Der heilige Bartholomäus von Kalabrien, Einsiedler, Priester, Klostergründer und Abt, + 17.4.1130 – Fest: 19. August

 

Für den heutigen Tag erzählt die Legende das Nachfolgende:

 

Bartholomäus von Kalabrien (in der heiligen Taufe hatte er den Namen Basilius erhalten) war schon in früher Jugend von der Wahrheit durchdrungen, dass nur die überirdischen Güter unseres Strebens würdig sind. Er hatte darum in der Stille Eltern, Freunde und Vaterland verlassen, und, nachdem er unter Anleitung heiliger Mönche und Einsiedler in der Schule des geistigen Lebens die besten Fortschritte gemacht hatte, sich auf einen einsamen Berg zurückgezogen, um da als Einsiedler Gott und seinem Seelenheil zu leben. Durch Jäger, die ihn entdeckten, verbreitete sich der Ruf von der Anwesenheit eines heiligen Mannes, und bald kamen viele herbei, um sich seinem Gebet zu empfehlen, und aus seinem Mund Belehrung für das Geschäft ihres Seelenheils zu vernehmen. Einige schlossen sich ihm gänzlich an und blieben bei ihm, um unter seiner Anleitung ein gottseliges Leben zu führen. Er sorgte in Liebe sowohl für ihr geistliches Wohl, als auch für ihre leiblichen Bedürfnisse, und die Gemeinde, die sich gebildet hatte, machte unter einem solchen Lehrmeister, der noch mehr durch seine Beispiele als durch seine Worte unterrichtete, die herrlichsten Fortschritte auf den Wegen echter Gottseligkeit. So sehr sich Bartholomäus hierüber erfreute, so fing er doch an, wegen der vielen Geschäfte, die ihm die Sorge für die Brüder verursachte, und wegen des Besuchs der Fremden, die der Ruf von ihrem heiligen Lebenswandel immer zahlreicher herbeizog, für sein eigenes Heil zu fürchten und sich nach der früheren Abgeschiedenheit zu sehnen. Schon war er entschlossen, seine Brüder zu verlassen und sich in eine unzugängliche Einöde zu verbergen. Es war dies wohl eine Versuchung des Feindes, der durch die Entfernung des Heiligen das Gute allmählich wieder verschwinden zu sehen hoffte, das er zu seinem Ärger sich immer mehr befestigen und auf die ganze Gegend ausbreiten sehen musste. Allein die „Mutter des guten Rates“, Maria, der Bartholomäus mit aller Andacht ergeben war, machte die Anschläge des Feindes zunichte. Als ihr Diener, voll von jenen Gedanken, die Nacht im Gebet durchwachte, erschien sie ihm von himmlischem Licht umflossen, und sprach: „Stehe ab von deinem Vorhaben, diesen Ort zu verlassen. Du musst hier verbleiben und an dieser Stelle eine Lehrschule der Seele errichten, in der viele durch dich das Heil erlangen werden.“

 

Alle Unruhe war nun aus seinem Geist gewichen. Bartholomäus begann im Vertrauen auf den Beistand seiner himmlischen Ratgeberin den Bau eines Klosters, für den ihm Maria auch die freigebigsten Wohltäter erweckte. Bald war es vollendet und nicht bloß ein Sitz der Tugend und Frömmigkeit, sondern auch eine Pflanzschule für viele andere Orte, indem es diejenigen, die Aufnahme suchten, nicht alle fassen konnte, und an vielen anderen Orten neue Niederlassungen gegründet wurden, die nach den Regeln und im Geist des Mutterklosters Unbeschreibliches für die Rettung und Heiligung Unzähliger wirkten.