Die gottselige Emilie Schneider, Ordensschwester, Mystikerin, + 21.3.1859 – Gedenktag: 21. März

 

Mit der Einwohnerzahl von mehr als 600.000 gehört Düsseldorf heute zu den bedeutendsten Großstädten Deutschlands. Als dort indessen am 21. März 1859 Emilie Schneider mit erst vierzig Jahren starb, war Düsseldorf noch ein Landstädtchen mit bäuerlichem Anstrich. Man schaute sich gegenseitig in die Kochtöpfe, und der eine wusste beim anderen so gut wie in der eigenen Westentasche Bescheid. Alle kannten alle, aber die am meisten bekannte Persönlichkeit war doch Emilie Schneider. Als es daher bei ihrem Tod hieß: „Eine Heilige ist gestorben“, durfte man sicher sein, dass es sich da nicht bloß um ein landläufiges Gerede handelte. Tatsächlich ist der Ruf von ihrem heiligen Leben bis heute nicht verklungen, und daher ist denn auch der Seligsprechungsprozess für Emilie Schneider längst im Gang.

 

Emilie Schneider wurde am 6. September 1820 in einer kinderreichen Familie zu Haaren bei Aachen geboren. Der Vater, ein Steuerbeamter, war Protestant und ein Ehrenmann von der Fußsohle bis zum Scheitel, der das Versprechen der katholischen Kindererziehung, das er bei der Trauung mit der katholischen Weinhändlerstochter Elisabeth Münchs abgegeben hatte, getreulich hielt. Alle Kinder wurden katholisch getauft und erzogen.

 

Weil ein kleiner Staatsbeamter oft versetzt wird, kam es, dass die Familie Schneider mehrfach den Wohnsitz wechseln musste. Von Haaren ging es nach Heinsberg und dann nach Hermeskeil, Ottweiler, Saarbrücken und Emmerich, bis man sich schließlich in Köln dauernd niederließ.

 

Als junges Mädchen war Emilie Schneider eine blühende, stattliche Gestalt, die durch körperliche Schönheit und mehr noch durch den Liebreiz der Seele und des Gemütes angenehm auffiel, sooft sie sich in der Öffentlichkeit, auch bei Konzerten und Bällen, zeigte. Da hat mancher junge Mann ernstlich Ausschau nach ihr gehalten, aber die Umwobene teilte nur Körbe aus, weil sie sich aus allen Bewerbern längst den schönsten, besten, reichsten und reinsten Bräutigam, den lieben Heiland, auserwählt hatte. Emilie Schneider ging mit fünfundzwanzig Jahren ins Kloster, um als Barmherzige Schwester Christus zu dienen.

 

Bald darauf wurde Schwester Emilie Oberin im Theresienhospital zu Düsseldorf, wo sie, durch ein Unmaß von Arbeit, Mühen, Sorgen und Nachtwachen im Dienst der christlichen Nächstenliebe vor der Zeit aufgerieben, nach sieben Jahren starb. Weil Emilie sich zu ihren Lebzeiten als eine echte Barmherzige Schwester überaus liebevoll aller Menschen annahm, die in Not waren, haben sie, wie erwähnt, die Düsseldorfer schon gleich nach dem Tod heiliggesprochen. Später stellte es sich dann auch noch heraus, dass Schwester Oberin Emilie eine Begnadete war, die oft den lieben Heiland sah, der ihr sein Herz zeigte und zu ihr in ganz ähnlichen Worten sprach, wie zweihundert Jahre vorher zu jener Heiligen, deren Lebensschicksal unter dem 16. Oktober beschrieben wird: die heilige Margareta Maria Alacoque.

 

Weil schließlich am Grab der Verstorbenen in Düsseldorf auch Wunder und Zeichen geschahen, ist es nicht ausgeschlossen, dass der Ordensschwester Emilie Schneider demnächst die Ehre der Altäre zuteil wird.

 

1926 wurde das Verfahren zur Seligsprechung von Emilie Schneider eingeleitet. Durch den 2. Weltkrieg kam es zum Stillstand. Joseph Kardinal Höffner erneuerte das Verfahren 1984, seit 1992 liegen die Akten zur Prüfung in Rom. Am 6. Juli 2007 erkannte Papst Benedikt XVI. Emilie Schneider den heroischen Tugendgrad zu.