Der gottselige Adelbert, Prior in Oberaltaich, + 26.11.1311 – Gedenktag: 26. November

 

Der gottselige Adelbert ist aus dem alten ritterlichen Geschlecht der Haygerloch entsprossen und stammt somit aus Schwaben. Nach dem Willen seiner Eltern sollte er sich den Wissenschaften widmen. Allein die Zucht und der Ernst der Studien waren ihm zuwider. Es gelüstete ihn nach einem freieren Leben. Seine vortrefflichen Talente und der Adel seiner Geburt verschafften ihm bald ein Übergewicht über seine Altersgenossen. Diese schlossen sich an ihn an und beeinflussten ihn durch ihre Schmeicheleien und durch ihre bösen Sitten. Bald hatte man an ihm einen verdorbenen und missratenen jungen Mann zu beklagen. Niemand vermochte etwas über ihn zum Guten wenden. Allein aufgeschreckt durch Gewissensbisse und getragen durch den frommen Glauben seiner Kindheit, entschloss er sich, sein Sündenleben zu verlassen und Buße zu tun. Er wollte in der Abgeschiedenheit des Klosters Buße üben sein Leben lang. Er bat in mehreren Klöstern seines Heimatlandes um Aufnahme. Allein sein bisheriges Leben war bekannt, und den Ernst seiner Bußfertigkeit kannte man nicht. Er wurde in mehreren Klöstern abgewiesen.

 

Diese Demütigungen machten ihn nicht verzagt. Er machte sich auf, verließ sein Vaterland und wanderte bis an die Grenze des Bayernlandes. Auf dieser Wanderung kam er nach Oberaltaich. Damals war Popo, ein ausgezeichneter frommer Mann, der früher in Niederaltaich gelebt hatte, des Klosters Vorstand. Dieser nahm den wandernden Adelbert ins Kloster auf, um das Jahr 1261. Adelbert erbot sich zu den schwersten Prüfungen und erklärte, sein Leben lang willig und freudig der Letzte unter den Brüdern sein zu wollen, wenn man ihn nur dulde.

 

Kaum zweiundzwanzig Jahre alt, begann Adelbert ein so eifriges und strenges Ordensleben, dass er allen seinen Mitbrüdern zum Vorbild diente. Für jedes unbedachtsame Wort, für jedes übermäßige Lachen, für die geringste Nachlässigkeit in Bewachung der Augen übte er sogleich in seiner Zelle die strengste Buße. Oft sechsmal des Tages kam er zu seinem Beichtvater und bekannte ihm jeden seiner geringsten Fehltritte. Und weil er wohl wusste, dass all sein Wachen über sich selbst und all seine Bußübungen nichts helfen, wenn nicht des Herrn Gnade ihn unterstütze, so übte er sich unablässig im Gebet um den göttlichen Beistand. Er hatte sich selbst den schlechtesten Winkel des Klosters in der Nähe des Chores als seine Zelle auserwählt. Aus diesem Winkel kroch er gar oft des Nachts, wenn alles im tiefen Schlaf lag, hervor und begab sich in den Chor, um daselbst die Stunden der Nacht im Gebet vor dem Herrn zuzubringen. Er hielt fortwährende Fasten, und die kirchlichen Psalmengebete, die er im Chor mit den Brüdern las, betete er immer noch für sich besonders.

 

Sein größtes Verlangen war, als Missionar unter wilde Völker zu reisen, ihnen das Evangelium zu predigen oder unter ihnen den Martertod zu leiden. Allein seine Obern erlaubten ihm dies nicht, weil sie keine besonderen Anzeichen eines solchen Berufes an ihm wahrnahmen, und weil keine höhere Macht des Bischofs oder des Papstes ihn dazu aufgefordert hatte. Der fromme Abt Poppo bedeutete ihm, er werde genug zu leiden haben, wenn er in Haltung der heiligen Regel mit derselben Treue fortfahre, und Gott der Herr rechne ihm das Verlangen nach dem Martyrium als wirklichen Martertod an. Adelbert ergab sich in den Willen seines Obern. Er lebte fortan ein unblutiges Marterleben in unablässiger Selbstverleugnung und Abtötung, zum aufmunternden Beispiel für das ganze Kloster.

 

Der weise Abt wusste die vortrefflichen Talente Adelberts zum Besten des Klosters recht wohl zu benützen. Zuerst übertrug er ihm den Unterricht der Jugend in den Anfängen der Wissenschaften und die Erziehung derjenigen, die sich für die Aufnahme in das Kloster vorbereiteten. Später übergab er ihm die Seelsorge an der Pfarrei. In beiden Ämtern zeichnete sich Adelbert so aus, dass er noch zu Lebzeiten des Abtes Poppo zum Prior erwählt wurde.

 

Abt Poppo starb im Jahr 1282. Auf ihn folgte Konrad II., der bis zum Jahr 1297 dem Kloster vorstand. Auch dieser weise und fromme Vater seiner Gemeinde hatte den gottseligen Adelbert sehr lieb, und freute sich seiner gesegneten Wirksamkeit. Adelbert zeigte ausgezeichnete Liebe gegenüber jedem Sünder, der reumütig zu ihm kam. Durch seine Milde und sein Mitleiden gewann er viele, schon verloren gegebene Sünder, und zeigte ihnen den Weg zum Himmel.

 

Als Adelbert einst zur Mettenzeit in der Kirche betete, sah er in einer Vision, wie die heiligen Apostel Petrus und Paulus, die Patronen des Klosters aus der Kirche hinaus gingen, und nach einiger Zeit sah er wie sie wieder zurückkehrten, um daselbst ihre Wohnung zu nehmen. Diese prophetische Vision hat sich nach seinem Tod unter dem Abt Konrad erfüllt. Sein Lebensbeschreiber, Pater Dietinger, bemerkt dazu: „Wie wahr der erste Teil dieser Vorhersagung war, erfahren wir seit sechzig Jahren zur größten Betrübnis unserer Seele. Wir wollen zu Gott hoffen und ihn darum inbrünstig bitten, dass er auch den zweiten freudigen Teil dieser Vision erfüllen möge.“

 

Gar oft wurde ihm der Todeskampf irgendeines entfernten Bruders geoffenbart. Er betete jedes Mal für den Sterbenden, und bat auch seine frommen Mitbrüder um ihr Gebet für ihn. Als man ihm einst die Nachricht bringen wollte, der Bruder Ulrich in Niederaltaich sei gestorben, antwortete er: „Das weiß ich gar wohl; er hat ja hier bei mir seine Seele aufgegeben.“

 

Dem seeleneifrigen Prior war besonders auch die geistige Pflege der Aussätzigen anvertraut. Einst sollte eine gar armselige Person, die vom größten Aussatz befallen war, zum Tod vorbereitet und mit den heiligen Sterbesakramenten versehen werden. Sie lag in einer elenden Wohnung. Der üble Geruch, der die ganze Wohnung anfüllte, war zum Ersticken. Nun machte man Anstalt, die Armselige vor die Pforten des Klosters zu tragen, damit Adelbert sie daselbst versehen könnte. Als er davon hörte, wurde er unwillig darüber und Sprach: „Was fangt ihr doch an, ohne mir etwas davon zu sagen? Wie sollte ich, armer Sünder, nicht zu einer Person in ihre Wohnung gehen, zu der doch der Allerheiligste, der König des Himmels, selbst kommen will?“ Er ging also in die elende Wohnung, reichte der Kranken die heilige Wegzehrung, betete mit ihr und sprach ihr himmlischen Trost zu. Das Volk wartete draußen und konnte sich nicht genug wundern, wie es der Diener Gottes solange in diesem Gemach auszuhalten vermochte. Dies war eben kein Wunderwerk, sondern das Werk eines Heiligen, und als solches mehr als Wunder, die doch nur Zeichen der Heiligkeit sind.

 

Endlich nahte der Tag seines Hinscheidens. Der fromme Diener Gottes hatte ihn schon längst vorausgesagt. Es war der 26. November 1311.