Die heilige Bernadette Soubirous, Seherin von Lourdes, + 16.4.1879 - Fest: 16. April

 

Die 14jährige Tochter eines gänzlich verarmten Müllers, Bernadette Soubirous, hatte am 11. Februar 1858 bei einer Höhle des Felsens Massabielle in Lourdes ganz unerwartet die Erscheinung einer lichtumstrahlten Frauengestalt von unbeschreiblicher Schönheit. Die Erscheinungen bei der Grotte wiederholten sich. Leute folgten Bernadette. Sie sahen das Mädchen in Ekstase fallen, hörten es sprechen, sahen aber nichts. Die unbekannte "Dame" sagte zu Bernadette: "Ich will hier Leute sehen"; "Bete für die Sünder"; "Buße, Buße, Buße"; "Sage den Priestern, dass ich hier eine Kapelle haben will"; "In Prozession soll man hierher kommen"; "Geh, trinke aus der Quelle und wasche dich mit ihrem Wasser". Gehorsam diesem letzten Auftrag grub die Heilige mit ihren Händen in dem Boden der Höhle, und eine bis dahin unbekannte Quelle entsprang, die seit Jahren täglich 122.000 Liter spendet. Als Bernadette die Erscheinung um ihren Namen bat, antwortete sie dreimal: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis", ein Name, den das Mädchen nicht verstand. Heilungen, die der Genuss des Wassers bewirkt hatte, brachten die Menschen in Bewegung, die zu Tausenden zu der Grotte strömten. Die Kirche stand diesen Anfängen der Lourdeswallfahrt sehr zurückhaltend, fast feindlich gegenüber. Lourdes wurde zu einem Zeichen. Zu einer Zeit, in der das Dasein oder doch die Erkennbarkeit eines überweltlichen Gottes geleugnet wurde, musste in Lourdes ein ständiges Ärztebüro eröffnet werden, das mit Hilfe von Tausenden von Ärzten jeder Weltanschauung ein ungeheures Material fachmännisch festgestellter, nicht erklärbarer Heilungen gesammelt hat. 1866 trat Bernadette bei den Caritas- und Schulschwestern von St. Gildard in Nevers ein. Aber die Novizenmeisterin verstand diese Novizin nicht. Bernadette passte nicht in ihr Schema über das geistliche Leben. Sie hatte längst ihr Noviziat in der Schule Gottes gemacht. Die Novizenmeisterin wie die Generaloberin fürchteten nichts so sehr bei der Heiligen, wie dass sie sich auf die Erscheinungen etwas einbilde. Darum nahmen sie jede Gelegenheit wahr, um die Seherin von Lourdes zu demütigen, als ob Gott nicht selbst durch seine inneren Einwirkungen und die Läuterungsleiden die Seelen seiner Heiligen noch viel tiefer demütigte. Mit der Begründung, sie sei "ein kleines, dummes Ding, das zu nichts taugt", wurde ihre Profess immer wieder hinausgeschoben. Gott gab der Verachteten, die um ihrer Gesichte willen 13 Jahre hindurch gestraft wurde, die Kraft zu sprechen: "Sehen Sie, meine Geschichte ist ganz einfach, die Jungfrau hat sich meiner bedient, dann hat man mich in die Ecke gestellt. Das ist nun mein Platz, dort bin ich glücklich, und dort bleibe ich." Die Heilige starb am 16. April 1879 nach manchen höchst schmerzhaften Krankheiten.

 

(Wilhelm Schamoni, Das wahre Gesicht der Heiligen,

Kösel-Verlag 1967)

 

 Letzte Krankheit und Tod von Bernadette Soubirous

 

Ein Bericht über die letzte Krankheit und den Tod von Bernadette Soubirous, der demütigen und heiligmäßigen Seherin von Lourdes (Seliggesprochen wurde Bernadette am 14. Juni 1925 durch Papst Pius XI., heiliggesprochen wurde sie am 8. Dezember 1933 ebenfalls durch Papst Pius XI.):

 

Bernadette Soubirous ist am 16. April 1879, am Mittwoch in der Osterwoche entschlafen; ihre Mission ist beendet und sie selbst war bereit für den Himmel. 

 

Das unschuldige, natürliche Kind, die peinlich gewissenhafte Ordensfrau, die geduldige Kreuzträgerin sollte nun den Lohn in Empfang nehmen, den die selige Jungfrau ihr in der Grotte zugesichert hatte.

 

In bewundernswerter Weise hatte sie deren Auftrag Folge geleistet. Während 8 Jahren hatte sie den Menschenmengen berichtet und mit engelhafter Einfachheit erzählt, was sie in der Grotte gesehen und gehört hatte, weder den neugierigsten Fragen noch auch den oft mit Absicht verwirrenden boshaften Verhören die Antwort verweigernd - sich nie widersprechend und zuletzt selbst die Übelwollenden überzeugend. Nach diesem achtjährigen öffentlichen Apostolat fand sie Ruhe und Frieden in dem geliebten Kloster St. Gildard.

 

Einige Tage nach ihrer feierlichen Gelübdeablegung wurde Bernadette von ihrer letzten Krankheit ergriffen; am 11. Dezember musste sie sich ins Krankenhaus begeben, das sie nicht mehr verlassen sollte. Am 12. und 13. Dezember sollte sie nochmals in feierlicher Weise die wunderbaren Ereignisse bestätigen, deren Zeugin sie in der Grotte gewesen war. Mit einer bei ähnlichen Gelegenheiten nie vorher bewiesenen Freudigkeit beantwortete sie den Vertretern der Bischöfe von Tarbes und Nevers ein langes Fragenverhör. In dem weichen Dialekt der Pyrenäen wiederholte sie die Worte, die sie von den Lippen der Gottesmutter vernommen hatte. Angesichts des Todes und der Ewigkeit bekräftigte sie nun nach 20 Jahren ihre ersten Aussagen, einer Zeit entstammend, da sie noch ein Kind war, und blieb nach wie vor das Echo der unbefleckt Empfangenen.

 

Nun konnte sie beruhigt sterben. Ein asthmatisches Leiden, das ihr ganzes Leben erschwert, stellte sich mit immer häufigeren Krisen ein, schwächte und beengte sie. Ein großes Geschwür umgab das linke Knie und Knochenfraß zehrte am Mark der Knochen. Die arme Kranke konnte das Bett und den Armstuhl nicht mehr verlassen und bald war der zarte Körper mit Wunden bedeckt.

 

Die Heftigkeit der Schmerzen entriss ihr zuweilen laute Schreie, die sie jedoch schnell zu innigen Gebeten umwandelte. "Dir, mein Gott, opfere ich es auf!" rief sie dann energisch; "dich liebe ich - ich will dein Kreuz und nehme es an."

 

Auch ihre Seele wurde gekreuzigt. Der böse Feind versuchte sie mit jenen schrecklichen Gewissensbeunruhigungen, die großmütigen Seelen, die sich als Opfer für die Sünden der Welt Gott hingegeben haben, eine Ahnung der Höllenpeinen geben. Das Wort: "Buße und Gebet", das sie in der Grotte vernommen hatte, sollte sich auch an ihr bewahrheiten. Als ihr Beichtvater sie mit dem Hinweis auf den Himmel und die Erinnerung an die selige Jungfrau beruhigte, erwiderte sie: "Ja, das sind Gedanken, die Trost bringen."

 

Man ermutigte sie, freiwillig das Opfer ihres Lebens zu bringen. "Es ist kein Opfer", war ihre Antwort, "ein armseliges Leben zu verlassen, in dem sich uns so viele Schwierigkeiten entgegensetzen, wenn man Gott angehören will."

 

Die zunehmende Körperschwäche schien ihrer Seele vermehrte Kraft zu geben. Mit ihren großen Augen, die immer strahlender und glänzender wurden, verrieten, dass noch Leben in ihr wohnte. Ein himmlisches Feuer schien von ihnen auszugehen, wenn sie das Kruzifix und ein Marienbild betrachtete oder aber zum Himmel aufschaute. 

 

Der Klostergeistliche glaubte, dass sie ihren nahen Tod ahne. "Was haben Sie vom heiligen Joseph erbeten", fragte er sie nach dessen Fest. In kräftigem Ton erwiderte sie: "Ich habe um einen guten Tod gebetet."

 

Die Erhörung ihres Gebetes schien nahe zu sein. Am 28. März brachte ihr Beichtvater ihr die heilige Wegzehrung. Soeur Marie-Bernard sprach mit so lauter Stimme, dass alle Anwesenden überrascht waren: "Liebe, würdige Mutter, ich bitte um Verzeihung für alles Leid, dessen Veranlassung ich gewesen bin durch meine Untreue im Ordensleben sowie noch für das schlechte Beispiel, das ich meinen Ordensschwestern gegeben habe."

 

Allein der Tod kam noch nicht, sie zu erlösen. In den kurzen Pausen, da die Schmerzen etwas nachließen, zeigte sich immer wieder ihre kindlich naive Fröhlichkeit; selbst wenn sie von ihrem Tod sprach, fand sie sanfte, liebenswürdige Scherzesworte.

 

Aber nur zu schnell begann die Krankheit ihr Zerstörungswerk aufs neue. Die körperlichen und seelischen Leiden verdoppelten sich während der Karwoche; die mutige Braut des Erlösers sollte an dem großen und zugleich furchtbaren Opfer des Herrn Anteil haben.

 

"Was werden Sie Ostern beginnen?" fragte man sie.

 

"Meine Leiden enden erst mit dem Tod", war ihre Antwort.

 

Der Ostertag begann und war für Soeur Marie-Bernard ein fortgesetztes Gethsemani und Golgatha.

 

Osterdienstag war ein Tag der furchtbarsten Todesangst. In der Nacht von Montag auf Dienstag hörte man sie wiederholt rufen: "Fort von hier, Satan!" Am Morgen bekannte sie ihrem Beichtvater, dass der Teufel versucht habe, sich auf sie zu stürzen; jedoch nachdem sie den Namen "Jesus" angerufen hatte, kehrte der Friede zurück. 

 

Am Dienstag morgen empfing sie nochmals die heilige Wegzehrung und alsbald begann der Kampf aufs neue. Am Abend war Soeur Natalie bei ihr, die zweite Assistentin, zu der sie ein besonderes frommes Zutrauen hatte.

 

"Liebe Schwester, ich fürchte mich, - ich fürchte mich", rief die arme Sterbende, jedoch Soeur Natalie beruhigte sie wiederum. "Ich habe so viele Gnaden erhalten", fuhr sie fort, "und fürchte sie so schlecht angewandt zu haben." Die gute Schwester verwies sie auf die übergroße Barmherzigkeit unseres Erlösers und versprach, dass alle mit ihr beten würden.

 

Mit einem glücklichen, lauten: "Nun bin ich beruhigt", vernahm die Sterbende es und blieb im Frieden bis zum Ende.

 

Am Morgen des 16. April saß sie betend in ihrem Sessel und erwartete den Tod. Um 1 Uhr ließ sie ihren Beichtvater rufen, um nochmals zu beichten.

 

"Sie leiden große Schmerzen", sagte eine der Anwesenden.

 

"Das alles wird mir nützlich sein für den Himmel", war ihre Antwort.

 

"Ich werde die Unbefleckte Mutter bitten, Ihnen Trost zu senden."

 

"Nein", erwiderte die Kranke, "keinen Trost, aber Stärke und Geduld."

 

Da erinnerte sie sich des päpstlichen Segens für die Sterbestunde, den Pius IX. ihr bewilligt: sie nahm das Dokument in die Hand und sprach mit Andacht den Namen "Jesus" zur Gewinnung des Ablasses. 

 

Dann sprach sie innig: "Mein Gott, ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen, - aus meiner ganzen Seele und mit allen meinen Kräften."

 

Man las ihr die Gebete der Sterbenden vor. Mit schwacher, aber deutlicher Stimme wiederholte sie alle Akte. Mit Rührung bemerkte man, dass ihre großen Augen sich von Zeit zu Zeit öffneten, um das Kruzifix an der Wand mit innigster Andacht zu grüßen. Man legte es in ihre schwachen Hände. Die Sterbende ergriff es mit hastiger Bewegung und drückte es so fest an ihr Herz, als ob sie es nie mehr lassen wolle. Man befestigte es in der Weise, dass sie es ohne Anstrengung beständig vor Augen hatte und küssen konnte.

 

Plötzlich breitete sie die Arme in Kreuzesform aus und hörte man sie mit halblauter Stimme sagen: "O, wie ich ihn liebe!"

 

Die Sterbende bat den Priester, sie zu verlassen, da die Schwestern beichten wollten; es blieben nur einige von ihnen bei ihr, die sich im Gebet mit ihr vereinigten. um 2 Uhr 45 kam Soeur Natalie eilig aus der Kapelle, einer Ahnung folgend. Als sie eintrat, streckte die Sterbende ihr flehend die Arme entgegen. "Helfen Sie mir", rief sie; "helfen Sie mir, - beten Sie für mich." Die Gebete der Schwestern beruhigten sie wiederum. Dann bat sie Soeur Natalie um Verzeihung, nahm liebevoll das Kruzifix in die Hand und küsste einzeln jede Wunde des Herrn.

 

Auf ein Zeichen hin, dass sie zu trinken verlange, gab man ihr ein Glas, das sie selbst in die ersterbenden Hände nahm, und trank einige Tropfen.

 

Ehe sie das Glas an die Lippen brachte, machte sie feierlich eines dieser großen Kreuzzeichen, wie sie sie von der Gottesmutter gesehen hatte, das nun die Zeugen ihres Todeskampfes ebenso rührten als sie die bei der Extase Anwesenden entzückt hatten.

 

Nun ging es zu Ende.

 

Bernadette hatte Frieden. Die Schwestern beteten und sie schloss sich mit ersterbender Stimme an. Endlich hörte man sie zweimal den zweiten Teil des "Ave Maria" beten, jenes Gebet, das sie oft und freudig an der Grotte wiederholt hatte. Zum dritten Mal setzte sie an: 

 

"Heilige Maria, Mutter Gottes . . ."

 

Es waren ihre letzten Worte, - sie konnte nicht vollenden. 

 

Die Anwesenden, die sie scheiden sahen, beteten noch: "Jesus, Maria, Joseph, - steht uns bei im Todeskampf."

 

Bernadette neigte das Haupt und stand vor ihrem Richter. Es war 3 Uhr, - die Todesstunde ihres Erlösers; am gleichen Tag, - vor 21 Jahren war es gewesen, - als das der Erde entrückte Kind mit der brennenden Kerze in der Hand in der Grotte vor der Gottesmutter betete, während die Flammen der herabbrennenden Kerze in ihrer Hand die Finger brannte, ohne zu verbrennen oder sichtbare Brandspuren zurückzulassen.

 

So war auch ihr Lebenslicht erloschen, das Leben, das mit neuem Glanz zur Verherrlichung Gottes und seiner heiligen Mutter in der Kirche leuchten sollte, um nun im unvergänglichen Lichtglanz des Paradieses in alle Ewigkeit zu strahlen.