Der selige Andreas von Lechhausen, frommer Bauernjunge, + 16.9.1606 – Gedenktag: 16. September

 

Im Dorf Lechhausen bei Augsburg sprosste ein wunderliebliches Muttergottesröschen auf, das alle erfreute und tröstete, die es sahen und kannten, und das schon früh aus dem rauen Erdenland ins Paradies versetzt wurde, um dort ewig vor dem Thron der Himmelskönigin zu blühen. Es war dies Andreas, ein frommer Bauernjunge.

 

Die heilige Jungfrau hatte ihn schon als Kind in ihren besonderen Schutz genommen. Zweimal war er auf wunderähnliche Weise am Leben erhalten worden. Einmal, da er aus dem obersten Stockwerk des Hauses auf das steinerne Pflaster stürzte, und das andere Mal, als er von der Lechbrücke ins Wasser fiel. In beiden Fällen erlitt das Kind nicht den geringsten Schaden. Als er einmal so groß war, dass er in die Christenlehre gehen durfte, wo er von Gott und seiner gebenedeiten Mutter so viel Schönes hörte, so konnte man ihn davon nicht mehr zurückhalten. War er krank, so ließ er sich in die Kirche tragen, damit ihm ja keine Christenlehre verloren ging. Dabei war er so sittsam und eingezogen und antwortete so schön und gut, dass die Leute bis zu Tränen gerührt wurden. Er merkte sich die Lehrstücke nicht bloß im Kopf, er versuchte sie auch aufs Pünktlichste auszuüben. Was nur den geringsten Schein eines Fehlers an sich hatte, vermied er aufs Sorgfältigste. Nie beleidigte er seine Eltern. Einst hörte er Sackpfeifer. Die bliesen, so gut sie konnten. Er fand Wohlgefallen an der Musik, kaufte sich auch eine Pfeife und versuchte darauf zu spielen, so gut es eben ging. Da sagte ihm der Vater halb im Ernst und halb im Scherz: „Kind, du musst wissen, dass selten ein Musikant in den Himmel kommt!“ Erschrocken warf Andreas seine Pfeife weg, und nie sah man mehr ein solches Instrument in seinen Händen.

 

In seinem achten Lebensjahr erkrankte er. Da die Krankheit zunahm, ließ er den Pfarrherrn zu sich bitten. Bei einem Besuch von ihm kam einmal ein Priester der Gesellschaft Jesu, der gerade bei ihm war, zu dem kranken Jungen. Der Pater fragte ihn, wo denn während seiner Krankheit seine Gedanken am meisten wären? „In dem Himmel“, antwortete Andreas. Der Jesuit fragte weiter: ob er gerne sterben wollte? „O ja,“ entgegnete schnell der Kleine, „ich kann ja dort auch beten, und noch mehr, als hier.“ Auf die Frage, was die Unschuldigen Kindlein im Himmel tun, antwortete er: „Sie liegen immer in den Armen des lieben Herrgott.“

 

Ein anderes Mal stellte der Priester, der seine Beicht gehört hatte, die Frage, wie er denn so vergnügt sein könne, und welche Tröstungen er in seiner Krankheit habe? Die Antwort war: „Die seligste Jungfrau Maria und der heilige Petrus und der heilige Andreas, die haben mich heimgesucht – sie sehen gar schön aus.“

 

„Die Mutter Gottes hat mich geküsst, die anderen haben mich freundlich gegrüßt und getröstet. Sie haben mir auch viel Schönes vom himmlischen Paradies erzählt, und dann sind sie wieder fortgegangen.“ Er verlangte von nun an alle Tage die heilige Kommunion, die man ihm bei seiner Frömmigkeit und Einsicht auch gerne reichte. Als sein Tod nahe war, und seine Mutter und Geschwister weinend um sein Bett standen, redete er sie so an: „Lebe wohl, liebe Mutter, weil ich jetzt sterben werde: lebe wohl! Der liebe Gott segne dich immer! Lebt auch ihr wohl, meine lieben Brüderchen! Johannes, folge ja der Mutter mehr, als bisher, und du Mathias, antworte ihr ja nicht so barsch, sondern still und freundlich. Und nun vermache ich dir, liebe Mutter, dieses schöne Rosenkränzchen, das mir der geistliche Herr in der Christenlehre geschenkt hat. Lebt wohl, lebt alle wohl!“

 

Als er nicht mehr sprechen konnte, faltete er doch immer seine Hände, und man bemerkte, wie er still nachbetete, was ihm die Mutter vorsprach. Hörte er den Namen Jesus aussprechen, so neigte er sein Köpfchen gar andächtig, so viel, als er noch konnte. Seine Händchen hob er bald zum Himmel, bald ließ er sie wieder sinken, bald legte er sie in Form eines Kreuzes wieder zusammen. Nachdem er verschieden war, lag er da, wie eine frischgepflückte Rose, denn seine Wangen blieben auch nach dem Tod noch gerötet. Er starb am 16. September 1606.