Der heilige Cedda / Ceddus, Bischof der Angelsachsen in London, + 7.1.664 – Fest: 7. Januar

 

Dieser Heilige war ein Bruder des heiligen Ceadda, (Bischof der Mercier zu Lindisfarne, England, OSB, + 2.3.673 – Fest: siehe 2. März) Bischof von Lichtfield, des heiligen Priesters Celin und Cimberts, die alle mit unermüdlichem Eifer an der Bekehrung ihrer Landsleute, der Angelsachsen, arbeiteten. Er zog sich in das Kloster Lindisfarn zurück, wo er lange Zeit der Welt unbekannt in den Übungen aller Tugenden lebte, und seiner großen Heiligkeit wegen zur priesterlichen Würde erhoben wurde. Als Finan, Bischof von Lindisfarn, den König Pead neben vielen Großen des Hofes, Hauptleuten und Soldaten, die ihm an den Hof Oswigs, des Königs von Northumberland gefolgt waren, getauft hatte, wurde dem Heiligen zusammen mit drei anderen Glaubenspredigern aufgetragen, das Evangelium in den Staaten des bekehrten Fürsten zu verkündigen. Bald sah man da die Tempel der Götzen verlassen. Das Volk entsagte nach gründlicher Belehrung dem heidnischen Aberglauben, und strömte haufenweise herbei, bittend um die Gnade der heiligen Taufe. Der König Penda, so sehr er selbst auch dem Heidentum ergeben war, hinderte den eifrigen Gottesprediger nicht, diesen Teil der March, der ihm unterworfen war, der Lehre Jesu zu gewinnen. Er beunruhigte auch diejenigen nicht, die Christen wurden. Wenn aber einige von ihnen nicht auf eine, ihrer Religion entsprechende, Weise lebten, pflegte er zu sagen: „Verdienen nicht diese Nichtswürdigen, die dem Gott, an den sie geglaubt haben, nicht gehorchen, die höchste Verachtung?“ Einige Zeit später öffnete sich eine neue Bahn dem Seeleneifer unseres Heiligen.

 

Oswy, der König von Northumberland, hatte Sigbercht, sonst auch Sigebert, den König der orientalischen Sachsen, der ihm einen Besuch abzustatten gekommen war, für die Religion Jesu Christi gewonnen, und der Bischof Finan ihn getauft. Als dieser Fürst darauf in sein Reich zurückgekehrt war, lag ihm nichts mehr am Herzen, als die christliche Religion da zu begründen. Er wandte sich daher an Oswy mit der Bitte, ihm eifrige Glaubensprediger zu schicken, und erhielt von ihm selbst unseren Heiligen mit noch einem anderen Priester. Gott segnete die Arbeiten dieser zwei apostolischen Männer und gab ihren Worten eine solche Wirksamkeit, dass sich eine beinah unzählbare Menge zum Christentum bekehrte. Ceddus erbaute mehrere Kirchen, um den Früchten seiner heiligen Sendung einen festen Bestand zu geben.

 

Als der Heilige darauf nach Lindisfarn kam, um Finan über einige wichtige Fragen um Rat zu bitten, weihte er ihn im Beisein zwei seiner Mitbrüder, die ihm zur Seite standen, zum Bischof der orientalischen Sachsen. Bei der Rückkehr in seine Diözese setzte er das so glücklich angefangene Werk mit neuem Segen fort, baute überall Kirchen, denen er heilige Priester vorsetzte, stiftete auch zwei Klöster, von denen eins an der Themse lag. Camden glaubt, dass er da nach der Gewohnheit der ersten Bischöfe Englands, die in Klöstern lebten, auch seinen gewöhnlichen Aufenthalt gehabt habe. Aber die meisten meinen, er habe, nach der Sitte seiner ältesten Vorfahren, zu London, der Hauptstadt dieses Reiches, gewohnt.

 

Edilwald, der Sohn von Oswald, der über die Deirländer in der Grafschaft Yorck herrschte, lernte Ceddus auf einer Reise in sein Vaterland kennen. Erstaunt über die tiefe Weisheit und hohe Heiligkeit des Mannes, bot er ihm einige Grundstücke an, um ein Kloster zu erbauen. Die Absicht dieses tugendhaften Fürsten war, sich öfters da, während seiner noch übrigen Lebenstage, bei den Mönchen im Gebet einzufinden, und dort den Ort zu seiner Ruhestätte nach dem Tod auszuwählen. Der Heilige suchte für das zu erbauende Kloster steile Berge aus, die eher zu einem Aufenthaltsort der Räuber und wilden Tiere, als zur Wohnung der Menschen geeignet waren. Aber bevor er etwas unternahm, entschloss er sich, diesen Ort gewissermaßen zum Voraus einzuweihen, indem er da die vierzigtägigen Fasten in Abtötung und Gebet zubrachte. Den Sonntag allein ausgenommen, genoss er täglich nur eine Mahlzeit. Ein Ei, neben einem Stück Brot, und mit Wasser gemischte Milch, war seine Nahrung. Weil ihn aber der König dringender Geschäfte wegen zehn Tage vor Ende der Fasten zurückberufen hatte, übertrug er seinem Bruder Celin, dem Edilwald die Leitung seines ganzen Hofes übergeben hatte, das von ihm Angefangene auszuführen. Und im Jahr 658 stand das Kloster ganz vollendet da. Es legte sich den Namen Lestingay zu. Unser Heiliger versah es mit Mönchen und einem Obern, die er von Lindisfarn kommen ließ, doch so, dass er immer der erste Vorsteher blieb, und dann und wann von London aus dort seinen Besuch machte.

 

Folgender Zug mag uns lehren, mit welcher Sorgfalt die Bischöfe dieser Zeit über die Aufrechterhaltung der Kirchenzucht wachten. Unser Heiliger hatte einen der Großen unter den orientalischen Sachsen, der in einer blutschänderischen Ehe lebte, von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und allen Gläubigen verboten, mit ihm Umgang zu haben oder mit ihm zu essen. Der König tat beides, ohne Rücksicht auf das Verbot. Ceddus begegnete ihm, als er von dem mit einem Bannfluch belegten Blutschänder zurückkehrte. Der unselige Fürst stieg ganz betroffen und zitternd von seinem Pferd und warf sich dem Heiligen zu Füßen, ihn um Verzeihung seines Fehlers zu bitten. „Fürst,“ sprach zu ihm Ceddus, indem er ihn mit einem Stöckchen, das er in der Hand hatte, berührte, „Sie werden im Haus dieses Exkommunizierten , wo Sie die Verwegenheit hatten einzukehren, sterben.“ Die Vorhersage wurde durch die Folge bewahrheitet. Das König wurde einige Zeit später durch diesen Großen, mit Hilfe eines seiner Verwandten, gemeuchelt.

 

Der heilige Ceddus wohnte der Kirchenversammlung bei, die zu Strenesnalch 664 gehalten wurde. Er schaffte da die Gewohnheit der schottischen Kirchen bei der Osterfeier ab, um sich nach der zu richten, die durch die Kanonen festgesetzt wurden. Nur kurze Zeit überlebte er diese Kirchenversammlung, indem er am 26. Oktober in seinem Kloster Lesingay an der schrecklichen Pest, die damals England verheerte, starb. Sein Leichnam wurde auf einen Kirchhof begraben, in der Folge aber wieder aus der Erde genommen, und zur rechten Seite in der Klosterkirche versenkt. Der Name des heiligen Ceddus wird in dem englischen Martyrologium am 7. Januar genannt.