Die selige Elisabeth Picivarda (Picenardi), Nonne von Mantua, Italien, III. OSM, Servitin, + 19.2.1468 – Gedenken: 19. Februar

 

Am 19. Februar des Jahres 1468 verlor die Stadt Mantua die ehrwürdige Maria (Elisabetha) Picivarda, aus dem Serviten-Orden.

 

In ihrer Jugend wurde Elisabeth von vielen reichen und vornehmen jungen Männern zur Ehe begehrt. Doch sie schlug jeden Antrag aus, denn der himmlische Bräutigam, Jesus Christus war es, dem sie ihre jungfräuliche Keuschheit verlobt hatte. Um diesen kostbaren Schatz vor den Verführungen der Welt sicher zu stellen, trat die edle Jungfrau entschlossen in den dritten Orden der Dienerinnen Mariä, wo sie durch strenges Leben, durch Kasteiung ihres Leibes, durch Fasten und Abtötung der Gelüste des Fleisches siegreich bekämpfte. In Nachahmung der heiligen Einsiedlerinnen trug sie ein raues Bußkleid unter dem Klosterhabit und einen eisernen vier Finger breiten Bußgürtel auf bloßem Leib. Überdies geißelte sie mehrmals die Woche ihre zarten Glieder bis aufs Blut.

 

Neben diesen Bußübungen pflegte sie gar innige Andacht zur seligsten Jungfrau Maria und vertraute ihr mit kindlicher Offenheit jede Angelegenheit ihres Lebens an, redete mit ihr, wie mit einer Freundin, und erwirkte sich selbst und anderen eine Menge Gnaden und Wohltaten, als deren Spenderin Maria gepriesen wurde. Wer immer von einer Not bedrängt oder von einem Übel schwer heimgesucht war, wandte sich an Elisabeth, sprach sie um ihr Gebet und ihre Vermittlung an und fand dann Erhörung. So kam es, dass sie in der Folge nur die Berichterstatterin (referendaria) Mariä genannt wurde, weil sie in frommer Kühnheit jedes Anliegen dieser Helferin der Christen berichtete und vortrage und ihr nichts, um was sie gebeten, abgeschlagen wurde.

 

Unter Gebet und Betrachtung, in Verehrung der Gottesmutter und in Befolgung der Ordensregeln schwanden der tugendhaften Servitin die Lebenstage dahin. Als dann die Stunde des Scheidens nicht mehr sehr fern aber doch allen noch unbekannt war, erkannte Elisabeth durch höhere Erleuchtung, dass eben der 19. Februar ihr Todestag werde. Noch vor ihrem Hingang wurde sie gewürdigt Jesus und Maria mit ihren leiblichen Augen in einem Gesicht zu schauen. Und als dann ihre Seele von hinnen schied, da blieb ihr Angesicht unentstellt, mehr noch: es wurde schön und glänzend – wie dies bei Heiligen so häufig angetroffen wird, und alsbald geschahen an ihrem Grab mehrere Wunder, die in den Annalen des Serviten-Ordens sorgfältig aufgezeichnet sind.

 

In demselben Jahr wurde auch – wie eine alte Chronik erzählt – der Leib eines gottseligen „Dieners Mariä“ erhoben, Jakob mit Namen, dessen Leib nach 140 Jahren ganz unverwest mit allen Gliedern aufgefunden wurde: die Haut, das Fleisch, die Haare, der Bart, die empfangenen Wunden am Kopf, das Kleid – kurz alles war ganz und gar unversehrt.

 

Schon ehe Jakob das Licht der Welt erblickt, begab sich Wunderbares mit ihm: der Mutter dünkte nämlich, ihr Kind werde einst eine zusammenstürzende Kirche vom Untergang erretten. Ein andermal war ihr, als sollte sie eine purpurfarbene Lilie zur Welt gebären, was die doppelte Bedeutung hatte, dass ihr Sprössling große Liebe zur Keuschheit tragen und dass er werde gemartert werden.

 

In seiner Jugend war sein ganzes Tun: die Kirchen besuchen, den heiligen Gottesdiensten beiwohnen, den Armen, Waisen, Fremdlingen Hilfe und Liebe erzeigen. Und da er einmal in der Kirche den Bibelspruch vernahm: „Wer nicht Vater und Mutter und alles, was er hat, um meinetwillen verlässt, der kann mein Jünger nicht sein“ – da teilte er sein Vermögen unter die Armen aus und begab sich in den Orden der Serviten.

 

Die Legende erzählt von ihm weiter, dass er in späteren Jahren das Recht seines Klosters gegen die Gewaltigen wacker verteidigte und hierbei einmal mit einem gar Widerspenstigen zu tun bekam, der seine Klage gegen den Servitenmönch Jakob in Rom beim Papst anbrachte. Allein die Entscheidung fiel zugunsten der schwächeren aber gekränkten Partei aus und so war Jakob der Rache des Mächtigen preisgegeben. Durch bestellte Mörder lässt er dem armen Mönch auflauern und ihn meuchlings aus dem Leben schaffen. Den unbegrabenen Leib fanden die Hirten mitten im Winter bei einem grünen Baum und als sie den Vorfall anzeigten, stritt man sich um den Leichnam, denn jede der benachbarten Kirchengemeinden wollten den frommen gottseligen Diener Mariä, der um der Gerechtigkeit willen den Tod erleiden musste, innerhalb ihres Gotteshauses zur Erde bestatten. Er kam zuletzt in eben jene Spitalkirche zur Beerdigung, wegen deren Güter der Streit seinen Anfang genommen hatte. Sein Grab leuchtete mit Wunderzeichen.