Die selige Elisabeth Achlerin Bona, genannt die Gute, Nonne von Reute im Dritten Orden des heiligen Franziskus, + 25.11.1420 – Gedenktag: 25. November

 

„Im Jahr des Herrn 1420 am Tag der heiligen Katharina ist gestorben Elisabeth Achlin von Waldsee, eine zu Reute eingeschlossene Jungfrau, welche mit mehreren Wunderzeichen geleuchtet, besonders mit den Wundmalen Christi, die an ihr gesehen worden, und durch beinahe zwölf Jahre des Schlafs und der Speise hat entbehren können.“ So heißt in deutscher Sprache die Grabinschrift in Stein eingehauen über dem Grab dieser heiligen Elisabeth in der Klosterkirche zu Reute, in wenigen Jahren nach ihrem Tod dahin gesetzt.

 

Elisabeth, eine Tochter Achlins und Anna, Bürgersleuten zu Waldsee in Schwaben, erblickte im Jahr 1386 das Licht dieser Welt. Ihre Eltern erzogen sie ganz einfach nach dem katholischen Glauben, und der Heilige Geist lehrte sie von Kindheit an die wahre Gottseligkeit. Sie war als Kind schon sehr eingezogen, sittsam demütig und andächtig. Im vierzehnten Lebensjahr hatte sie einen dortigen Priester, namens Konrad Kügelin, der später Pfarrer zu Reute, und darauf Propst zu Waldsee geworden war, zu ihrem Beichtvater und Seelenführer, was er auch blieb bis an ihr Lebensende. Dieser Priester, der auch der erste Lebensbeschreiber der Heiligen wurde, bemerkte in dem Beichtkind das „Wehen des Heiligen Geistes“, und nahm sich dessen mit besonderer Sorgfalt an. Sie ging dahin, die fromme Seele vorerst vor der Weltlust zu bewahren, und sodann heiligen Eifer zur Vollkommenheit stets zu unterhalten. Er riet ihr deswegen, in den Dritten Orden des heiligen Franziskus zu treten. Elisabeth tat es, und lebte eine Zeitlang bei einer Person dieses Ordens, wo sie sich mit Weben kümmerlich den Lebensunterhalt erwarb. Danach entstand das Klösterlein zu Reute, und Konrad zog die Elisabeth dahin. Nicht lange danach folgte der Tochter auch die Mutter nach, und starb in dieser Genossenschaft. Im Kloster ging der frommen Seele ein großes Licht auf über die Wege zur Vollkommenheit. Sie hatte solche Furcht und Abscheu vor der Sünde, dass der Beichtvater selten eine Ursache fand, ihr die Absolution zu geben. Sie war streng gegen sich selbst in allen Werken der Abtötung sowohl am Leib als am Geist. Sie setzte keinen Fuß mehr außerhalb des Klosters, so lange sie lebte. Sie unterwarf sich der verächtlichsten Arbeit, und freute sich, selbst bei den Ordensschwestern ungekannt, ja sogar verachtet zu sein. Sie ertrug mit großer Demut und stillschweigender Geduld die Unbilden, Neckereien und die schmähenden Zungen einiger Schwestern, die nicht wussten, woran sie mit der Elisabeth waren. Ihr Geistesleben war die Teilnahme an dem Kreuz unseres Erlösers, durch stete Betrachtung der Leidensgeschichte des Herrn, woran sie keine Arbeit mehr hinderte, durch Bitte, wenigstens ein wenig an ihr teilhaftig zu werden, und durch Nachfolge in der Verdemütigung des Herrn. Sie rechnete es sich als die größte Sünde an, in jüngeren Jahren den Kreuzweg des Erlösers so wenig zu Herzen genommen zu haben. Und der Herr, der am Kreuz versprach alles an sich zu ziehen, der dringend zu beten empfiehlt, und dessen Geist das Gebet eingibt und leitet, erhörte das Seufzen dieser Seele, und ließ sie empfinden von den Schmerzen der Wunden, die die Sünde geschlagen, und die ewige Liebe getragen hat. Man sah in den letzten Lebensjahren der Elisabeth die Fastenzeit hindurch und an den Freitagen erkennbare Spuren der Wundmale, und Blutstropfen an ihrem Haupt. Die gute Seele litt unbeschreiblich, man hielt sie oft für sterbend, oder gar oft für tot, bis der Ausgang die Sache aufdeckte. Da war dann die Seele ganz die Liebe, Demut und Ruhe. Daneben wurde sie oft von schweren und scheußlichen Krankheiten befallen, und doch bald wieder völlig gesund. Die letzten Lebensjahre betete sie zum Heiland, um seiner stets genießen zu können, dass sie doch keine Speise mehr genießen müsse; und es erfolgte, dass keine Speise mehr bei ihr blieb, sondern sie alles wieder von sich brechen musste. Der Bräutigam ihrer Seele würdigte sie mancher anderen Gnade. Sie weissagte den Kirchenfrieden bei der damaligen Spaltung durch Papst Martin V., was auch erfolgte. Aber je inniger die Seelen sind, desto mehr müssen sie auch den Feind Gottes, den Widersacher aller Heiligen, erfahren. Jene auserwählten Seelen, die der Merkmale des Kreuzes an ihrem Leib gewürdigt werden, sind auch gewöhnlich der offenbaren Wut der Hölle ausgesetzt, und es ist gar nichts Neues im Gang der Vorsehung Gottes, der solche Seelen erzieht, und zu Werkzeugen der Gnade für viele andere gebraucht, dass sie die Schläge der Hölle auf unverkennbare Weise an sich ertragen müssen, denn an ihnen offenbart und verherrlicht sich der Ratschluss göttlicher Gnade zur Schande der Hölle. Der Teufel plagte sie schon früher auf dem Webstuhl, jetzt noch mehr in ihrer Zelle, mit allerhand Versuchung und Plage, mit Lärmen und Unruhe erwecken, mit offenbarer Gewalt, wovon oft die Schwestern die Wirkung sahen. Aber die Demütige hielt sich an das Kreuz, von dem alles Heil kommt, und siegte. So lebte die Dienerin Gottes bis ins 34. Lebensjahr, und zwar auf dem Kreuzweg des Herrn, dem zwar schmerzlichen aber sicheren Weg zum Himmel. In ihrer letzten Krankheit betete sie zu Gott mit der Liebe des heiligen Johannes des Jüngers der Liebe sterben zu können. Den Beichtvater bat sie, nichts von ihrem Leben zu offenbaren, denn sie sei eine Sünderin, und das Beispiel Jesu Christi, der göttlichen Mutter und der lieben Heiligen genüge zur Nachfolge. Die Mitschwestern bat sie demütig um Verzeihung ihrer Sünden und Fehler, und dankte ihnen herzlich für alle ihre Liebe und Dienste. Mit großer Inbrunst empfing sie die heiligen Sakramente, und als das Ende herannahte, ließ sie sich die Leidensgeschichte des Herrn vorlesen. Bei den Worten: „Und er gab den Geist auf“ verschied auch sie ins bessere Leben im Jahr 1420.

 

Bei Lebzeiten nannte man die Dienerin Gottes die „gute Elisabeth“ oder die „eingeschlossene Jungfrau“, und nach dem Tod blieb ihr der erste Name. Auch einige Wunder verherrlichten die Dienerin Gottes. Unter anderen wurde im Jahr 1624 von einer gefährlichen Wunde auf Fürbitte der guten Elisabeth geheilt während seiner Studienzeit, Franziskus Johannes von Prasperg, späterer Bischof von Konstanz.