Der heilige Czeslaus (Oldrowancz) von Schlesien, Dominikaner-Priester, + 16.7.1242 – Fest: 16. Juli

 

Czeslaus wurde 1180 geboren. Sein Vater war Graf Eustach Odrowancz von Konski zu Kamien oder Stein im Fürstentum Oppeln.

 

Schon als Kind erwarb er sich die Liebe aller wegen seines guten zurückhaltenden Betragens. Zu Prag studierte er die Wissenschaften. Von da ging er nach Paris und widmete sich mit ganzer Liebe dem Studium der Theologie, das er in Bologna fortsetzte und mit der Rechtswissenschaft verband. Er wurde Doktor der Theologie und des kanonischen Rechts. Durch seinen ausgezeichneten Fleiß und seine bewunderungswürdige Mäßigung, Enthaltsamkeit und Reinheit der Sitten erwarb er sich die Hochachtung seiner Mitstudierenden in einem so hohen Grad, dass sie sich nie erlaubten, in seiner Gegenwart etwas Sündhaftes zu tun oder auch nur etwas Unpassendes zu sprechen. Wollte man einen reinen, unbescholtenen jungen Mann bezeichnen, so nannte man ihn Czeslaus.

 

Nach vollendeten Studien begab sich Czeslaus um das Jahr 1208 zu seinem Vetter Ivo, Bischof von Krakau, der ihn unter die Zahl seiner Domherren aufnahm. Mittlerweile war sein Vater gestorben und hatte ihm ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Dieses sowie seine sonstigen Einkünfte verwandelte der Heilige nur zu Werken der Wohltätigkeit. Im Jahr 1217 ging der Bischof von Krakau nach Rom und nahm seine beiden Neffen, Czeslaus und Hyacinth, mit sich. Ersterer war unterdessen aber zugleich Custos von Sendomir geworden. Czeslaus war in der Hauptstadt der Christenheit unendlich glücklich. Er konnte sich ganz den Neigungen seiner Frömmigkeit hingeben.

 

Ein Mann lebte damals in Rom, zu dem alles emporschaute. Es war der heilige Ordensstifter Dominikus, dessen Name bereits den Erdkreis erfüllte. Dieser heilige Mann machte auf Czeslaus einen tiefen Eindruck. Er kannte keinen höheren Wunsch, als ein Mitglied des Dominikaner-Ordens zu werden. Bischof Ivo bat den heiligen Dominikus, einige Ordensmitglieder in die nordischen Länder zu schicken, um daselbst dem Christentum aufzuhelfen, das bei den dortigen Völkern teilweise in Verfall geraten war. Dominikus, der unter seinen Jüngern keinen hatte, der die slavische Sprache jener Völker sprach, wollte eben dem frommen Bischof eine abschlägige Antwort erteilen, als Czeslaus, Hyacinth, Hermann und Heinrich vortraten und den heiligen Stifter um Aufnahme in den Dominikaner-Orden baten. Mit hoher Freude erfüllte Dominikus ihren Wunsch und sandte sie alle vier nach überstandener Probe im Noviziat 1218 in die nordischen Länder, um dort, ihrem Beruf treu, zu wirken. Zu Friesach in Kärnten errichteten sie das erste Dominikaner-Kloster in Deutschland und ließen den Hermann daselbst zur weiteren Ausbreitung des begonnenen Werkes zurück. Die anderen drei gingen nach Krakau, wurden vom Volk mit unendlichem Jubel aufgenommen und stifteten daselbst das Kloster zur heiligen Dreieinigkeit. Czeslaus und Heinrich gingen 1222 nach Prag, und nachdem auch hier ein schönes Kloster errichtet war, und Czeslaus die besten Einrichtungen getroffen hatte, ließ er den Heinrich daselbst und begab sich nach Breslau. Von hier aus besuchte er Polen, Preußen, Pommern und predigte bei seiner jeweiligen Rückkehr immer wieder in der Martinskirche auf dem Dom, die ihm Bischof Laurentius eingeräumt hatte. In kurzer Zeit brachte Czeslaus hier einige Ordensbrüder zusammen, erhielt vom Bischof schließlich die Kirche zu St. Adalbert und den dabei befindlichen Platz als Eigentum für die Dominikaner und begann nun, ein Kloster zu bauen. Das Werk gedieh rasch. Durch diese vereinten Kräfte erhob sich in kurzer Zeit hinter der Adalbertskirche ein Ordenshaus der Dominikaner.

 

Kaum war das Kloster fertig, da brachen die Mongolen in Schlesien ein und drangen sengend und verheerend bis nach Breslau vor. In der Stadt flüchtete alles auf die befestigte Dominsel, wohin sich auch Czeslaus mit seinen Ordensbrüdern begab. Die Feinde belagerten die Insel und drohten in einem allgemeinen Blutbad und Brandstiftung Breslau mit seinen Bewohnern zu vernichten. Czeslaus tröstete die Bestürzten, riet, half die Insel verteidigen und erhob seine Hände in inbrünstigem Gebet zu Gott. Und da, so erzählt die Chronik, fiel auf das Gebet des Heiligen Feuer vom Himmel und verjagte die Feinde, die bereits die Stadt teilweise verwüstet und zerstört hatten. Die Dankbarkeit und Liebe der Breslauer gegenüber dem Heiligen war grenzenlos. Jubelnd geleitete man ihn in das von den Feinden übel zugerichtete Kloster und half ihm es wieder aufzubauen.

 

Wie bekannt, hegte der heilige Dominikus die wärmste Andacht zu Marien und ehrte sie besonders durch das Rosenkranzgebet. Diese Verehrung pflanzte er auch seinen Schülern ein, und Czeslaus, der eifrige, begeisterte Jünger dieses Heiligen, wetteiferte mit seinen Brüdern in der Andacht zur jungfräulichen Gottesmutter und trug seiner Stellung als Oberer gemäß nicht wenig bei, dieses herrliche Gebet unter dem Volk mehr zu verbreiten, wofür ihn die Mutter der schönen Liebe mit unzähligen Gnaden beschenkte.

 

Czeslaus Kräfte erlagen schließlich den großen Anstrengungen. Er fühlte sein Ende herankommen. Er lag auf einer harten Streu. Noch einmal rief er alle seine Ordensmitglieder um sich, empfing die heiligen Sakramente mit rührender Andacht und sprach Worte des Heils an seine traurige Umgebung, empfahl ihnen Eifer im Dienst Gottes und der Menschheit, nahm von allen zärtlichen Abschied, wie ein Vater von seinen Kindern und verschied endlich unter Gebet für sich und seine Brüder sanft im Herrn am 16. Juli 1242.