Der heilige Augendus / Eugendus von Condat, Abt und Bekenner, + 1.1.514 - Fest 1. Januar

 

Die berühmte Abtei Condat, erbaut auf dem Berg Jou, sonst Jura genannt, in der Franche-Comté, trug den Namen des heiligen Augendus bis ins 13. Jahrhundert, nahm dann den Namen des heiligen Claudius an. Nach und nach hat sich eine Stadt bei dieser Abtei gebildet. Im Jahr 1743 errichtete Benedikt XIV. dort ein Bistum und erhob die Kirche zur Kathedrale. Die Kanoniker mussten, um aufgenommen werden zu können, sechzehn Ahnen, acht väterliche und acht mütterliche, zählen.

 

Augendus wurde von seinem siebten Lebensjahr an unter der Leitung der beiden heiligen Brüdern Romanus und Lupianus, der Stifter des Klosters Condat, erzogen. Nach Minausius Tod, dessen Gehilfe er war, wurde er Abt dieses berühmten Klosters. Er führte ein sehr strenges Leben, nahm am Tag nur eine Mahlzeit nach Sonnenuntergang, die dazu noch sehr dürftig war. Im Winter und Sommer trug er dasselbe wollene Kleid, und legte den Bußgürtel nie ab. Aus den gleichen Bußeifer härtete er auch seinen Leib gegen die strengste Kälte ab, und unterzog sich mehreren anderen Abtötungen. Die Heiterkeit seines Angesichtes war der sprechendste Ausdruck seiner Seelenruhe. Seine Sanftmut war unwandelbar, und keine Unannehmlichkeiten vermochten sie zu trüben. Er hatte die große Kunst erlangt, sich innig durch immerwährendes Gebet mit Gott zu vereinigen. Seine Andacht war so zärtlich, dass sie schon durch ein frommes Wort sichtbar entflammte, und er bis zur Entzückung hingerissen wurde. Diese heilige Seelenstimmung wurde sogar noch in seiner letzten Krankheit erhöht. Da schließlich der Augenblick sein Opfer zu vollenden angekommen war, ließ er einen Priester mit dem heiligen Öl rufen, empfing, nach dem Brauch jener Zeit, die heilige Salbung auf die Brust, und starb fünf Tage danach, in einem Alter von sechzig Jahren, um das Jahr 514.

 

Der heilige Augendus war nicht Priester, obgleich man ihn öfters dringend aufforderte, die heilige Weihe zu empfangen. Er war in der griechischen und lateinischen Sprache sehr bewandert, und besaß große Kenntnis der heiligen Schriften. Mit aller Sorgfalt strebte er danach, in seinem Kloster die auf die Religion sich beziehenden Studien zu begründen und zu erhöhen. In einer handschriftlichen Geschichte der ersten Äbte von Condat wird erzählt, man habe den Leichnam des Heiligen aus der Erde erhoben, um ihn auszuschmücken, und an einen anderen Ort zu übersetzen, was mit großer Feierlichkeit geschehen sei, bei der der Verfasser selbst zugegen gewesen, und einen Bericht darüber abgefasst habe. Diese Schrift ist aber nicht erhalten geblieben. Durch den Gürtel des heiligen Augendus, der aus einem Stück weißen Leder verfertigt, zwei Finger breit ist, sind mehrere wunderbare Heilungen geschehen. Im Jahr 1601 wurde Petronilla Birod, eine der Irrlehre Calvins ergebene Frau, weil sie nicht entbunden werden konnte, von einem nahen und gewissen Tod bedroht. Kaum aber hatte man sie mit der Reliquie des Heiligen berührt, als ihr sogleich geholfen wurde. Tief erschüttert durch dieses Wunder bekehrte sie sich mit ihrer ganzen Familie zum katholischen Glauben.