Die gottselige Armella Nikolaus (genannt „die gute Armelle“), fromme Dienstmagd und Türhüterin in einem Ursulinenkloster, + 24.10.1671 – Gedenken 24. Oktober

 

Von ihrer Kindheit an hatte Armella eine zarte Liebe zu Maria und es war ihr eine große Freude, alle die kleinen Andachtsübungen zu verrichten, von denen sie wusste, dass sie ihr wohlgefällig sind.

 

Sie erzählt selbst von ihrer Andacht zu Maria:

„Ich bat sie inständig und mit heißen Tränen, sie möge mich ihrem Sohn vorstellen und empfehlen, und alles von mir nehmen, was den Augen seiner göttlichen Majestät missfallen könnte. Ich sagte bei mir selbst: wenn ich nur die Gunst der Mutter erwerbe, so bin ich versichert, dass ich auch bei dem Sohn zu Gnaden kommen werde. Ich hielt mich also Tag und Nacht bei ihr auf, ich führte mir alle ihre Handlungen aufmerksam zu Gemüte, stellte sie mir insgemein in ihrem Hauswesen zu Nazareth vor: wie sie ihren Sohn liebte und ihm ihre zärtliche Liebe bezeigte, wie sie ihm als ihrem Gott mit Ehrfurcht diente, wie sie ihn auf ihren Armen trug und an ihr Herz drückte. Sodann bestrebte ich mich, nach ihrem Beispiel dasselbe zu tun. Es kam mir vor, das Haus in dem ich war, sei das Haus der seligsten Jungfrau, und ich sei ihre und ihres Sohnes Magd. Bei allem also, was ich immer in meiner Haushaltung und in meiner Küche zubereitete, verhielt ich mich ebenso, als wenn es für ihre heiligsten Personen gehört hätte. Ich lasse sie selbst bedenken, wie angenehm und leicht mir die Arbeit war.“

 

„Alle diese und noch viele andere solche Vorstellungen wurden mir ins Gemüt gegeben, ohne dass ich zuvor jemals daran gedacht oder gewusst hätte, was dies sei. Wenn ich in meiner Haushaltung auskehrte, in der Küche zurichtete, die Betten machte und alles säuberte und in Ordnung brachte, kam mir vor, ich sähe die heiligste Jungfrau vor mir, die ein Gleiches täte. Ich befliss mich dann, ihr in allem nachzuahmen, und ich hielt mich mit meinen Gedanken allzeit nahe an sie, ohne mich je von ihr zu entfernen. Bei diesem Benehmen war meine ganze Absicht die, dass sie mich ihrem Sohn übergebe und ich durch sie die Gnade erhielte, in seiner Liebe ganz entzündet zu werden.“

 

Dies sind Armellas eigene Worte, denen nur noch beizusetzen ist, was wir gleichfalls aus ihrem Mund haben, nämlich, unser Herr habe ihr durch seine heilige Mutter so viele Gnaden erwiesen, dass sie diese nicht zählen könne. Sie erinnere sich auch nicht, dass seit ihrer Bekehrung jemals ein Fest der heiligen Jungfrau vorüber gegangen sei, an dem sie nicht eine ganz besondere Gunstbezeigung erhalten habe, und Gott habe allzeit auf diese Tage gewartet, ihr solche Gnaden zu erteilen, bis er sie in sein Haus eingelassen habe, denn von der Zeit an seien seine Gunstbezeigungen auf keine gewissen Zeiten mehr eingeschränkt gewesen.

 

Armella hatte stets geglaubt, die heiligste Jungfrau werde ihr als Mittlerin dienen, um zum Besitz ihres göttlichen Sohnes zu gelangen. In dieser Meinung wurde sie durch folgende ganz außerordentliche Gnade bestärkt. Als sie einst des Nachts in einem geheimnisreichen und liebevollen Schlaf lag, kam ihr vor, sie sehe die heilige Jungfrau, wie sie ihr liebes Kind in den Armen hielt. Armella warf sich zu seinen Füßen, und fing an, es zu liebkosen und ihm ihre innigste Liebe mit der ganzen Anmutung ihres Herzens zu bezeigen. Hiermit begnügte sie sich nicht, sondern da sie sah, dass die heiligste Mutter ihr das Kind darreichte, nahm sie es und trug es, wie ihr schien, durch das ganze Haus, damit auf diese Weise alle Orte des Hauses geheiligt würden. Nachdem sie es eine lange Zeit so gehalten hatte, gab sie es wieder in die Arme seiner heiligen Mutter zurück, die sogleich verschwand. Als sie darüber erwachte, war ihr Geist so geändert und ihr Herz so voll der Liebe, dass sie sich kaum fassen konnte. Das Andenken an diese Gnadenerweisung blieb hernach allzeit so tief in ihr Gemüt eingedrückt, dass sie selbe niemals vergessen konnte. Es war ihr auch sehr dienlich, in der Vollkommenheit fortzuschreiten und sich der Anleitung des Geliebten zu überlassen. „Denn der Geliebte“, sagte sie, „hat sich auch mir übergeben. Ich habe Jesus in meinen Armen gehabt, ich habe ihn, wohin es mir gefällig war, getragen und geführt, ohne dass er sich widersetzte. Ist es also nicht höchst billig, dass auch ich mich ihm ganz übergebe und ihn mit mir nach seinem Wohlgefallen schalten lasse?“

 

Gleichwie die heiligste Jungfrau sich in Erteilung der Gnaden höchst freigebig gegen Armella erzeigte, so wendete auch sie alle Sorgfalt an, die Ehre Mariens zu befördern und ihre Andacht zu ihr auch den Herzen derjenigen einzuflößen, mit denen sie Umgang hatte. In dieser Absicht redete sie sehr oft von der Hoheit und von den Vollkommenheiten der seligsten Gottesmutter. Sie riet allen, in ihren Nöten und Anliegen zu Maria ihre Zuflucht zu nehmen, und gab ihnen zugleich die Versicherung, dass sie, wenn sie dieses im Vertrauen zu ihrer Güte und Barmherzigkeit täten, niemals von ihr verlassen würden. Diese andächtigen Gesinnungen suchte sie besonders mit allem Eifer den Kindern des Hauses einzuprägen, wo sie diente. Da die Sorge für die Erziehung dieser Kinder ihr allein oblag, lehrte sie ihnen Gebete, Maria, die seligste Jungfrau, damit zu verehren, und damit sie diese mit Andacht und Liebe verrichteten, brauchte sie alle Kunstgriffe und Mittel, die ihr die Liebe eingab.

 

Wenn es in ihrer Gewalt stand, so betete sie täglich den heiligen Rosenkranz, oder wenigstens einen Teil von ihm, und sieben Vaterunser und Ave Maria, das Bruderschaftsgebet vom heiligen Skapulier, das sie mit großer Andacht trug. Oft musste sie jedoch ihre Andachten zu Maria, der heiligsten Jungfrau aus zwei Ursachen unterlassen. Die eine Ursache war, weil sie wegen vieler Geschäfte dazu nicht Zeit hatte, und alsdann blieb sie ebenso ruhig und zufrieden, als wenn sie ihre Andacht vollkommen hätte halten können. Denn sie setzte ihre Andacht in die vollkommene Erfüllung des göttlichen Willens. Die andere und viel häufigere Ursache solcher Unterlassungen kam von der Liebe Gottes her, von der sie so eingenommen war, dass es ihr oft unmöglich wurde, ein einziges Wort vorzubringen.

 

Unter allen Vollkommenheiten, die sie an der glorreichen Jungfrau liebte, wurde sie am meisten von ihrer Liebe gerührt. Sie war überzeugt, Gott sei von Maria mehr als von allen übrigen Geschöpfen zusammen geliebt worden, und wegen dieses einzigen Gedankens wusste sie Maria nicht genug zu danken und Gott zu preisen. In solchen Gesinnungen der Liebe und Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter verharrte die gottselige Magd Armella bis ans Ende ihres Lebens, das an einem der heiligen Jungfrau besonders geweihten Tag erfolgte, nämlich am 24. Oktober des Jahres 1671, der ein Samstag war.