schließlich unterlag die Natur den langwierigen Leiden und unmenschlichen Misshandlungen. Im Jahr 1443, Anfang Mai, an einem Samstag, wurde er so schwach und krank, dass er sich kaum mehr bewegen konnte. Alle Versuche derer, die von den Seinigen noch am Leben geblieben waren, ihrem geliebten Herrn von seinen Tyrannen bessere Wohnung und Pflege zu erbitten, waren fruchtlos. Nur so viel konnten sie erlangen, dass ein Arzt und einige von den Christen in seinen Kerker gelassen wurden. Die Zeit, wo die Frömmigkeit und der christliche Heldenmut dieses Prinzen mit einer unverwelklichen Krone belohnt werden sollten, nahte heran. Seine geliebte Mutter und Königin Maria wollte ihrem treuen Sohn die letzten Augenblicke seines leidvollen Lebens noch durch himmlischen Trost versüßen und sein Herz mit der Versicherung der baldigen Anschauung Gottes trösten. Der Augenzeuge seines Todes, der Geheimschreiber und Leidensgenosse des Prinzen, Johannes Alvarez, schreibt: „Am Mittwoch, eine Stunde vor der Morgendämmerung, erhob sich der Beichtvater, der nun mit dem Arzt Tag und Nacht dem Kranken beistand, um nachzusehen, ob der Prinz schläft. Als er ihm ins Angesicht schaute, sah er einen hellen Glanz von ihm ausstrahlen. Es war der Ausdruck des Friedens und der Freude der darüber verbreitet war, die Augen mit Tränen gefüllt und zum Himmel gerichtet. Erstaunt hierüber fragte der Priester ein-, zwei- und dreimal den Prinzen ob er schlafe? Endlich gab er zur Antwort, dass er ihn höre. Der Beichtvater wollte nicht weiter mit Fragen in ihn dringen, weil er wohl merkte, dass er jetzt nicht reden wollte, und zog sich wieder auf sein Lager zurück, bis es Tag geworden war und die Wächter die Kerkertür aufschließen würden. Da diese Zeit gekommen war, hieß der Prinz den Beichtvater zu seinem Lager kommen und ersuchte den Arzt, sich auf einige Zeit zu entfernen. Als der Kranke mit dem Beichtvater allein war, sprach er zu ihm:

 

„Zwei Stunden war es, dass ich so dalag und still bei mir die Mühseligkeiten dieser Welt und die Glorie der Seligen im Himmel erwog. Da fühlte ich mich im Herzen sehr getröstet und große Sehnsucht, aus diesem Leben zu scheiden. Indes heftete ich meine Blicke auf eine Wand, und da sah ich denn mir gegenüber eine Frau von großer Majestät, auf einem erhabenen Thron sitzend, umgeben von vielen Personen voll Anmut und Glanz. Sogleich erkannte ich, dass es die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die Zuflucht der Sünder, selber sei. Ich suchte mich vor ihr auf die Knie aufzurichten, und da vernahm ich, wie jemand von denen, die bei ihr waren, also sprach: „Wohlan denn, o Mutter und Frau, habe Mitleid mit diesem deinem und meinem andächtigen Diener und lass ihn nicht länger in den Martern, denn es ist Zeit, dass er mit uns sitze beim Gastmahl der himmlischen Glorie mit jenen unseren Brüdern.“ Auf die Bitten dieser beiden, die ich allein von den andern unterschied, vernahm ich von der heiligen Jungfrau Maria, indem sie mich mit freundlichem und holdseligem Blick ansah, dass ich an diesem Tag noch in ihrer Gesellschaft aufgenommen werden würde. Nachdem sie mir dieses gesagt hatte, verschwand sie. Zu großem Trost gereichte mir diese Erscheinung, und ich zweifle keinen Augenblick, dass ich heute noch aus dieser Welt scheiden werde.“

 

Nachdem der Beichtvater dies vernommen hatte, fing er an zu weinen und Gott zu preisen. Der Prinz erhob seine Hände zum Himmel, und dankte und betete. In der folgenden Nacht, nachdem er noch einmal eine Beichte über sein ganzes Leben abgelegt, das Bekenntnis des Glaubens ausgesprochen, sich Christus und seiner gebenedeiten Mutter empfohlen hatte, verschied er sanft und ruhig im Herrn im Kerker zu Fez, einundvierzig Jahre alt, von denen er die letzten sechs in der Gefangenschaft der Mauren und unsäglichen Leiden zugebracht hatte, am 5. Juni 1443. Gott verherrlichte seinen Diener nach dessen Tod durch mehrere Wunder, sowohl in Afrika unter den Ungläubigen, als auch in Portugal, wohin zuerst sein Herz und seine Eingeweide und später auch sein Leib gebracht wurde, und die Kirche verehrt ihn als Heiligen.