Der fromme Arnold – Gedenken: 1. Februar

       

Arnold war ein Verwandter des berühmten Gerhoh (Fest: 27. Juni). Sein Geburtsort ist wahrscheinlich Polling in Oberbayern. Von seinem Leben und seinen Taten ist uns nur so viel berichtet, dass er gottselig, fromm und still ein mit Gott in Christus verborgenes Leben geführt und durch sein Beispiel die ganze Gemeinde erbaut hat. Das Merkwürdigste ist sein Todeskampf und sein Scheiden aus dieser Welt. Darüber hat uns einer seiner Mitbrüder ausführliche Nachrichten hinterlassen.

 

Schon in der letzten Adventwoche des Jahres 1165 wurde Arnold von einem Fieber befallen. Dieses Fieber verließ ihn nicht mehr und zehrte von Tag zu Tag an seinen Kräften. Der Kranke wurde immer schwächer, und ein paar Tage vor dem Fest Mariä Lichtmess 1166 glaubte er wirklich, sein Ende sei nahegekommen. Während der ganzen Krankheit hatte er mit bewunderungswürdiger Geduld ausgeharrt, voll Ergebung in den heiligsten Willen des Herrn. In den größten Schmerzen hatte er immer mit freudigem und heiterem Angesicht seine Mitbrüder getröstet und ermahnt, dass sie seiner im Gebet gedenken möchten.

 

Diese Ruhe und Freudigkeit dauerten bis auf den letzten Tag. Mit innigster Andacht hatte er noch die heiligen Sakramente der Sterbenden empfangen, und sich zum Kampf gegen Widersacher und zu einem seligen Hinscheiden vorbereitet. Jetzt erst kamen die Stunden schwerer Prüfung.

 

Nach Empfang der heiligen Wegzehrung ließ Arnold alle seine Mitbrüder zu sich in seine Zelle kommen. Er war schon sehr schwach und die Todesangst machte seinem Herzen bange. Da bat er denn alle seine Brüder recht inständig, sie möchten ihn doch nicht verlassen im letzten Kampf, den er mit dem bösen Feind noch zu kämpfen hätte. Sie möchten ihn doch unterstützen mit ihrem Gebet, wenn er vor Schwäche nicht mehr werde beten können. Insbesondere bat er sie, sie sollten ihn in die heiligsten Wunden des gekreuzigten Heilandes, und in den mütterlichen Schutz der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes empfehlen. Auch möchten sie das Opfer der heiligen Messe für ihn aufopfern, dass er ja nicht unterliege in diesem Kampf.

 

Den Brüdern graute ob dem Todeskampf. Weinend und betend empfahlen sie die Seele des Kämpfenden in den göttlichen Schutz und flehten zum Herrn, dass er auch ihnen gnädig sein wolle in der letzten Stunde. Der sterbende Bruder aber wurde ruhiger. Gar andächtig küsste er das Kreuz, und sprach dann noch zu den betenden Brüdern: „Seht, wie diese Geister der Finsternis das Licht scheuen, das wir im Gekreuzigten haben, wie feige sie allesamt vor ihm die Flucht ergreifen. Das Kreuz ist das triumphierende Zeichen, in dem sie überwunden wurden. Lasst uns nun, um Gottes Beistand zu erlangen, das heilige Vater unser beten! Lasst uns auch zum Bekenntnis der heiligsten Dreieinigkeit den Glauben sprechen. Vor solchem Bekenntnis erschrecken alle Mächte der Hölle und ergreifen die Flucht. Lasst uns auch zu Maria beten, dass sie uns Verzeihung und Gnade erflehe bei ihrem Sohn. Lasset uns alle Heiligen Gottes um ihre Fürbitte anrufen!“

 

Nun begannen die Mönche die Litanei zu allen Heiligen zu beten. Nachdem alle Heiligen der Ordnung nach angerufen waren, rief Arnoldus aus: „Kehrt wieder zurück zu Maria und ruft aufs Neue sie an, dass sie für mich fürbitte.“

 

Hierauf begann ein neuer Kampf. Dem treuen Diener Gottes war es, als stünde er vor dem Gericht des gerechten Gottes. Die so oft betrachteten Schrecken des Gerichts sollte er noch in seinem Leibesleben erfahren. Da stand neben ihm der Verkläger der Kinder Gottes, der Tag und Nacht auf das Verderben der Gerechten sinnt. Das ganze vergangene Leben wurde hier aufgerollt und alle seine Vergehen wurden gegen ihn als Anklage vorgebracht. Die betenden Brüder hörten den Diener Gottes öfters ausrufen: „Nur heraus, nur heraus mit den Anklagen, ich habe schon längst mich selbst dessen angeklagt und alles gründlich bereut. Ich leugne gar nichts. Die Gnade meines Herrn hat mir alles verziehen.“ Darauf erblickte er neben sich die Königin des Himmels, die Mutter der Barmherzigkeit, und rief ihr zu: „Sprich nur ein Wort, o meine Mutter, und alle meine Ankläger müssen verstummen.“

 

Wie der Diener Gottes zuerst in das Reich der Finsternis einen Blick getan hat, um mit ihm ganz aufzuräumen und fertig zu machen, so wurde ihm jetzt auch ein Blick in das Reich des Lichtes gegönnt. Auf einmal rief er aus: „Welch eine Glorie und Freude der Heiligen hab ich geschaut! Wie ist doch alles, was die betrogene und betrügerische Welt anbietet, so gar nichts im Vergleich mit dieser Herrlichkeit!“ Jetzt wollte er sich aufrichten und rief: „Ich komme, ich komme!“ Allein alsobald fiel er wieder zurück auf sein Lager, senkte sein Haupt und verschied, als eben die Sonne aufging und seine Zelle zu erleuchten begann, selig im Herrn.